Bundestagswahl 2005

  • Zitat

    Original geschrieben von astro73
    Was willst du uns damit sagen?


    Da die Mehrheit die Kompetenzen eher bei der Opposition sieht, heisst das also, das dies in Wahrheit nicht so ist?


    Nein, ich will damit sagen, dass es ziemlich zufällig ist, wie die Wahl am Sonntag entschieden wird, und man sich abschminken soll, dass eine Demokratie heutzutage etwas mit "bewußter Richtungsentscheidung durch den Bürger" zu tun hat.
    Weil es einen kleinen Anteil an Wählern gibt, die sich informiert und aus gut überlegten Gründen für eine Alternative entscheiden, und einen großen Anteil von Wählern, die dies aus Vorurteilen, Tradition, persönlicher Zu- bzw. Abneigung oder aus sonstigen trivialen und eigentlich irrelevanten Gründen tun.


    Jeder soll die Partei wählen, von der er meint, dass sie in der Lage ist, die zukünftigen Probleme am besten zu bewältigen. Ich habe nur etwas gegen Leute, die sachfremde Erwägungen als Grundlage für ihre Wahlentscheidung nehmen. Die z.B. meinen, eine Partei nicht wählen zu können, weil
    - Angela Merkel zu häßlich sei
    - Schröder sich durch seine Brioni-Anzüge unglaubwürdig gemacht habe
    - Westerwelle schwul ist
    - Fischer zu fett geworden sei oder
    - Gysi aus dem Osten kommt.
    Nur leider wird eben diese Gruppe von Menschen die Wahl entscheiden, weil sie a) so groß ist,
    b) Wahlentscheidungen auf Grund von Emotionen statt Informationen trifft und
    c) leicht beeinflußbar ist, weil sie ihre Wahl unbelastet jeder Sachkenntnis treffen kann.


    @ Sencer


    Das mit der Aufbruchstimmung bei der letzten Wahl ist natürlich richtig - entscheidend war damals weder die Flut, noch direkt die Reaktion Schröders darauf, sondern die Darstellung dessen in bestimmten Medien.
    Auch das beschreibt, indirekt, die FTD ja sehr gut - jedenfalls wenn man regelmäßig die Alex-Comicstrips liest :D die ja viel wahres beinhalten: entscheidend sind die letzten Eindrücke (egal ob vor der Wahl oder den Bonus-Entscheidungen), diese wiegen um ein Vielfaches höher als frühere. Und wenn da einerseits der Eindruck des "Machers" bestätigt und andererseits ein Zusammenstehen unter einem "zupackenden Leader" (ich verwende bewußt das englische Wort, da einige Hirne die deutsche Bezeichnung ja sicher wieder falsch verstehen würden) heraufbeschwören, dann ist ja völlig klar, was passiert.


    Sehr interessanter Artikel im New Yorker übrigens!
    Zitat:
    "Converse claimed that only around ten per cent of the public has what can be called, even generously, a political belief system. [...] About forty-two per cent of voters, [...] vote on the basis not of ideology but of perceived self-interest. The rest form political preferences either from their sense of whether times are good or bad (about twenty-five per cent) or from factors that have no discernible “issue content” whatever. Converse put twenty-two per cent of the electorate in this last category. In other words, about twice as many people have no political views as have a coherent political belief system. [...]
    “very substantial portions of the public” hold opinions that are essentially meaningless—off-the-top-of-the-head responses to questions they have never thought about, derived from no underlying set of principles. These people might as well base their political choices on the weather. And, in fact, many of them do."


    Das letzte, vor allem, ist genau was ich meinte. Wir können hier diskutieren wie wir wollen, in unserem persönlichen Umfeld in Diskussionen versuchen Menschen zu überzeugen und genau wie Politiker noch so kluge Gedanken haben und u.U. sogar erklären können - es ist schlicht für die Katz.


    Dies wird ja derzeit auch deutlich in der Diskussion um Paul Kirchhof und sein Steuerkonzept - jeder redet darüber, obwohl fast niemand eine Ahnung davon hat. (Wobei natürlich viele glauben, eine Ahnung davon zu haben, schließlich wurde es ja bei Sabine Christiansen besprochen...). Da kommen Schichtarbeiter bei einer Veranstaltung zu Kirchhof und wollen ihm ihr Missfallen über seine Konzepte kundtun - hut ab, ich finde es klasse, wenn Leute nicht nur still vor sich hin maulen. Nur ist - gespeist aus den üblichen Quellen - das einzige, was sie von seinem Konzept wissen, dass er einen einheitlichen Steuersatz empfiehlt und die Steuerfreiheit von Sonn- und Feiertagszuschlägen abschaffen möchte. Klar - das wurde ihnen so ja schließlich auch von der Gewerkschaft gepredigt. Und vom Kanzler, der es "schäbig" findet, "wenn der Multimilliönar genausoviel Stuern zahlt, wie die Krankenschwester" (mal ganz abgesehen davon, dass die Krankenschwester dann ja 10 mal mehr Steuern zahlen müßte, als sie verdient, aber um solche Spitzfindigkeiten braucht man sich ja im Wahlkampf nicht zu kümmern).


    Und genau deshalb bin ich ein entschiedener Gegner dieses Kanzlers, der die Chuzpe hat, öffentlich wieder und wieder dessen Aussagen zu verdrehen und zu verkürzen, bis diese Darstellung in der uninformierten Öffentlichkeit die Wirkung entfaltet, die er gerne hätte. Unbeschadet dessen, dass er es persönlich ganz sicher besser weiss - aber im Wahlkampf geht es halt um Wirkung, nicht um Überzeugung. Er beweist damit, dass er ein begnadeter Redner und Rhetoriker ist - aber das waren schon viele in der Weltgeschichte, und oft kam dann ein dickes Ende...


    edit: Gerade mal aus Neugier bei Amazon nachgesehen:
    Paul Kirchhof - Einkommensteuer-Gesetzbuch: 0 Rezensionen
    Oskar Lafontaine - Politik für alle: 22 Rezensionen
    Schon interessant, was so als Lektüre besser ankommt...

    Die Mehrheit? Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn, Verstand ist stets bei wen'gen nur gewesen. Bekümmert sich ums Ganze, wer nichts hat? Hat der Bettler eine Freiheit, eine Wahl? Er muss dem Mächtigen, der ihn bezahlt, um Brot und Stiefel seine Stimm verkaufen. Man soll die Stimmen wägen und ncht zählen; Der Staat muss untergehn, früh oder spät, wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet.
    (Friedrich Schiller, Demetrius)

  • Re: Re: Wahlergebnis wird veröffentlicht


    Zitat

    Original geschrieben von Sencer
    (...)Vielleicht hat ja jemand Lust die konkreten Zahlen auszurechnen ab welchen Grenzen welche konkrete Beeinflussung der Bundestagsmandate eintreten würde bei einem knappen Ergebnis...


    Wenn man bedenkt, dass 2002 gerade 6.000 Stimmen zu einem Regierungswechsel gefehlt haben, kann bei einem knappen Ergebnis DD durchaus Zünglein an der Waage sein.



    Stefan

  • Re: Re: Re: Wahlergebnis wird veröffentlicht


    Zitat

    Original geschrieben von Stefan
    Wenn man bedenkt, dass 2002 gerade 6.000 Stimmen zu einem Regierungswechsel gefehlt haben, [...]


    Wo hast Du diese Zahl denn her? Diese Zahl wird immer wieder aus den verschiedensten Interessen ins Gespräch gebracht, stimmt aber nicht.


    Richtig ist: Die SPD hatte 18488668 Zweitstimmen und CDU und CSU zusammen 18482641. Das ergibt eine Differenz von 6027 Zweitstimmen.


    Richtig ist aber ebenfalls: Die Grünen hatten 4110355 Zweitstimmen und die FDP hatte 3538815, das ergibt eine Differenz von 571540 Zweitstimmen.


    Insgesamt trennten die beiden Lager also 577567 Zweitstimmen, das ist mehr als eine halbe Million. Hoffentlich ist das 6000-Stimmen-Märchen damit ausgeräumt. Die Frage, wer als stärkste Partei aus der Wahl hervorgeht, hat nur psychologische Bedeutung, tatsächlich entscheidend ist die Summe der Lager.

  • Zitat

    Original geschrieben von DeusExMachina
    Und genau deshalb bin ich ein entschiedener Gegner dieses Kanzlers, der die Chuzpe hat, öffentlich wieder und wieder dessen Aussagen zu verdrehen und zu verkürzen, bis diese Darstellung in der uninformierten Öffentlichkeit die Wirkung entfaltet, die er gerne hätte. Unbeschadet dessen, dass er es persönlich ganz sicher besser weiss - aber im Wahlkampf geht es halt um Wirkung, nicht um Überzeugung. Er beweist damit, dass er ein begnadeter Redner und Rhetoriker ist - aber das waren schon viele in der Weltgeschichte, und oft kam dann ein dickes Ende...


    Und wieso beschränkst du das nur auf den Kanzler, und erwähnst nicht, dass Merkel, Westerwelle, Lafontaine usw. dies genau so handhaben? Es gibt in dieser Hinsicht in meinen Augen keinen nennenswerten Unterschied zwischen den Parteien und ihren Akteuren. Der einzige Grund warum diese Diskussion überhaupt solange offen geblieben ist (vermute ich), ist weil es eben ansatzweise immer wieder vernünftige Diskussionsansätze gibt. Immer nur die Fehler und Verzerrungen der jeweils anderen Position aufzuzählen und "die anderen" als Lügner darzustellen ist eine Sackgasse die zu einer Emotionalisierung der Diskutssion führt, und letztlich zur Schließung.


    So (wie das mit den zweifelhaften Motiven und Ursachen bei Wählern beschrieben ist) funktioniert eine Demokratie nunmal. Und solange man nicht mit dem Gedanken spielen will sie abzuschaffen oder einzuschränken (was um Größenordnungen fataler wäre, als alles was aktive Polit-Rhetoriker betreiben), hat es überhaupt keinen Zweck darüber zu lamentieren. Oder sogar den politischen Diskurs im Allgemeinen oder hier im Thema unterbinden oder für zwecklos erklären zu wollen.


    Wenn du der Ansicht bist, dass es nicht Sinnhaft ist über Inhalte zu diskutieren, weil Wähler unkalkulierbar sind, dann bitte, spar dir deine Energie und nimm nicht an diesem Thread teil. Aber zu glauben, dass nur eine Partei manipuliert oder verkürzt und dies hier wiederholt herauszuposaunen, stellt deine eigene Informiertheit einerseits in Frage, und andererseits sind es genau solche pauschalen Aussagen die über kurz oder lang (indirekt) zur Schließung der Threads führen.

    "That's not a hair question. I'm sorry." - 01/31/07 - Never forget!

  • My 2 Cents:


    Es ist Unsinn die Wahl wegen der Tussi in Dresden zu verschieben (Gehirnschlag... na kein Wunder bei dem Gedankengut *hüstel*) und sich damit "herauszureden" daß die Bekanntgabe des Wahlergebnisses die Dresdner beeinflussen würde. Es werden auch jeden Tag in allen Medien Umfrageergebnisse verbreitet - das dürfte doch wesentlich mehr Menschen beeinflussen, die dann ihre Wahlentscheidung unter dem Einfluß der Umfrageergebnisse verändern können.


    Ansonsten behaupte ich das 99,9% der Menschen denjenigen wählen von dem sie GLAUBEN daß er (ihre) Probleme löst. Es streiten sich aber selbst Experten über Sinn und Unsinn von z. B. der MwSt-Erhöhung - wie soll da ein Bürger entscheiden welches Konzept das Beste für die Republik ist? Ich nehme einfach an - und klammere mich dabei selber nicht aus - daß niemand wirklich weiß was "gut" und was "schlecht" ist. Sämtliche Wahlentscheidungen beruhen nur auf Annahmen, die zudem nicht mal richtig sein müssen weil jeder nur seinen persönlichen, bescheidenen Erfahrungshorizont hat. Dieser dürfte nicht mal beim interessierten Publikum reichen um wirklich zu wissen was richtig ist - und beim Bildzeitungsleser reicht's 3x nicht.


    Kirchhof: ein faszinierender Mann, dem ich absolut abnehme daß der hinter seiner Vision steht. Das Konzept von ihm ist gut, allein schon das radikale Entmisten unserers völlig absurd aufgeblähten Steuersystems ist absolut notwendig.
    Das Problem: die Diskussionen über das Kirchhofsche Modell sind ein völliger Nebenkriegsschauplatz, weil es - wenn überhaupt - bestenfalls in der übernächsten Legislaturperiode eingeführt würde. Alle diskutieren Kirchhof ohne so recht zu kapieren daß nächste Woche nichts mehr davon aktuell ist, selbst dann nicht wenn schwarz/gelb die Wahl gewinnt.


    Was aber bei einem Sieg der CDU ruckzuck kommt: eine MwSt-Erhöhung, die ohne Wenn und Aber durchgesetzt werden wird und JEDEN treffen wird, auch diejenigen, die ein kleines Einkommen haben und nicht von den versprochenen (und - hoffen wir gehaltenen) Entlastungen profitieren können, das tun nämlich nur Menschen mit Arbeitsplatz.
    Was ist mit 5 Millionen offiziellen, 2-3 Millionen Dunkelziffer, Arbeitslosen, Rentnern, Kranken, etc? Bei ca. 80 Millionen Gesamtbevölkerung werden also weit über 10% der Leute eine höhere MwSt zahlen, aber keinerlei Entlastung bekommen.


    Noch tiefere Einschnitte für diejenigen, die keine steuerfreien Nachtdienstzuschläge und keine Pendlerpauschale mehr bekommen. Plötzlich ist das Gehalt sehr viel kleiner.
    Wobei ich da ehrlicherweise sagen muß: die Maßnahme ist korrekt. Warum muß ein Zusatzverdienst nicht versteuert werden und warm soll die Gemeinschaft finanzieren daß Leute lange Anfahrtswege zur Arbeit haben? Da wird Geld verdient, also soll es auch versteuert werden. Ich sehe nicht warum das steuerfrei sein soll... Oder: Warum finanziert der Staat daß Leute zur Arbeit fahren? Sicherlich schön, aber eigentlich nicht einsehbar.


    Linkspartei: Sicherlich mit finanziellen Konzepten, die nie aufgehen würden. Allerdings ist die Partei ja auch nicht in der Regierung und will auch laut eigenem Bekunden nur in die Opposition. Sie macht sich stark für die Belange des "kleinen Mannes" und das ist gut so. Die Unternehmer haben in der FDP eine Interessenvertretung, da schadet es nicht wenn es auch einen Gegenpart gibt, eine Partei, die Interessen der weniger gut Betuchten vertritt. Mann kann auch aus der opposition heraus einiges bewegen. Insofern: Ich hoffe daß sie ins Parlament gewählt werden.


    Mal sehen was passiert - große Koalition oder schwarz/gelb. Ich glaube an ersteres. Die CDU versiebt den Wahlsieb genauso, wie schon 2002 mit Stoiber.
    Man schickt Kirchhof vor, jetzt wird der sehr unschön demontiert und 3 Tage vor der Wahl Merz gebracht, obwohl der sich doch mit Merkel zerstritten hatte. Nicht gerade seriös.


    Hampelmann Gerhard oder Bubi Westerwelle als Aussenminister? Beckstein als Innenminister? Was macht Verbaltölpel Stoiber, der in einer Hälfte Deutschlands komplett verkackt hat? Ich weiß nicht ob diese Freakshow um so viel besser ist als die Schröder-Mannschaft.


    Zumindest in der Aussenpolitik haben Schröder und Fischer einen anerkannt guten Job gemacht.


    Tja, man wird sehen was passiert...

    Ich dachte immer es sei technisch unmöglich mit jemandem Sex zu haben, der Dörte heißt...

  • Auf jeden Fall finde ich es gut, das die Wahlergebnisse sofort ausgezählt und veröffentlicht werden. Alles andere hätte nur die Spekulationen geschürt, was für niemanden gut gewesen wären. Die einzige andere Möglichkeit wäre gewesen, auch in Dreden I. am 18.9. die Zweitstimmenabstimmung durchzuführen, und dann später die Erststimmenabstimmung nachzuholen. Dann wäre es nur noch um ein Mandat gegangen.


    Auch wenn es eine NPD Kandidatin war kann nach dem Wahlgesetz nicht einfach trotzdem gewählt werden. So gesehen gibt es keine andere Wahl.


    Ob Angela Merkel die richtige Kandidatin für die Union war, darüber kann man streiben, aber auf jeden Fall wäre sie ein bessere Kanzlerin als Edmund Stoiber.


    Ansonsten wünsch ich mir noch immer die Ampel, dann könnte Rot-Grün im grossen und ganzen ihre Regierungsarbeit vortsetzen, und die FDP könnte im Bereich der Energiepolitik, Wirtschaftspolitik und Bürgerrechte korrigierend teilnehmen.

  • Zitat

    Original geschrieben von Printus
    My 2 Cents:


    Es ist Unsinn die Wahl wegen der Tussi in Dresden zu verschieben (Gehirnschlag... na kein Wunder bei dem Gedankengut *hüstel*)


    Muß man gewisse Dinge für jeden einzelnen nochmal hinschreiben? :(

    “Das Leben ist wie ein Fahrrad. Man muß sich vorwärts bewegen, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren.” Albert Einstein

  • Zitat

    Original geschrieben von Sencer
    Und wieso beschränkst du das nur auf den Kanzler, und erwähnst nicht, dass Merkel, Westerwelle, Lafontaine usw. dies genau so handhaben?


    Weil dieser Wahlkampf - noch deutlicher als früher, obwohl die Tendenz natürlich auch schon vor 1998 existierte - davon geprägt ist, dass ein zentrales Thema diskutiert wird, nämlich die Steuerpolitik. Und hierbei auch wiederum nur die Ideen eines "Lagers", nämlich der CDU (die FDP kommt ja nicht wirklichin der Diskussion vor).
    Und diese Diskussion läuft so ab, dass die eine Seite versucht, diese Idee zu erklären (prinzipiell gut gemeint, aber taktisch unclever, wie oben beschrieben) und die andere Seite dies genüßlich zerrupft und damit (wenig verblüffend) immer weiter wachsenden Zuspruch erhält.
    Im Gegensatz zu früher werden ja nicht mal mehr populäre, aber bei näherer Betrachtung (ungeachtet der Frage, ob inhaltlich richtig oder nicht) nicht durchsetzbare Konzepte wie die Vermögenssteuer aus der Mottenkiste geholt - wozu eigene Konzepte, wenn es doch ausreicht, die des Gegners medienwirksam zu zerrupfen?! Macht man sich ja nur angreifbar mit, und wenn die anderen schon so dumm waren, konkrete Ideen vorzustellen - selbst Schuld!


    Kurzum, weil Schröder diesen Aspekt, auf den wir uns offenbar ja sogar einigen können, imho sehr deutlich erkannt hat und mit einer bisher unerreichten Konsequenz in seinem Wahlkampf einsetzt.


    Meine Wahlentscheidung steht schon lange fest, ich habe die SPD beim letzten Mal nicht gewählt und kann mir ob der zu Grunde liegenden (insb. wirtschafts-)politischen Ideen auch nicht vorstellen, dies in Zukunft zu tun. Aber es ist diese Art des Wahlkampfes, die gar nicht mehr erst versucht mit Argumenten für eigene politische Konzepte zu werben, die mir die Galle hochtreibt.


    Zitat


    Wenn du der Ansicht bist, dass es nicht Sinnhaft ist über Inhalte zu diskutieren, weil Wähler unkalkulierbar sind, dann bitte, spar dir deine Energie und nimm nicht an diesem Thread teil.


    Die Freiheit nehm ich mir schon, tut mir leid. Und wenn ich auch nicht der Meinung bin, dass man eine nennenswert große Anzahl von Leuten von politischen oder wirtschaftlichen Konzepten überzeugen kann, so dient gerade unsere Diskussion hier gerade vielleicht dazu, dass sich der ein oder andere mal Gedanken darüber macht, warum er so oder anders wählen will. Ich hab selbst in meinem direkten Umfeld leider schon von ansonsten durchaus sehr intelligenten und gebildeten Menschen eben solche "Argumente" (besser: Vorwände) für ihre voraussichtliche Wahlentscheidung gehört - und wenn es nicht mehr erlaubt sein soll, das herauszustellen, dann habe ich ich nichts gegen eine Schließung dieses Threads.


    Zitat


    So (wie das mit den zweifelhaften Motiven und Ursachen bei Wählern beschrieben ist) funktioniert eine Demokratie nunmal.


    Je konsequenter die Ausnutzung des geschilderten Effekts, desto größer die Ernüchterung der Bürger nach der Wahl und als Konsequenz hieraus umso größer die Demokratieverdrossenheit im Anschluß. Das jedoch wiederum führt geradewegs zur Förderung extremer politischer Gruppierungen und damit in letzter Konsequenz zu einer Schwächung der Demokratie selbst. Was - auch hier stimmen wir sicher überein - sich keiner wünschen dürfte.


    Und da hört bei mir nunmal der Spaß auf. Und auch die Bereitschaft nicht zu diskutieren, obwohl ich mir bewußt bin, dass es Kämpfe gegen Windmühlen sind.

    Die Mehrheit? Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn, Verstand ist stets bei wen'gen nur gewesen. Bekümmert sich ums Ganze, wer nichts hat? Hat der Bettler eine Freiheit, eine Wahl? Er muss dem Mächtigen, der ihn bezahlt, um Brot und Stiefel seine Stimm verkaufen. Man soll die Stimmen wägen und ncht zählen; Der Staat muss untergehn, früh oder spät, wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet.
    (Friedrich Schiller, Demetrius)

  • Zitat

    Original geschrieben von Martyn
    Ansonsten wünsch ich mir noch immer die Ampel, dann könnte Rot-Grün im grossen und ganzen ihre Regierungsarbeit vortsetzen, und die FDP könnte im Bereich der Energiepolitik, Wirtschaftspolitik und Bürgerrechte korrigierend teilnehmen.


    Möchtest Du Dich nicht irgendwann doch wieder der Realität zuwenden? Die FDP hat sich schon seit Ewigkeiten auf CDU und CSU festgelegt, wird von Anhängern dieser beiden wie früher jede Menge Zweitstimmen erhalten und kann sich nicht an einer Ampel beteiligen. Dafür ist es nach der erneuten Festlegung auf dem Parteitag am Sonntag endgültig zu spät! Die FDP geht mit der klaren Aussage in die Wahl, dass jede Zweitstimme für sie eine Zweitstimme für ein Bündnis CDU, CSU und FDP ist. Erst gestern hat Herr Westerwelle wieder klargestellt, dass er, wenn dies nicht geht, in der Opposition bleiben wird. Das muss er auch, weil alles andere bedeuten würde, dass ein absolut notwendiger Teil der Wähler, nämlich die eigentlichen CDU- und CSU-Anhänger, der FDP ihre Zweitstimme nicht geben können. Mir ist es zwar prinzipiell wurscht, ob Du das einsiehst, aber wenigstens zur Kenntnis nehmen solltest Du, dass Dein Gedankengang fernab jeder Realität ist.

  • Stoiber war 2002 ein schwacher Kandidat weil der als CSU-Bayer gesamtdeutsch schon "aus Prinzip" nicht gut ankam. Das hat vor Jahren schon mit Strauss nicht funktioniert. Die Bayern braten immer ein wenig ihr eigenes Würstchen, stellen sich besonders heraus. Das rächt sich bundespolitisch weil es damit zu einem Thema wird. Bei allen anderen Kandidaten hat es noch nie interessiert woher die kommen, aber bei den Bayern eben wohl. Das ist aber ein Problem, was man sich selber schafft.


    Jetzt haben wir 2005 und wieder tritt die CDU mit einem(r) schwachen Kandidat(in) an. Merkel ist zu "farblos" und dem Schröder medial einfach nicht gewachsen. Ich hatte anfangs gefürchtet daß auch die Tatsache, daß sie eine Frau ist, sehr polarisieren würde, und das vor allem gegen sie. Das ist glücklicherweise nicht der Fall.


    Wie man's auch nimmt - die CDU bietet zum 2. Mal in Folge jemanden auf, der im persönlichen Auftreten nicht wirklich konkurrenzfähig ist gegenüber dem Herausforderer. Das rächt sich in Zeiten, in denen es zunehmend weniger um Inhalte als Personen geht.


    Jochen: sorry, ich konnte einfach nicht anders... ich wäre sonst geplatzt :cool:

    Ich dachte immer es sei technisch unmöglich mit jemandem Sex zu haben, der Dörte heißt...

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!