Riester Rente Sinnvoll?

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    Original geschrieben von kues
    Ich würde eher sagen, wer mit Rente und Riesterrente nicht über die Grundsicherung kommt, der hat erstmal nicht viel von der Riesterrente.
    Aber wie schon geschrieben kann man in der Kombination R+RR immerhin etwas dazuverdienen ohne Abzüge. Und Verheiratete bzw. Verwitwete erreichen die Grundsicherungsgrenze auch viel wahrscheinlicher/schneller als Ledige bzw. Geschiedene.
    Überschlagen müsste man alleinstehend mit 1000€ Monatsbrutto, 4% Riestereinzahlung (minus Zulage etwa 30€/Monat) und 40 Beitragsjahren (2% Riesterrendite über Inflation) eigentlich schon die Grundsicherungsgrenze erreichen. Gibt es da eigentlich Beispielrechnungen von Monitor?


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    Du mußt allein mit der gesetzlichen Rente mindestens Grundsicherungsniveau erreichen, nur dann bringt dir die Riesterrente etwas. Mit 1000 Monatsbrutto und 40 Beitragsjahren kommst du da wahrscheinlich nicht darüber. Genaue Zahlen zu nennen ist schwierig, da ja das Niveau der gestzlichen Rente in den nächsten Jahrzenten immer mehr absinkt. Wieviel genau, weiß wahrscheinlich niemand ganz genau.

    Oberfranken ist meine Heimatliebe, die mir am Herzen liegt Bernhard

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    Original geschrieben von Partybombe
    War es das? Wurde so öffentlich vorher meines Erachtens noch nie bekannt gemacht. Das Argument war immer nur, dass die Riesterrente Hartz4 sicher ist.


    Mag sein dass es nicht genau so behauptet wurde - aber es wurde von vielen so verstanden und das hat auch niemand deutlich richtig gestellt, wenn's denn anders ist. Also irgendwie schon eine Irreführung. Wäre das alles ganz klar gewesen gäbe es jetzt keinen "Monitor-Riester-Skandal".


    Zitat

    Original geschrieben von Partybombe
    Und es hat vielleicht für die einzelnen keinen Sinn, nur dann kannst du genauso gut sagen, wieso sollen die jetzt arbeiten gehen wenn man auch von anderen Geld bekommen kann? Nicht jeder will Almosen beziehen.


    Na da geht jetzt aber einiges durcheinander.


    Wer arbeiten geht macht es weil er oder sie dadurch mehr Geld bekommt als durch Almosen. Oder auch weil die meisten lieber frei über ihr, wenn auch weniges, Geld verfügen als sich vom Amt wie ein kleiner dummer Junge behandeln zu lassen - so kam ich mir jedenfalls in den paar Monaten, in denen ich seinerzeit übergangsweise arbeitslos gemeldet war, vor.
    Die wenigsten werden arbeiten weil sie der Gesellschaft etwas Gutes tun wollen.


    Allerdings muß man das auch von der Rente differenzieren.


    Diese basiert ja auf dem Generationenvertrag, nach dem die junge und mittelalte Generation die Rente der Alten erwirtschaftet. Wer jetzt also nicht riestert und damit nicht selber vorsorgt, weil er erkennt dass es ihn finanziell nicht nach vorne bringt, sondern er jetzt nur Kohle abdrückt, die ihm im Alter angerechnet wird und somit nicht zur Verfügung steht, verhält sich moralisch nicht unbedingt unfair, denn derjenige hat ja auch jetzt schon die Rente der heutigen Alten finanziert. Er hat eben nur selber nicht vorgesorgt weil es ihm nichts bringt, sondern nur zusätzlich kostet.


    Das Problem der jetzt Arbeitenden ist dass wir alle in dieser Umbruchsphase stecken, wir arbeiten für die Renten unserer Eltern, werden von unseren Kindern aber kaum genauso bedient werden. Insofern müssen wir im Grunde zwei Renten erwirtschaften.


    Ich kann es aber moralisch nicht verurteilen wenn jemand jetzt nicht anspart weil er erkennt dass er später nichts davon haben wird - und das ist um so mehr verständlich wenn jemand sowieso schon knapsen muß weil das Geld knapp ist. Klar ist das schön wenn Leute trotzdem sparen um die zukünftige Gesellschaft und die Kindergeneration zu entlasten, nur irgendeinen Vorteil muß es für einen selber auch haben. Man kann nicht flächendeckenden Altruismus verlangen und sagen "zahlt mal schön 2 Renten, die für eure Eltern und ansparen auf die eigene Rente" - und obendrein sieht der Geringverdiener von den eigenen Ersparnissen später nix mehr weil es doch nur die Grundsicherung gibt, die jeder bekommt. Da werden die Leute ja gleich dreifach verarscht, und noch dazu trifft es auch wieder diejenigen, die eh mit wenig leben müssen und es schwer genug haben. Irgendwo ist einfach eine Grenze der Zumutbarkeit.

    Ich dachte immer es sei technisch unmöglich mit jemandem Sex zu haben, der Dörte heißt...

  • Zitat

    Original geschrieben von Partybombe
    War es das? Wurde so öffentlich vorher meines Erachtens noch nie bekannt gemacht. Das Argument war immer nur, dass die Riesterrente Hartz4 sicher ist.
    Und es hat vielleicht für die einzelnen keinen Sinn, nur dann kannst du genauso gut sagen, wieso sollen die jetzt arbeiten gehen wenn man auch von anderen Geld bekommen kann? Nicht jeder will Almosen beziehen.



    Hartz4 sicher ist die Riester-Rente tatsächlich. Du mußt sie wegen Hartz4 nicht auflösen und sie wird nicht darauf angerechnet. Anders ist es aber im Allter bei der Grundsicherung. Wenn du die gesetzliche Rente und deine Riester-Rente ausbezahlt bekommst, wird sie auf eine evtl. Grundsicherungsrente angerechnet und kann dadurch wertlos werden.

    Oberfranken ist meine Heimatliebe, die mir am Herzen liegt Bernhard

  • Zitat

    Original geschrieben von Printus
    Dann kann man den Leuten doch nur raten nicht zu riestern weil sie jetzt Geld, von dem sie sowieso nicht viel haben, zum Fenster rausschmeissen, denn sie werden davon später nichts haben.


    Sehe ich anders. Gar nichts machen ist die schlechteste Alternative. Riester ist wegen der Anrechnung auf die Grundsicherung nicht schlechter als "normale" Altersvorsorgeverträge, die werden ja auch angerechnet oder?


    Und wie gesagt: ob und wenn ja wieviel Grundsicherung es irgendwann noch mal geben wird steht in den Sternen. Ich rechne für mich persönlich ehrlich gesagt nicht mehr damit.

    Auch ein Traumjob berechtigt nicht zum Schlaf am Arbeitsplatz.

  • Zitat

    Original geschrieben von Erik Meijer
    Riester ist wegen der Anrechnung auf die Grundsicherung nicht schlechter als "normale" Altersvorsorgeverträge, die werden ja auch angerechnet oder?


    Ja, aber Riester wurde/wird anders als andere Anlagen gerade damit beworben dass es eine "sichere" Anlage ist - gerade auch für diejenigen, die nur ein kleines Einkommen haben und keine großen Sprünge machen können, aber dennoch gerne für einen auskömmlichen Lebensabend oberhalb des Minimums, also der Grundsicherung, vorsorgen möchten.


    Wenn Riester - abgesehen von der wegfallenden Anrechenbarkeit auf das ALG - ansonsten aber ähnliche Risiken birgt wie auch fast alle anderen Anlageformen, wird der eigentliche Sinn der Sache ad absurdum geführt. Wozu dann noch Riesterrente?
    Der Clou soll doch gerade sein dass hier ein Zubrot angespart werden soll, das jedem Sparer einen besseren Lebensabend garantieren soll. Wenn das nicht der Fall ist weil Viele Gefahr laufen dass es für sie nicht funktioniert - ist die ganze Idee Makulatur und die RR nicht besser und nicht förderungswürdiger (seitens des Staates) wie auch jede andere Anlage, die als Alterssicherung deklariert wird.

    Ich dachte immer es sei technisch unmöglich mit jemandem Sex zu haben, der Dörte heißt...

  • Zitat

    Original geschrieben von Printus
    Ja, aber Riester wurde/wird anders als andere Anlagen gerade damit beworben dass es eine "sichere" Anlage ist - gerade auch für diejenigen, die nur ein kleines Einkommen haben und keine großen Sprünge machen können, aber dennoch gerne für einen auskömmlichen Lebensabend oberhalb des Minimums, also der Grundsicherung, vorsorgen möchten.


    Wenn Riester - abgesehen von der wegfallenden Anrechenbarkeit auf das ALG - ansonsten aber ähnliche Risiken birgt wie auch fast alle anderen Anlageformen, wird der eigentliche Sinn der Sache ad absurdum geführt. Wozu dann noch Riesterrente?
    Der Clou soll doch gerade sein dass hier ein Zubrot angespart werden soll, das jedem Sparer einen besseren Lebensabend garantieren soll. Wenn das nicht der Fall ist weil Viele Gefahr laufen dass es für sie nicht funktioniert - ist die ganze Idee Makulatur und die RR nicht besser und nicht förderungswürdiger (seitens des Staates) wie auch jede andere Anlage, die als Alterssicherung deklariert wird.



    Genauso ist es. Darum will der Sozialverband "VDK" jetzt Druck auf die Politik machen und dies notfalls in den Wahlkämpfen thematisieren, um eine Änderung dieses Gesetzes zu erzwingen.

    Oberfranken ist meine Heimatliebe, die mir am Herzen liegt Bernhard

  • was ich auch für vernünftig und nötig halte. Dennoch: auch wenn man in der Tat aktuell die großen Vorteile ggü. andern Verträgen womöglich (trifft ja nicht auf jeden zu!) nicht hat: Nachteile gegenüber anderen Verträgen hast Du nicht. Und mit der Chance auf Änderung würde man, wenn sie durchkommt (wofür ich durchaus Chancen sehe) mit nem Riester am Ende doch besser dastehen.

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  • Wer aber wenig hat und deswegen schon allgemein ein "Von der Hand in den Mund"-Leben führt - führen muß - wird verständlicherweise eher darüber nachdenken was jetzt der Status Quo ist - und nicht was in 30 Jahren ist, noch dazu wo das sowieso keiner vorraussagen kann.


    Es gibt genügend Leute, die gar nicht vorsorgen können, denen stellt sich die Frage gar nicht weil die kämpfen um jetzt und hier klarzukommen. Selbst wer etwas weglegt ist bei kleinem Einkommen genug beschäftigt es geldmäßig überhaupt bis zum nächsten Monatsanfang zu schaffen.


    Darüber zu sinnieren was in 30 Jahren sein könnte ist für diese Menschen Luxus weil erstmal das Hier und Jetzt geschafft werden muß, und das an jedem verdammten neuen Tag.


    Das letzte, was dieser Personenkreis braucht, ist dann aber dass sie sich dennoch zusätzlich etwas vom Munde absparen - was jetzt hier fehlt - um dann in einer Jahrzehnte entfernten Zukunft nichts dafür zu bekommen. Welchen Mehrwert haben die Leute durch ihr Sparen wenn die Rente besonders klein ausfällt? Keinen, denn die Grundsicherung würden sie sonst auch bekommen!


    Das "Gerede" über die gesellschaftliche Verantwortung, so richtig das ja einerseits durchaus ist, verkennt aber dass das "Luxusgedanken" sind. Es ist einfach nicht zu vermitteln dass man ein Vermögen ansparen soll, sich dafür bei kleinem Einkommen richtig anstrengen muß, und dann bringt das aber nichts außer Leistungen, die alle anderen auch bekommen.

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  • Hi Alle,


    nur mal so eine Idee, man kann paar Jahre vor der Rente die Riester Rente kündigen/auszahlen lassen und so umgeht man die Anrechnung zur Grundrente???
    Gute oder schlechte Idee?

  • In dem Fall müsste man die staatliche Förderung zurückzahlen, und das was bleibt ist dann von der Rendite her nicht so arg toll das es sich noch lohnen würde. Aber auf jeden Fall noch besser als sein Geld komplett zu verlieren.


    Problematisch wird es nur wenn man schon vorher Sozialleistungen beziehen muss oder sonst irgendwie nicht genug Zeit bleibt.


    Aber eine Änderung der Anrechnungspraxis würde auch nicht viel bringen.


    Denn selbst wenn die Regierung die jetztige Praxis ändern würde, garantiert einem keiner das es bis man selbst im Rentenalter ist auch dabei bleibt. Könnte ja sein das die Regierung in ein paar Jahren, wenn mal wieder Geld knapp ist alles wieder rückändert.


    Wie sehr man unseren Politikern noch trauen kann wissen wir ja seit der letzten Mehrwertsteuererhöhung.


    Nicht vorsorgen ist natürlich auch falsch. Aber die Schweiz oder sogar auch noch das gute, alte Kopfkissen dafür dann doch sicherere Möglichkeiten.

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