Re: Re: Beleidigend
ZitatOriginal geschrieben von Bob_Harris
M.a.W. es gibt also Wähler, die ihre Wahlentscheidung mangels Intelligenz oder Interesse nicht an Sachfragen festmachen, sondern an Äußerlichkeiten o.ä.
Was heißt "es gibt"? Das klingt, als wäre dies eine kleine Randgruppe - tatsächlich ist dies doch wahrscheinlich die Mehrheit aller Wahlbereichtigten, oder zumindest ein extrem großer Anteil!
Oder wie erklärst Du Dir sonst die riesige Diskrepanz zwischen den zu erwartenden Wahlergebnissen und der von Demoskopen gern gestellten Frage, wen man lieber als Kanzler hätte? Oder die großen Stimmausschläge nach den Fernsehdiskussionen?
Es ist ja wahrlich nicht so, als ob es dort inhaltlich irgendetwas Neues zu hören gegeben hätte - aber es war halt, wie die FTD so schön schrieb, "Klassenclown gegen Klassenbeste". Und wenn man schon nicht versteht, worum es geht und sich auch nicht wirklich damit beschäftigen will - denn erstens müßte man dabei ja lesen UND denken, zweitens kommt ja gleich Fußball und drittens sind Politiker doch schließlich dazu da, uns Entscheidungen abzunehmen - dann applaudiert man halt dem, der amüsanter ist. Wie hinreichend eingeübt bei Big Brother.
Und wer so nett Kinder herzen kann, seine Frau und sein Heimatland liebt und so treusorgend in die Kamera blicken kann, der wird doch auch schon in der Lage sein, unser Land in die Zukunft zu führen - so schwer kann das ja nicht sein!
Sag noch einer, die Menschen in Deutschland seien auch nur einen Deut cleverer als die Amerikaner, die Bush doch allen Ernstes wiedergewählt haben... ![]()
edit: Von mir aus kann jeder wählen, wen er gerne möchte - nur bezweifle ich in einem Land, wo die Bildzeitung erste Informationsquelle der meisten Menschen ist, dass ein Großteil der Leute wirklich weiß, was sie da tun. Unabhängig davon, wo sie am Ende ihr Kreuzerl machen...
edit2: Zitat aus einem aktuellen Artikel der FAZ:
"...Verschiebung von den politischen Problemen und Lösungskompetenzen hin zu einem Personenplebiszit. Die Kanzlerpräferenz entscheidet Schröder klar für sich. Wenn es aber um die Lösungskompetenz für die drängenden Aufgaben geht, insbesondere bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, steht für die Mehrheit außer Frage, daß sie eher von einer Regierung Merkel zu erwarten ist. 50 Prozent trauen einer solchen Regierung eher zu, Erfolge bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zu erzielen, nur 23 Prozent einer von Schröder geführten Regierung. 46 Prozent sind überzeugt, daß Merkel über die bessere Regierungsmannschaft verfügt, 28 Prozent sehen hier Schröder im Vorteil."
Aber, hey, der ist doch sooo ein netter Kerl...
Noch Fragen, Kienzle?