Könntest DU Deutscher werden ? Der Einbürgerungstest ->

  • Ich find den englischen Test keineswegs besser, da ist auch größtenteils unwichtiger Geschichtskram drin.


    Am Ende bringen die Tests sowieso nix, weil man an den hier lebenden Deutschen gut sehen kann, daß die Erinnerung in wenigen Jahren verblasst und man viele der Antworten (wenn man nicht eh dauernd Kreutzworträtsel löst) vergessen hat.


    Einen Sprachtest halte ich für sinnvoll, alles andere ist nur Schikane und für eine Einbürgerung nicht relevant.

  • Der Test war heute wohl auch in einigen Tageszeitungen abgedruckt, ich hab mir einige Fragen in der Frankfurter Rundschau angeguckt. Alle könnte ich auch nicht aus dem Stehgreif beantworten, aber viele. Immerhin :D



    Jetzt aber nochmal zum Test an sich. Ich hatte vorhin ja schon in einem Anfall von Begriffswixerei "Konstruktvalidität" in die Runde geworfen. Klar, die Leute, welche die Fragen zusammengestellt haben und die Herren in den Bundesländern, die sich mit dem Test jetzt aufplustern, wissen höchstwahrscheinlich nicht, was das ist. Da müsste ich mir jetzt herablassend nochmal überlegen, ob ich sie nochmal zum Lernen schicke, bevor ich mich mit denen über ihren Test unterhalte ;) Aber wollen wir mal nicht so arrogant sein, das ist schlecht für's Image, auch wenn ich gar nicht gewählt werden will :D
    Anyways...


    Wenn ich mit einem Test etwas messen will gibt es zwei relevante Fragen:
    1. Wie gut messe ich mit dem Test, egal was ich messe (= Reliabilität)?
    2. Messe ich mit dem Test überhaupt das, was ich messen will (=Konstruktvalidität)?


    Daher ist die erste Frage für die Konstruktion von so einem Test: was will ich damit erreichen? Was will ich messen?
    Im Falle des vorliegenden Werks geht es - so hab ich's zumindest verstanden - darum, ob sich die Mitbürger mit fremden Pass mit Deutschland auseinander gesetzt haben, wenn sie den deutschen Pass und die Staatsbürgerschaft erlangen wollen. Und ein wichtiger Punkt ist ja wohl auch, dass sie sich mit dem Land und den Werten unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung identifizieren können.


    Wenn die Fragen zu dem Test bekannt sind und damit auch die richtigen Antworten - und in einigen Fällen auch die Antworten, die der Prüfer hören will - was messe ich dann?
    Ich hab das statistisch jetzt auch nicht überprüft, aber hier sind meine Hypothesen (als Wissenschaftler - ja, ich Großkotz habe ein Diplom - stelle ich erstmal Hypothesen auf und prüfe die dann):

    • Der Antragsteller ist der deutschen Sprache soweit mächtig, dass er a) die Fragen versteht und b) eine Antwort artikulieren kann.
    • Der Antragsteller besitzt so viel Intelligenz um zu kapieren, dass er sich zum Bestehen im Voraus mit dem Test auseinander gesetzt hat (oder eben nicht).
    • Der Antragsteller besitzt weiterhin so viel Intelligenz, als dass er für die nötige Menge sich die richtigen Antworten behalten hat (allgemein gesagt: Gedächtnisleistung).
    • Der Antragsteller hat bei einigen Fragen begriffen, welche Antwort er geben muss, egal ob er von ihr überzeugt ist oder nicht.
    • Wenn der Antragsteller sich mit einigen "sozial erwünschten" Antworten nicht identifizieren kann, sie aber trotzdem überzeugend vorträgt hat er ein Mindestmaß an schauspielerischem Talent.
    • Der Antragsteller durchschaut die Situation und obwohl einige Fragen dazu verleiten, mit den Antworten den Test als solchen zu verarschen, gleitet er mit seinen Antworten nicht in Ironie oder gar Sarkasmus ab, um den winkenden Persilschein nicht zu gefährden.



    Mein Fazit: jeder Ausländer, der die dt. Staatsbürgerschaft haben möchte, wird kapieren, dass er sich für einen Tag die Antworten zu den Fragen draufschafft. Ob er die Meinungsfreiheit bei sich zu Hause auch so umsetzt, wie er sie laut Grundgesetz akzeptieren sollte beeinflusse ich damit kein Stück. Bestes Beispiel sind für mich immer noch die sympathischen Studenten aus Hamburg-Harburg, die haben studiert, gut Deutsch gesprochen und sogar GEZ gezahlt. Die wären die ersten gewesen, die den Test mit wehenden Fahnen bestanden hätten. Ihre innere Überzeugung und ihr Handeln hatte mit dem Verständnis des deutschen Staates aber rein gar nichts zu tun. In paar Tagen nach dem Test werden die Leute 80% davon wieder vergessen haben, so wie bei jeder Prüfung - und in ihrem Alltag genau so weiter wurschteln wie bisher und wie sie es für richtig halten.



    Hier mein Vorschlag für die Frage Nr. 101 - als Bonusfrage muss sie richtig beantwortet werden, nur dann winkt der Personalausweis:
    "Erläutern Sie ausführlich, warum die Regierigen einiger Bundesländer diesen Test für Einbürgerungswillige genau vor einer Landtagswahl, respektive Kommunalwahl auf's politische Tablett gebracht haben!"


    ;)





    P.S.: Allgemein halte ich es sehr wohl für sinnvoll sich endlich - nach >30 Jahren!!! - Gedanken darüber zu machen, wie wir unsere ehemaligen Gastarbeiter integrieren, wo inzwischen auch die Parteien mit dem C wie catholisch kapiert haben, dass sie nicht mehr nach Hause fahren und Deutschland zu einem Einwanderungsland geworden ist. So ein Test halte ich in diesem Anliegen nicht für hilfreich, das ist für mich reine Augenwischerei, die sehr gut in den Wahlkampf passt.

    Q: I've always tried to teach you two things. First, never let them see you bleed.
    Bond: And the second?
    Q: Always have an escape plan...

  • Zitat

    Original geschrieben von DUSA-2772
    ...Anfall von Begriffswixerei ......
    auf's politische Tablett "


    Trotz aller Begriffswixerei :D und gut gemeinter Empfehlungen sollte man dennoch die politischen Entscheidungsträger nicht auch noch dazu nötigen, den Test um gängige dt. Redewendungen - wenn auch dem Französischen entnommen - (die ggf. fakultativ nur von Akademikern zu beherrschen sind) aufzublähen. Aber: eine Verwandtschaft (sic!) ;) zu den immer wieder verdreht auftauchenden ds und ts und manch anderen hartnäckigen Falschschreibungen lässt sich nicht leugnen. Bleiben wir also lieber beim Tapet ;)


    Zum Thema: Auch eine theoretische Führerscheinprüfung kann nicht verhindern, dass sich manche noch am Tag ihres 18. zu Tode fahren - ganz falsch ist sie deswegen noch lange nicht, auch wenn man bereits mit etwas Auswendiglernen gut durchkommt. Dass auch in der dt. Bevölkerung etliche durch Nichtwissen glänzen, manche scheinbar sogar stolz darauf sind, kann doch kein Argument dagegen sein, dass sich "Bewerber" zumindest auf einfachem Niveau mal mit dem Land auseinandersetzen, das sie als Heimatland wählen. Natürlich ist das Ganze nicht der Weisheit letzter Schluss. Aber zumindest ein Ansatz, der keinem schadet und vielleicht auch dem ein oder anderen zeigt, dass große Lücken im Allgemeinwissen bestehen.

  • viel interessanter als den Test finde ich die Tatsache das über 70 % der einbürgerungsberechtigten Ausländer keinen Antrag auf die deutsche Staatsbürgerschaft stellen.


    Was ist mit denen ? Stellt man die unter Generalverdacht, das diese den Test nicht bestehen würden ?

  • Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten - oder wie war das? :D Mit nem Sprachtest müssten sie nicht erst seit der PISA-Studie das halbe Land ausbürgern... und auch ich verhau mich das in und andere Mal auf der Tastatur ;)


    BTT:
    Der Führerschein ist ein gutes Beispiel. Von dieser theoretischen Prüfung halte ich nämlich auch absolut nichts ;) Und bin dankenswerterweise drum rum gekommen :p Denn sie gibt keinerlei Aufschluss darüber, wie gut jemand tatsächlich fährt - schließlich findet sie nur auf dem Papier statt. Und deshalb bekommt man den Führerschein auch erst nach einer zweiten, praktischen Prüfung ausgehändigt! Die mag zwar in vielen Fällen auch viel zu leicht sein, gibt aber wenigstens um einiges mehr Aufschluss darüber, ob ich in der Lage bin, ein Fahrzeug zu steuern.


    Was hier doch passiert ist nur ein Persilschein abfragen, einen praktischen Test zum Alltagsleben können sie schlecht machen. Und alles andere läuft auf eine Gesinnungsprüfung raus, die gab's schon öfters in der Geschichte, auch westlicher Demokratien - und gebracht haben sie alle nichts, sie waren für den A*sch.
    Durch den Test kommen doch eh alle durch - außer diejenigen, die zu blöde dafür sind. Aber damit teste ich mehr Intelligenz und Gedächtnisleistung, vielleicht noch Prüfungsstress, aber doch keinen Integrationswillen :rolleyes:
    Dann sollen sie lieber x Stunden Lernkurse über Deutschland verpflichtend machen, da könnte man absolut Unwillige wenigstens rausschmeißen bis sie es sich anderst überlegt haben.

    Q: I've always tried to teach you two things. First, never let them see you bleed.
    Bond: And the second?
    Q: Always have an escape plan...

  • Der Test ist viel zu schwer. Wenn man bedenkt, dass das aktuelle Ausländergesetz für die EInbürgerung nur "ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache" verlangt, dann ist das schon ein gewaltiger Quantensprung. In der Regel gehen die Beamten in den Ausländerbehörden so vor, dass einem "Einbürgerungskandidaten" , sofern alle anderen Voraussetzungen erfüllt sind, ein Zeitungsartikel serviert wird, den er still lesen muss und dessen Inhalt er mit einigen Worten widergeben muss. Ob nun der Einbürgerungswillige den Artikel kapiert hat, belibt im Ermessen des Beamten/derBeamtin. Es gibt keine Institution oder einheitliche Regelung. Wenn man das Zertifikat "Deutsch als Fremdspache" ( von Volkshochschulen oder von Unis ) erworben hat, wir auf diesen kleinen Test mit der Zeitúng verzichtet.


    Ich kenne viele Leute, die mit sehr schwachen Deutschkenntnissen eingebürgert sind. Sie hätten die Fragen des hessischen Fragebogens noch nicht einmal verstanden. Andere wiederum , die sich wirklich bemüht haben und die vielleicht grammatische Fehler bei der Erläuterung des Artikels begangen haben, wurden nicht eingebürgert. Das ist das Problem der Ermessungsklausel.


    Es muss eine einheitliche Regelung von einer selbstständigen Institution gemacht werden.


    Grüße

    Errare humanum est,er ist zu bemitleiden,weil er selbstverschuldet in einem Irrtum steckt,und wenn er innerlich aufgewühlt ist,so verwehrt er sich selbst die einfache Ruhe

  • Jetzt wollte ich diesen Test auch mal schnell machen und musste feststellen, dass die ja lediglich 200 Fragen aufgelistet haben, die man samt Antworten durchblättern kann. So macht das doch überhaupt keinen Spaß. Außerdem hatte ich keinen Bock darauf, 400x zu klicken.


    Das macht mich jetzt vermutlich zu einem faulen Deutschen, oder? :D


    Mal abgesehen davon, dass selbst der urdeutsche Großteil der Bild-Leser vermutlich nicht einmal die Hälfte der Fragen beantworten könnte, halte ich diese Form des Einbürgerungstests für völlig hirnrissig. Gar nicht mal nur deswegen, weil es halt wirklich Fakt ist, dass auch viele Einheimische durchfallen würden. Sondern halt auch deswegen, weil sowas einfach von der Grundidee her ungeeignet scheint, festzustellen, ob jemand einbürgerungsfähig ist oder nicht. Wie hier schon gesagt wurde, ist sowas halt wie eine Prüfung, für die man lernen kann, und wenns vorbei ist, vergisst man alles wieder.


    Andererseits bin ich schon durchaus der Meinung, dass es irgendwelche Voraussetzungen geben sollte, die jemand erfüllen muss, bevor er Staatsbürger eines anderen Landes werden kann. Zuallererst fällt mir da das Beherrschen der Landessprache in Wort und Schrift ein. Auch wenn sich das nach einer abgedroschenen Parole anhört: Wer einen deutschen Pass will, der möchte sich bitteschön in unserer Sprache artikulieren können.


    Gerade mit Blick auf Schulen: Ich halte es für ein riesiges Problem, wenn Kinder von Ausländern, wo zu Hause nur in der Landessprache kommuniziert und keinerlei Wert darauf gelegt wird, deutsch zu sprechen (geschweige denn den Kindern deutsch beizubringen), an eine ganz normale Schule kommen und dort im einfachsten Fall einfach nur nicht mitkommen oder im schlimmsten Fall den kompletten Unterricht aufhalten, weil sie kein Wort verstehen. Der deutsche Staat respektive die Schulen können, was dies angeht, allenfalls eine unterstützende Funktion haben - anfangen muss das aber zu Hause.


    Was wäre sonst noch so von Bedeutung...? Keine Ahnung. So diese typischen Gesinnungsfragen sind auch Unsinn, weil jeder wüsste, was er da antworten soll, egal ob er so denkt oder nicht. Womit ich ehrlich gesagt auch ein bißchen ein Problem habe, ist, wenn Menschen aus dem Ausland hier her kommen und sofort und ohne hier jemals auch nur einen Finger gerührt zu haben, Gelder aus unserem Sozialsystem bekommen. Das ist sicher nicht die Regel, aber es ist möglich. Wobei man sich da natürlich auch fragen muss, warum das überhaupt möglich ist (ist also letztlich unsere eigene Schuld). Ich will nicht soweit gehen, dass jeder, der einen deutschen Pass will, ein unbefristetes Arbeitsverhältnis nachweisen können muss. Aber es sollte halt trotzdem irgendwie (wie auch immer) verhindert werden, dass Menschen hierher kommen, die wirklich nichts anderes im Sinn haben als unsere Sozialkassen abzuzocken. Davon gibts unter den Deutschen selbst ja schon mehr als genug - und das ist keinen Deut besser...


    Viel mehr fällt mir momentan dazu nicht ein, aber dieser Test ist in dieser Form auf jeden Fall Schwachsinn. Aber nun gut - wir wissen ja, wo es herkommt. Es stehen halt Wahlen an... ;)

    Ist das eine von den Kirchen, wo man so kleine Cracker kriegt? Ich habe Hunger!

  • Ich will ja gar nicht weiter auf den Postin eingehen, BigBlue. Nur eines: Ohne Pass kriegt man keinen Job, ohne Job keinen Pass.... Das Hauptmann von Köpenick-Syndrom in Deutschland. Und das mit den Kindern ist in der Tat richtig. Deswegen finde ich den Punkt in Hessen, der vor der Schule die Kinder in einen Sprachkurs zwingen will, gar nicht so verkehrt.... Aber dann müssen auch mehr Eltern in einen Sprachkurs. Wie sollen die sich sonst auf Ämtern, mit Lehrern etc. verständigen?!
    Aber ansonsten halt ein vollkommen schwachsinnier Test, das stimmt.

    Ein Hund denkt: "Sie füttern mich, sie pflegen mich, sie kümmern sich um mich...
    ...sie müssen Götter sein!"


    Eine Katze denkt: "Sie füttern mich, sie pflegen mich, sie kümmern sich um mich...
    ...ich muss ein Gott sein!

  • Zitat

    Original geschrieben von Mekong
    Ohne Pass kriegt man keinen Job, ohne Job keinen Pass....


    Also für Ersteres gibt es schon durchaus "halblegale" Möglichkeiten, und ob Letzteres wirklich so ist, weiß ich nicht. Wenn ja, dann stimmt an dieser Stelle zumindest die Theorie ja schon. ;)

    Zitat

    Aber dann müssen auch mehr Eltern in einen Sprachkurs. Wie sollen die sich sonst auf Ämtern, mit Lehrern etc. verständigen?!


    Eben.

    Ist das eine von den Kirchen, wo man so kleine Cracker kriegt? Ich habe Hunger!

  • Zitat

    Original geschrieben von Phuketdude
    [URL=http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,406098,00.html]Super seriöse Quelle[/URL]
    Glaubst du es jetzt?


    Ähm nein! Insbesondere deshalb, weil im Spiegel Artikel von 100 Fragen gesprochen wird. Das es einen Fragenkatalog geben soll ist mir bekannt, ich fragte aber, ob der in Bild zitierte der "Echte" ist!


    Edit: Mein Fehler, die Fragen im Spiegel sind augenscheinlich mit denen der Bild identisch. Trotzdem versuche ich mein unten genanntes Völlig-OT-Statement aufrecht zu halten. Als Argumentationshilfe darf gern ein vergnügliches Blog zu diesem Thema besucht werden.



    Und auch wenn ich mich dadurch bei dir unbeliebt mache - Ich schreie es heraus - Die Bild und auch bild.de sind für mich hochgradig unseriöse Informationsquellen!

    Och danke! Und selbst so?

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