was ist nur daran so schlimm, die steuern zu senken???

  • hallo,


    ich habe mal eine frage (die ich schon in der überschrift verraten habe :D). ich stelle sie mir, weil ich heute den wollmützensänger ben im fernsehen gesehen habe mit sinngemäßen zitat: mein steuerberater sagt mir, was ich wählen soll, was gut für mein geldbeutel ist, aber ich wähle lieber, was gut für mein land ist. und auf ntv musste sich lothar spät für seine wirtschaftspolitik geradezu entschuldigen, woher er denn das geld für eine steuersenkung nehmen will.


    dabei habe ich als kleiner student in einführung in die vwl schon gelernt, dass steuersenkungen nicht unbedingt zur folge haben, dass die einnahmen der steuern sinken. schließlich wächst dann auch die wirtschaft und es werden mehr steuern bezahlt. diese theorie wurde von dem ökonomen laffer in seiner laffer-kurve beschrieben. leider habe ich nichts im internet dazu direkt gefunden, nur noch einen anderen grund, warum man die steuern in einer schlechten konjunkturlage nicht anhöhen sondern senken soll.


    zitat dieser seite:
    Die Laffer-Kurve besagt im Kern, dass bei steigenden Steuersätzen auch die Anreize zur Steuerumgehung wachsen. Die Leute suchen nach Wegen, ihr Geld außer Landes zu schaffen oder steuerfrei zu investieren. An einem gewissen Punkt der Kurve steigender Steuersätze, fängt das Steueraufkommen an zu sinken statt zuzunehmen.


    vielleicht habt ihr ja ne erklärung, warum die meisten deutschen mit steuersenkungen auch gleichzeitig leere kassen des bundes verbinden...


    gruß
    tom

  • Wenn Du so schön in VWL aufgepasst hast, dann müßtest Du auch gelernt haben, daß die Wirtschaftssubjekte bei einer Einkommenserhöhung (was ja eine Steuersenkung irgendwie ist) nicht das gesamte Mehreinkommen wieder ausgeben, sondern auch einen erheblichen Teil sparen.


    Das Geld "versickert" quasi im Wirtschaftskreislauf. Denn das Mehreinkommen wird entweder gespart oder es geht durch Ausgaben an die Wirtschaft. Diese macht also höhere Gewinne, die sie auch wieder nur zum Teil ausgibt.


    Insgesamt werden also wohl durch mehr Einnahmen der Wirtschaftssubjekte mehr Steuern gezahlt, aber eben nicht in der Höhe in der den Wirtschaftssubjekten Steuern erlassen wurden.

  • Du schreibst es selber, du sagst Theorie. Die Keynsianer sagen dies die Laffer sagen das. Beides sind nur theretische Modelle. Keins ist abschliessend bewiesen oder wiederlegt. Die einen sagen man müsse Schulden machen um die Konjuktur anzukurbeln, die anderen sagen man müsse nur ausharren. Die einen sagen antizyklische (edit: sprich nachfrageorientierte ], die anderen [edit: angebotsorientierte ]Wirtschaftspolitik...


    Entschuldigen müssen sich die Leute auch nicht dafür, dass sie Steuersätze senken wollen, sondern dass das auch das einzige ist worüber sie reden. Sie sagen aber nicht welche sozialen Gruppen das nachher bezahlen sollen, denn um mal Fischer zu zitieren:


  • Zitat

    Original geschrieben von Andre
    Wenn Du so schön in VWL aufgepasst hast, dann müßtest Du auch gelernt haben, daß die Wirtschaftssubjekte bei einer Einkommenserhöhung (was ja eine Steuersenkung irgendwie ist) nicht das gesamte Mehreinkommen wieder ausgeben, sondern auch einen erheblichen Teil sparen.


    klar, das tun sie aber auch wenn die wirtschaft am boden liegt, aus angst vor noch schlechteren zeiten. deshalb gehen doch gerade die einnahem zurück und der einzelhandel reduziert seine öffnungzeiten.


    ganz interessant finde ich es auch (mal abgesehen ob es nun toll ist oder nicht, dass wirtschaftszeitungen empfehlungen für die wahl geben), dass die financial times deutschland eine empfehlung für die cdu/csu gibt aufgrund des wirtschaftsprogramms, das keine steuererhöhungen bzw dafür steuersenkungen beinhaltet.



    gruß
    tom

  • Nicht ganz, das ganze ist ja prozentual.


    Man sagt glaube ich, daß ca. 20% des Einkommens gespart wird. Wenn Du aber wenig Einkommen hast, kannst Du nicht (so) viel sparen und Rücklagen bilden. Dann brauchst Du fast Dein gesamtes Einkommen für die überlebenswichtigen bzw. regelmäßigen Ausgaben.


    Erst wenn Dein Einkommen darüber steigt und es Dir gut geht, bist Du in der Lage und Willens Rücklagen zu bilden.



    Das ist jedenfalls das was ich von VWL behalten habe. Muß nicht stimmen da ich dieses Fach nicht wirklich mag.


    Es wird bestimmt noch bessere Antworten als meine geben :rolleyes:


  • ich glaube, du bringst da jetzt den giffen effekt mit hinein (naja, obwohl der mit steuern nicht so viel zu tun hatte)?! also ich glaube, die wirtschaft liegt noch nicht so am boden, dass die haushalte kein geld mehr zum sparen haben.


    gruß
    tom

  • Hab was zu deinem Laffer ergoogelt:



    Weitere Quelle zu nachfrageorientierter vs. angebotsorientierter Wirtschaftspolitik:

    Code
    http://www.juergen-paetzold.de/stabpol/Nachfrage-%20oder%20angebotsorientierte%20Wirtschaftspolitik.htm


    (Als klickbare url funktioniert das leider nicht)

  • *grübel* War der Giffen-Effekt nicht etwas anderes? Wie Du schon sagtest, der hat doch gar nichts mit Steuern zu tun.


    Natürlich wird nicht "Nichts" gespart aber in aktuellen Untersuchungen ist doch immer wieder zu lesen, daß die Sparsummen der Deutschen noch nie so niedrig waren wie zur Zeit.


    Wenn jetzt also die Steuern gesenkt werden sollten, würde mit Sicherheit mehr gespart werden als vorher. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, daß die Verluste durch Steuersenkungen in annähernd gleicher Höhe an den Staat zurückfließen würden.


    Abgesehen davon dürfte es auch etwas dauern, bis das Geld "wieder beim Staat ankommt". Diese Zeit müßte also erstmal vorfinanziert werden.


    Und dann noch der oben schon erwähnte Aspekt: Wer soll wie stark von den Steuererleichterungen profitieren?

  • Zitat

    Original geschrieben von Andre
    Und dann noch der oben schon erwähnte Aspekt: Wer soll wie stark von den Steuererleichterungen profitieren?


    ich denke mal, es geht der union auch hauptsächlich um steuerentlastungen für die wirtschaft (körperschaftssteuer), damit mehr investiert und damit die konjunktur angekurbelt wird, was wiederum mehr arbeitsplätze schafft.


    ich wollt eben mal die aktuelle sparquote herausfinden, doch die seite des statistischen bundesamtes ist nicht ganz so gelungen...


    gruß
    tom


  • Die CDU behauptet die Körperschaftssteuer eher erhöhen zu wollen. Stattdessen möcht sie genauso wie SPD, FDP und Grüne den sogenannten Spitzensteuersatz der Einkommensteuer senken. Dies soll dem sogenannten "Mittelstand" zugute kommen. So soll die Leistungsmotivation erhöht und die Möglichkeit zur Eigenkapitalbildung verbessert werden.


    Mit "Mittelstand" sind hier Personenunternehmen gemeint. Kapitalgesellschaften z.B. GmbH und AG unterliegen der Körperschaftssteuer.

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