Die Krux mit dem Zusatzverkauf

  • In letzter Zeit fällt mir verstärkt auf, dass der leidige Zusatzverkauf (also etwas
    zusätzliches mit i.d.R. sehr hoher Gewinnmarge zum eigentlichen Verkaufsgegenstand dazu verkaufen) offenbar immer mehr in Mode kommt.


    Sei es bei der Post, bei der man sicher sein kann, dass man jedes verdammte Mal gefragt wird, ob man schon ein kostenloses Girokonto hat, oder bei der Frisörkette Klier, wo man von manchen Damen eine halbe Stunde zugelabert wird, dass man doch am besten gleich das Wella-Profishampoo ohne Silikon für 29 €(!) die Flasche mitnehmen soll, da die eben beim Haarewaschen heftigst malträtierte Kopfhaut ja rot sei (was ein Wunder :D), oder bei Vodafone mit den schönen drolligen Suggestivfragen "Soll ich Ihnen die passende Schutztasche für ihr Handy gleich miteinpacken. Sonst verlieren Sie die Garantie :D".


    Ich habe selbst sowas mal gelernt und durchschau den Blödsinn in der Regel, aber ich frage mich, ob nicht mittlerweile so viele Firmen auf diese Weise versuchen, ihre minimalen Gewinnmargen aufzupäppeln, dass es selbst beim blödesten Konsumenten vollends die Wirkung verfehlt. Zumal es erst recht lächerlich wirkt, wenn unerfahrene Verkäufer/Verkäuferinnen wie auswendig gelernt 10x hintereinander die gleichen Sätze sagen und vergeblich hoffen, dass der Kunde darauf endlich anspringt, wie es der Verkaufstrainer vorhergesagt hat.


    Meine Konsequenz ist jedenfalls, und das ist kontraproduktiv für die Unternehmen, die so penetrant vorgehen, dass ich vieles mittlerweile online bestelle oder an Maschinen abwickele. Das ist erstens billiger, rund um die Uhr verfügbar und ich kann mir dieses Generve sparen.

    23.05.2009, 17:18 Uhr...VfB Stuttgart nach 3:1 in München Deutscher Meister 2009, Diego beendet in seinem letzten Spiel für Werder Wolfsburger Titelträume...

  • In der Computerbranche gang und gäbe: An PCs/Notebooks ist kaum was zu verdienen, an Optionen (Dockings, Mäusen, Taschen, Laufwerke usw.) dafür umso mehr.


    Wenn sich alle darauf einigen würden, dass man für gute Ware eben auch gutes Geld verlangt und sich keiner an "Wer verkaufts mir am billigsten" - Auktionen der Großkunden mehr beteiligen würde, dann könnte man solche Spielereien natürlich auch weglassen und ganz offen zugeben, dass man an den Kisten halt soundsoviel verdienen MUSS, damit es sich rechnet.


    Da es diesen Konsenz nicht gibt und wohl auch nicht geben wird, macht mans halt so herum. Irgendwie muss man ja auf einen grünen Zweig kommen... ;)

    Ist das eine von den Kirchen, wo man so kleine Cracker kriegt? Ich habe Hunger!

  • Re: Die Krux mit dem Zusatzverkauf


    Zitat

    Original geschrieben von D-Love
    Meine Konsequenz ist jedenfalls, und das ist kontraproduktiv für die Unternehmen, die so penetrant vorgehen, dass ich vieles mittlerweile online bestelle oder an Maschinen abwickele. Das ist erstens billiger, rund um die Uhr verfügbar und ich kann mir dieses Generve sparen.


    hm, als ich vorgestern Druckerpatronen bestellt habe, wurde ich gefragt ob ich nicht gleich noch zwei Tonnen, ähm, Pakete Druckerpapier dazuhaben möchte. Auch beim Onlineshopping (oder vielleicht geradebeim Onlineshopping?) wird über "Kundenprofile" bewusst geworben. Sei es, dass man bei GMX in den persönlichen Daten Interessenfelder angeben muss, oder sei es, dass man von Ebay bei einem erfolglosen Gebot ähnliche Angebote per Email zugeschickt bekommt. DAS nervt wirklich...

    Cuando la vida te traiga limones, pide tequila y sal o aprende a hacer limonada.


    Aber große Hunde können auch gefährlich sein. Man muss immer eine zweite Person da haben, die einen Vorderfuß hochhebt von dem Hund, dann kann er nicht nach hinten austreten. by Udo Lindenberg feat. Helge Schneider: Chubby Checker

  • Re: Die Krux mit dem Zusatzverkauf


    Zitat

    Original geschrieben von D-Love
    ... oder bei Vodafone mit den schönen drolligen Suggestivfragen "Soll ich Ihnen die passende Schutztasche für ihr Handy gleich miteinpacken. Sonst verlieren Sie die Garantie :D"...


    Ich habe mal mit 17 Jahren im Pizza Hut gearbeitet und da war das genauso.
    Da wurde auch nicht gefragt ob jemand noch ein Dessert haben will, sondern: "Hätten sie gerne jetzt den Kaffee oder lieber ein Eis?"
    Soll angeblich super verkaufsfördernd sein und wurde von mir mithilfe einer Strichliste mal als Witz erfasst. Normalerweise haben ungefähr 20% der Gäste noch ein Dessert bestellt; mit dieser Fragekombination waren es über fast 50%.


    Martin

  • Hallo,


    Das nennt sich Verkaufen und es zeichnet einen guten VERKÄUFER aus das so zu machen, natürlich nicht wie auswendig gelernt, sondern locker so das der Kunde sich nicht ver*****t fühlt.


    Jeder der das nicht macht, hat den Beruf verfehlt.


    Es ist legitim, sinnvoll und (idr) verkausfördernd. Klappern gehört zum Handwerk, war immer so und wird immer so bleiben.


    Jedes Unternehmen lebt davon, das es irgendwas an irgend wen verkauft, was ja den Leuten die für dieses Unternehmen arbeiten in Form von Lohn und Arbeit zugute kommt - nicht nur dem Verkäufer - man ziehe den Kreis mal etwas weiter.


    Der Kunde der nicht will, braucht doch nur NEIN DANKE sagen, nett lächeln und gut ist.


    Ich kann mir nicht im geringsten Vorstellen was daran nervend sein soll.



    ...ciu...

    Audi V8 ist leider verunfallt.... Das Gegenteil von GUT ist : Gut gemeint !!

  • Tja, die wenigsten können aber gut verkaufen, ist ja auch kein Wunder, wenn eben nicht nur der GUTE Verkäufer bei Vodafone (der auch gut bezahlt wird) oder der Autoverkäufer auf die Menschheit losgelassen wird, sondern Leute, die ungefähr ein Talent dafür haben, wie China für Menschenrechte.


    Die eben nicht von selbst merken, dass der Kunde kein Interesse hat, sondern einfach mit ihren vorgefertigten Texten weiterlabern. Irgendwann wird der Kunde schon resignieren und kaufen, weil er möchte, dass ich endlich die Schnauze halte. Das kurzsichtige daran ist, dass der Kunde dann vielleicht aus Genervtheit und falsch verstandener Höflichkeit tatsächlich sich noch was zusätzlich aufschwatzen lässt, dann aber möglicherweise das nächste Mal nicht mehr wiederkommt.


    Ein guter Verkäufer muss es verstehen, das Geschäft für beide Seiten perfekt aussehen zu lassen und den Kunden überzeugen, dass er etwas wirklich benötigt, aber wie gesagt, dieses Talent ist den wenigsten gegeben.


    Mir fällt eben im Moment ganz stark auf, dass die Geschichte jetzt mittlerweile auch an Orten anfängt, wo ich sie früher definitiv nicht erwartet hätte, z.B. bei Frisören oder der Post.

    23.05.2009, 17:18 Uhr...VfB Stuttgart nach 3:1 in München Deutscher Meister 2009, Diego beendet in seinem letzten Spiel für Werder Wolfsburger Titelträume...

  • Zitat

    Original geschrieben von D-Love
    die wenigsten können aber gut verkaufen


    Hi,


    Meinst du nicht das du etwas übertreibst?


    Ich denke schon das die Mehrheit aller Verkäufer/innen Ihren Job gut können. Sonst gäbe es nicht so viele Florierende Unternehmen in Deutschland.


    Ob nun Einzelhandel, Post, Großhandel oder Vertriebler im B2B Bereich, ich denke schon das die Mehrzahl gut verkaufen kann.


    Es wird immer Leute geben die Ihrer Sache nicht gewachsen sind, es gibt sicher auch in deinem Job Leute die Fehler machen, wie wahrscheinlich jeder von uns.


    ;)


    Zitat

    Die eben nicht von selbst merken, dass der Kunde kein Interesse hat


    Es soll auch Kunden geben, die es schaffen mit einem entwaffnenden Lächeln ein nein Danke zu geben und gut ist.


    Es gibt sicher auch Kunden die das nicht können und sich lieber was aufschwatzen lassen, weil Sie nicht Manns genug sind das Gespräch in Ihre Position zu rücken.


    Das ist keine Erscheinung der letzten Monate, sondern war schon immer so (ich habe 5 Jahre aktiven Verkauf im EH hinter mir).


    ...ciu...

    Audi V8 ist leider verunfallt.... Das Gegenteil von GUT ist : Gut gemeint !!

  • Upselling ist immer gut für die Marge, solange es der Verkäufer nicht zu offensichtlich macht und sich doof dabei anstellt.

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    Ericsson T39m
    Legends never Die!
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  • Re: Re: Die Krux mit dem Zusatzverkauf


    Zitat

    Original geschrieben von m@rtin
    Ich habe mal mit 17 Jahren im Pizza Hut gearbeitet und da war das genauso.
    Da wurde auch nicht gefragt ob jemand noch ein Dessert haben will, sondern: "Hätten sie gerne jetzt den Kaffee oder lieber ein Eis?"
    Soll angeblich super verkaufsfördernd sein und wurde von mir mithilfe einer Strichliste mal als Witz erfasst. Normalerweise haben ungefähr 20% der Gäste noch ein Dessert bestellt; mit dieser Fragekombination waren es über fast 50%.


    Martin

    Das nennt sich "Alternativfrage" ;)
    Der psychologische Trick dahinter ist, dass es nicht mehr um "ja" oder "nein" geht, sondern nur noch um "Ja-Alternative 1" oder "Ja-Alternative 2".
    Übrigens auch sehr beliebt in Therapien - dort als "illusorische Wahlfreiheit" bezeichnet :cool: :D Da wird der Höhenängstler dann gefragt: "Ok, Herr Meier. Wollen wir jetzt auf den Kölner Dom hoch gehen, oder nach Berlin auf den Fernsehturm?"



    Was in vielen Verkaufstrainings zu kurz kommt: die Verbindung der "Techniken" mit der Persönlichkeit. Ich kann noch so viele Werkzeuge bekommen, wenn ich keinen Weg habe, wie ich sie für mich anwende, wird die Sache in die Hose gehen.

    Q: I've always tried to teach you two things. First, never let them see you bleed.
    Bond: And the second?
    Q: Always have an escape plan...

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