Seid ihr freiwillig immer vernünftig?
Zitat
Original geschrieben von Jochen
Ich habe oft den Eindruck, daß Menschen, die ein Tempolimit fordern, selbst auch sowieso a) wenig und b) nicht schneller als 130 fahren.
Das zeigt auch eine Aussage wie "Der - meiner Meinung nach - einzige Grund gegen ein Tempolimit wäre der 'Kick', den mensch (ja, auch ich habe solches schon erlebt!) beim Schnellfahren erlebt.
Aber aus dem Alter sollte man eigentlich als vernunftbegabter Erwachsener (!) raus sein, alles einfach nur zu tun, weil es Spaß macht! (Außerdem gibt es dafür ja noch genügend andere Gelegenheiten )"
Sicher gibt es viele, die im schnell fahren einen Kick verspüren. Aber dagegen ist an sich rein gar nichts zu sagen, solange sie sich gemäßt STVO verhalten.
Schnelleres Fahren hat durchaus einen praktischen Nutzen. Zwar wird dieser häufig überschätzt, vorhanden ist er aber.
Und es wird keiner gezwungen, schneller als 130 zu fahren.
Allen aber das Recht darauf abzuerkennen, obwohl es fahrerisches Können und Verkehr erlauben, halte ich für den falschen Weg.
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@JoPi: Ich habe hier aber wirklich nur sehr dürftige Argumente gegen ein Tempolimit finden können. Es kommt halt nur immer der Spruch, dass man sich durch ein Tempolimit gegängelt fühlt.
Allerdings halte ich diese Aussage für reichlich kindisch, da man die achso ‚verantwortungsvollen’ Autofahrer selbst dazu zwingen muss, ihre eigenen Kinder im Auto richtig zu sichern, auf motorisierten Zweirädern einen Sturzhelm zu tragen, nicht in Feuerwehrzufahrten zu parken usw.
Die Realität und Erfahrung haben gezeigt, dass man sich keinesfalls darauf verlassen darf, dass DIE MASSE der Verkehrsteilnehmer vernünftig handelt.
Der Preis der Freiheit ist mir einfach in diesem Falle zu hoch!
Autofahren ist nun mal gefährlicher als Taubenzüchten und Briefmarkensammeln. Wenn was passiert, dann ist es meistens ziemlich schlimm!
Es ist naiv zu glauben, dass ein Mensch, nur weil er einen Führerschein hat, auch vernünftig fährt. Und auch wenn man selber keinen Fehler macht; der andere macht ihn bestimmt. Und dann ist es einfach besser für die Gesundheit aller Beteiligten, wenn das Tempo statt 200 ‚nur’ 130-140 km/h beträgt, da es für uns Menschen (die, wie DUSA-2772 richtig feststellte, für solche Geschwindigkeiten nicht konzipiert worden sind) bei einem niedrigeren Tempo evtl. noch eher möglich ist, adäquat zu reagieren.
Als Argument zählt hier nicht der Einzelfall, sondern die Wahrscheinlichkeit!
Da ich hier wohl als Befürworter des Tempolimits in der Minderheit bin und Deine Vermutung nicht nachvollziehen kann, ein paar Zahlen: Ich fahre im Jahr ca. 12.000 km (davon über 90% Autobahn). Mein sparsamer Kleinwagen ist allerdings nicht der Schnellste, was mich beim Überholen schon manchmal stört. Da muss ich dann schon mal etwas warten, bis ich mich auf der linken Spur einordnen kann, oder ich muss den Wagen kräftig ‚treten’, was sich dann aber auf die Dauer ziemlich negativ im Spritverbrauch bemerkbar macht...
Trotzdem habe ich immer wieder die Beobachtung gemacht, dass ich nicht wirklich sooo viel Zeit gegenüber wesentlich langsameren Gefährten gewinne: Denn wenn ich nur eine kleine Pause von wenigen Minuten mache (z.B. Tanken und auf’s Klo gehen), dann dauert es doch erstaunlich lange, bis ich die Brummis, die ich vor der Pause überholt habe, danach wieder eingeholt habe.
Nachts sind die Autobahnen dann zwar leerer, aber die Gefahr durch das eingeschränkte Sehen ist dafür um einiges höher. Außerdem ist der Mensch nachts von Natur aus nicht auf seinem körperlichen und geistigen Höchststand, Brummifahrer, die zu später Stunde unterwegs sind, halten sich oft nur noch durch Koffein wach und fahren Schlangenlinie, Tiere wechseln gerne die Straßenseite, ... – Dies spricht alles nicht für einen nächtlichen Freifahrsschein!
Man könnte ja auch behaupten, dass das Gesetz, dass man bei einer roten Ampel immer halten muss, eigentlich überflüssig sei und die vernunftbegabten Verkehrsteilnehmer bevormundet. Denn viele Ampeln sind auch z.B. nachts geschaltet, wenn so gut wie kein Mensch auf der Straße ist. Eigentlich könnte man den mündigen Autofahrer ja selbst entscheiden lassen, ob und wann es die Verkehrssituation zulässt, die Kreuzung zu überqueren, oder?
Was dann passieren würde, kann sich jeder gut vorstellen: Es gäbe Chaos und käme zu mehr Unfällen, da jeder eine eigene Einschätzung davon hat, wann die Verkehrslage es seiner Meinung nach zulässt, die Kreuzung sicher zu überqueren.
(Ja, auch ich habe mich schon mal sehr geärgert, als ich erfahren musste, dass es den Führerschein kosten kann, wenn man als Fahrradfahrer (!) eine Auto-Ampel, die zwar dunkelrot war, aber wo weit und breit kein Mensch auf der Straße war, vorsichtig überquert.)
deepbass:
Mein letzter FrankreichBesuch liegt schon ein paar Jahre zurück, und da bin ich auch nicht selber autogefahren. Aber ich bin ziemlich häufig auf Hollands Straßen unterwegs und habe keinesfalls den Eindruck, dass die Niederländer mit ihrem Tempolimit besonders unglücklich sind. Ich genieße es, nicht ständig auf der Hut sein zu müssen, ob nicht jemand von Hinten ‚angeschossen’ kommt. Das Fahren ist dort entschieden entspannter, da man nicht so häufig gasgeben, abbremsen, einordnen, überholen, wieder ein paar Meter schinden muss. Ich nutze die Zeit im Auto (wenn ich alleine fahre) dafür, in Ruhe gute Musik hören zu können, über etwas nachzudenken, die Hektik etwas hinter mir zu lassen, oder (wenn ich nicht alleine fahre) für entspannte und ausführliche Gespräche mit meinem Beifahrer. 
Dass es anstrengend sein soll, mit 130/140 km/h zu fahren, kann ich nicht nachvollziehen. Man kann sich Stress auch selber machen...!
Stimme ich absolut zu:
Zitat
Jo, was dem US-Bürger seine Schußwaffe ist dem Deutschen seine freie Fahrt. Ich halte ein generelles Tempolimit für sinnvoll. Gleichzeitig könnte man auch das rechts überholen auf Autobahnen erlauben um die ewigen Fahrspurdiskussionen zu beenden. Mit einer Geschwindigkeitsmeßanlage an jeder Brücke, Schilderbrücke, Mautbrücke bekäme man dann auch die Unverbesserlichen von der Straße und ein paar Euro für die Fahrbahnreperaturen ins Säckel.
MfG - Elke