FAZ: Interessantes Interview zur Generationengerechtigkeit

  • Ich fand das Interview lachhaft. Das ist doch pure Trollerei.


    Zitat

    Wir sollen mehr Geld in die Sozialversicherungen einzahlen, bekommen aber immer weniger heraus, wenn wir mal alt, krank oder arbeitslos sein werden.


    Aha, er würde also am liebsten so leben wie seine Eltern damals hier. Sein Problem ist also nicht das System hier, sondern das er meint am falschen Platz zu sitzen. Bei allen Differenzen die ich mit (z.B.) qwasy haben mag, ist qwasy ja wenigstens konsequent in seiner Position. Aber gegen Pawel ist ja unser Martyn hier eine Wirtschafts- und Politik-Koryphäe höchsten Grades.


    Zitat

    Wenn alles gutgeht, werde ich in einem Land leben, in dem junge Menschen auf die Herausforderungen besser vorbereitet werden.


    Eben war das Problem noch bei dem System und der Unfairbehandlung. Jetzt liegt die Lösung des Problems in der besseren "Vorbereitung der jungen Menschen". Soso...


    Zitat

    Aber das klingt immer so, als ob Bildung ein Geschenk des Staates an mich und meine Kommilitonen sei. [Aber] Nein. Es ist eine Investition.


    Für die sich junge Menschen in vielen Ländern mit zehntausenden/hunderttausenden verschulden müssen. Wie "unfair" dass er dieses Privileg nicht auch hier in Deutschland hat, und stattdessen so unfair behandelt wird, dass er Schuldenfrei mit Hochschulausbildung ins Berufsleben starten kann.


    Zitat

    Länder wie Indien und China stecken sehr viel Geld in die Bildung,


    Da kann man sich wohl nur an den Kopf fassen bei solchen Aussagen. Meint der denn ernsthaft, dass jemand der in China oder Indien das Bildungssystem durchlaufen hat, habe bessere Voraussetzungen? Ich will ja nicht ausschließen, dass es in der Spitze bessere Elite-Universitäten geben mag (was bei der um ein vielfaches größeren Bevölkerung auch nicht verwunderlich ist), aber im Mittel sieht die Realität anders aus.


    Zitat

    Ich weiß, daß es bei manchem Arbeitslosen und bei manchem Rentner kaum zum Leben reicht. Den armen Leuten will ich nichts wegnehmen. Aber ich habe den ganz subjektiven Eindruck, es gibt viele Rentner und vor allem Pensionäre, denen es ausgezeichnet geht.


    Achso, er will an die Privatvermögen der wohlhabenden älteren Leute. Na das sind Prima Voraussetzungen. In so einem Land möchte bestimmt jeder alt werden, wenn er weiß, dass der der spart um es im Alter besser zu haben zur Kasse gebeten wird, damit Leute wie er sich nicht unfair behandelt fühlen.


    Zitat

    Aber vor allem sollte man die Subventionen kürzen.


    Ja, und Bürokratie abbauen. Beides sehr innovative Ideen, die man seit Jahrzenten weder gedacht, noch gemacht hat. Natürlich wollen die Leute die man mit dem Kürzen dann vermeintlich "unfair" behandelt am liebsten auswandern. Aber brillianterweise hat er ja erkannt dass das Hauptproblem am System ist, wenn man selber unfair behandelt wird, daher sind seine Lösungen ja auch so brilliant: einfach bei den anderen das Geld holen!



    Zitat

    Daß schon eine Menge Leute durch das Bildungswesen geschleust wurden, ohne auch nur im geringen Maße auf die aktuellen Anforderungen des Arbeitsmarktes vorbereitet zu sein.


    Hahaha, und er glaubt dass ist in anderen Ländern anders? Er braucht tatsächlich einen Reality-Check in Form des tatsächlichen Erlebens wie es in anderen Ländern zugeht.


    Zitat

    In Amerika können sie schnell einen Job verlieren, aber schnell wieder einen neuen finden.


    Die Art Jobs die in Amerika immer leicht zu finden sind, sind auch hier leicht zu finden. Aber zweifellos sind das nicht die Jobs die der Pawel auch bereit wäre zu machen, jammert er doch schon wegen des Berufseinstieg über den Weg eines schlecht bezahlten Praktikums - ob er weiß wie die leicht zu findenden Jobs in den USA sind und wie toll man "mit festem Einkommen planen" kann... Zweifelhaft.




    Das Thema Generationengerechtigkeit ist ja wirklich ein interessantes und diskussionswürdiges. Aber ein solches Troll-Interview hat in etw den Einfluß, den ein Interview mit einem 16-jährigen detuschen Neonazi oder ausländischem Gewalttäter auf die Migrationsdebatte hätte: Ein bisschen aufhizen der Stimmung, aber sonst nichts.


    Ich für meinen Teil möchte stolz meinen Beitrag zu Deutschland leisten, trotz der Probleme. Vielleicht hätte die Nachkriegsgeneration ja auch über ihre Eltern jammern und aus Deutschland wegziehen sollen da sie ja nicht die Supper auslöffeln sollen die ihre Eltern eingebrockt haben, dann wäre es Deutschland sicher besser ergangen... oder auch nicht.

    "That's not a hair question. I'm sorry." - 01/31/07 - Never forget!

  • Unabhängig von der Stichhaltigkeit der einzelnen Argumente, die im Interview angeführt werden, ist das Interview symptomatisch für die Überlegungen, die viele junge Leute haben. Es gelingt momentan häufig nicht, die (potenziellen) Leistungsträger davon zu überzeugen, dass auch sie selbst vom System profitieren - was in meinen Augen nicht weiter verwundert, da der Staat seit Jahrzehnten Gleichmacherei betrieben hat, sodass die klaren Zusammenhänge zwischen Leistung bringen und Leistung erhalten verloren gegangen sind.


    Auf der anderen Seite muss natürlich die Frage erlaubt sein, ob man es sich mit Auswandern nicht zu einfach macht. Ändern kann man auf diese Weise nichts mehr, ein "ihr werdet schon sehen, was ihr davon habt" hilft nicht weiter. Der Vorwurf an die aktuelle Rentnergeneration ist nicht fair, die können ja recht wenig dafür, dass wir alle immer später Kinder bekommen (wenn überhaupt).


    Der Vorwurf muss vielmehr an diejenigen adressiert werden, die bewusst die Augen vor den gesellschaftlichen Veränderungen und dem Aus-dem-Ruder-laufen der Sozialsysteme verschließen. Aber diese mobilisieren nach wie vor noch ihre Interessengruppen zum Protest und zemetieren damit den Status-quo. Manche sollten endlich mal über ihren Schatten springen und Irrtümer aus der Vergangenheit zugeben.

  • Zitat

    Original geschrieben von qwasy
    Unabhängig von der Stichhaltigkeit der einzelnen Argumente, die im Interview angeführt werden, ist das Interview symptomatisch für die Überlegungen, die viele junge Leute haben.


    Ja, ich stimme dir zu, dass es eine beachtliche Zahl an solchen jungen Leuten gibt.


    Zitat

    da der Staat seit Jahrzehnten Gleichmacherei betrieben hat, sodass die klaren Zusammenhänge zwischen Leistung bringen und Leistung erhalten verloren gegangen sind.


    Hier wiederum nicht. Für die übergroße Mehrheit der Menschen stimmt das einfach nicht. "Verlorgen gegangen" ist fern der Realität in Deutschland. Die riesigen Unterschiede zwischen Reich und Arm sind doch ein Indikator dagegen - es sei denn du würdest argumentierst, dass Wohlhabende Menschen in Deutschland ihren Wohlstand nicht durch Leistung verdient hätten (ich vermute mal, das ist nicht was du meinst).


    Etwas das "Gleichmacherei" ähnelt gibt es da wo Leute unter dem Exitenzminimum leben - und selbst da ist es bei weitem keine echte Gleichmacherei, wie die zahlreichen Menschen beweisen die darunter leben.
    Jetzt kann man darüber argumentieren, was Existenzminimum sein soll, aber dann vielleicht doch nicht mit platten Floskeln von "Gleichmacherei in Deutschland", denn das ist sicher nicht ein Problem unter dem die meisten Hochschulabsolventen leiden werden...


    Zitat

    Der Vorwurf muss vielmehr an diejenigen adressiert werden, die bewusst die Augen vor [...] dem Aus-dem-Ruder-laufen der Sozialsysteme verschließen.


    Oder auch denen die bewußt die Augen davor verschließen, dass die Schere zwischen Reich und Arm größer wird auch in Deutschland. Dass der Anteil des Ärmste Fünftel der Gesellschaft am Gesamteinkommen sinkt und sink, während der Anteil der "bestverdienenden Fünftels" am Gesamteinkommen steigt und steigt. ( http://www.destatis.de/datenreport/d_datend.htm ).
    Aber lieber nach oben buckeln und nach unten treten - denn nur so kann man gewährleisten, dass auch jeder nach oben will... (oder auch nicht). Denen die reich sind muß man stärker entgegenkommen, sonst gehen sie weg. Die Armen hat man sowieso an der Backe, dann kann man sie wenigstens weiter schinden, damit wenigstens die in der Mitte nicht aufhören zu strampeln, egal wie sehr sie von denen über ihnen ausgenommen werden. (Wenn schon Polemik, qwasy, dann gleich richtig :D )

    "That's not a hair question. I'm sorry." - 01/31/07 - Never forget!

  • Es ist glaube ich nicht zielführend, beim Thema Auswanderung mit der moralisch-patriotischen Keule zu schwingen. Wer glaubt, im Ausland bessere Lebensbedingungen vorzufinden, wird durch einen Appell an die Solidarität kaum zurückgehalten werden.


    Wenn ich das Interview richtig verstanden habe, will der Student eigentlich in Deutschland bleiben und eine Familie gründen. Weil er aber das Gefühl hat, dass die Lasten zu Ungunsten seiner Generation nicht fair verteilt sind, will er auswandern. Seiner gefühlten politischen Ohnmacht will der Mann also durch eine "Abstimmung mit den Füßen" entfliehen.



    Falls es wirklich zu einer Auswanderungswelle gut ausgebildeter junger Deutscher kommt (es müssen ja nicht nur Studenten sein) wird sich die Politik ohnehin etwas einfallen lassen (müssen).

    “The ideas of economists and political philosophers, both when they are right and when they are wrong, are more powerful than is commonly understood. Indeed the world is ruled by little else. Practical men, who believe themselves to be quite exempt from any intellectual influence, are usually the slaves of some defunct economist.” (Keynes)

  • Carsten:


    Gut, ich möchte mich für meine Platitüden entschuldigen. Es war schon spät und kurz vor dem Lesen des Artikels durfte ich gerade zehnmal diese Knochenmark-E-Mail löschen...


    Mir ist durchaus bekannt, das Herr Otto Schily nicht mehr Bundesinnenminister ist, auch wenn seine Webseite da etwas anderes behauptet. Trotzdem hat er in seiner Regierungszeit erfolgreich an der Beschneidung freiheitlicher Bürgerrechte gearbeitet und dadurch für viele zu einem Synonym dafür geworden. Aber du/ihr habt Recht, das ist Teil einer anderen Diskussion.


    Zitat

    Original geschrieben von Erik Meijer
    Super der Mann...nur am Motzen, Sinn hat eh nix, Deutschland ist am Ende...am besten versenken wir Deutschland einfach im Meer und wandern alle aus...tolle Einstellung, so gehts bestimmt aufwärts, wenn wir uns alle vor der Verantwortung drücken und uns aus diesem Land verpissen! :rolleyes:


    Erik, du hast natürlich Recht. Viele motzen. Jedoch sind es viel zu wenige. Wieso geht hier keiner auf die Straße? Es es nicht so, das es den Meisten vollkommen egal ist, was morgen passiert?


    Und das wir uns alle vor der Verantwortung drücken, ist doch vollkommen verständlich. Seit einigen Dekaden nun hat uns doch der Staat jegliche Verantwortung abgenommen und alles so schön für uns geregelt. Kindererziehung, Bildung, Arbeitslosigkeit, Rente - macht doch alles der Staat für mich. Die Politiker machen es vor: Was kümmert sie ihr Geschwätz von gestern? Heute Verantwortung übernehmen für die Entscheidungen von gestern, die das Morgen bestimmen? Fehlanzeige!


    Das Problem ist nur, wie es auch qwasy später schreibt: Die Leistungsträger verabschieden sich. Die haben resigniert. Wer dankt es einem denn, wenn man aufsteht und Verantwortung übernimmt? Die gehen dorthin wo man Annerkennung statt Neid bekommt...


    Zitat

    Original geschrieben von qwasy
    Unabhängig von der Stichhaltigkeit der einzelnen Argumente, die im Interview angeführt werden, ist das Interview symptomatisch für die Überlegungen, die viele junge Leute haben. Es gelingt momentan häufig nicht, die (potenziellen) Leistungsträger davon zu überzeugen, dass auch sie selbst vom System profitieren - was in meinen Augen nicht weiter verwundert, da der Staat seit Jahrzehnten Gleichmacherei betrieben hat, sodass die klaren Zusammenhänge zwischen Leistung bringen und Leistung erhalten verloren gegangen sind.


    Korrekt erkannt.


    Zitat

    Original geschrieben von qwasy
    Auf der anderen Seite muss natürlich die Frage erlaubt sein, ob man es sich mit Auswandern nicht zu einfach macht. Ändern kann man auf diese Weise nichts mehr, ein "ihr werdet schon sehen, was ihr davon habt" hilft nicht weiter. Der Vorwurf an die aktuelle Rentnergeneration ist nicht fair, die können ja recht wenig dafür, dass wir alle immer später Kinder bekommen (wenn überhaupt).


    Mit dem Auswandern kann man sicherlich nichts für Deutschland, nichts für die Solidargemeinschaft ändern, das ist richtig. Aber man kann seine persönliche Perspektive verbessern - und letzlich ist doch jeder sich selbst der Nächste, so wurden wir doch in den letzten Jahrzehnten herangezogen. [Spreeblick: Ihr, nicht ich]


    Auch richtig ist, das die aktuelle Rentergeneration direkt nichts dafür kann, das die Geburten zurückgehen. Man kann ihnen sicherlich auch keine Vorwürfe machen, die Zukunft "falsch" mitgestaltet zu haben - wie aktuelle Generationen sind auch sie den schönen rosigen Worten der Politik aufgesessen.


    Zitat

    Original geschrieben von qwasy
    Der Vorwurf muss vielmehr an diejenigen adressiert werden, die bewusst die Augen vor den gesellschaftlichen Veränderungen und dem Aus-dem-Ruder-laufen der Sozialsysteme verschließen. Aber diese mobilisieren nach wie vor noch ihre Interessengruppen zum Protest und zemetieren damit den Status-quo. Manche sollten endlich mal über ihren Schatten springen und Irrtümer aus der Vergangenheit zugeben.


    Auch in diesem Punkte möchte ich dir voll und ganz zustimmen. Dem Volk muß jemand klar und deutlich erklären das gewaltige Reformen anstehen und durchgesetzt werden MÜSSEN und das es ALLEN weh tun wird, aber nur so unsere Volkswirtschaft gerettet werden kann. Dazu hat aber niemand dieser Damen und Herren den Mut. Es geht schließlich um Wiederwahl, Pensionsforderungen, etc. Mir kann doch keiner erzählen, dass all' die Studien und Zahlen den Politikern und Meinungsführern unbekannt sind?


    Und um nun den Bogen zu Herrn Schily vom Anfang zu bekommen: Der Staat hat keine Angst vor "Terrorismus" - er hat Angst vor seinen Bürgern, er hat Angst vor dem Moment an dem der großen Masse die erdrückende Wahrheit bewusst wird, denn dann, dann werden auch hier in Deutschland die Straßen brennen...


    Zitat

    Original geschrieben von <registered>
    Falls es wirklich zu einer Auswanderungswelle gut ausgebildeter junger Deutscher kommt (es müssen ja nicht nur Studenten sein) wird sich die Politik ohnehin etwas einfallen lassen (müssen).


    An diesem Punkt sind wir doch schon angelangt. Wieviele junge deutsche Ärzte gehen ins Ausland, weil sie dort bessere Arbeitsbedingungen vorfinden? Wieviele deutsche Innovatoren erdenken ihre Innovationen nicht mehr in Deutschland? Solche "Wanderungen" sind ja nichts neues in der Geschichte, nur das sie heute um ein vielfaches leichter sind, als noch vor 10, 30, 100 Jahren. Das globale Dorf existiert eben nicht nur für internationale Kapitalinvestoren (die Heuschrecken), sondern auch für normale Personen wie dich und mich...

  • Zitat

    Wieviele junge deutsche Ärzte gehen ins Ausland, weil sie dort bessere Arbeitsbedingungen vorfinden?


    Achso, du bist für bessere Wahrnehmung der Arbeitnehmerrechte der Ärzte, na das klingt aber irgendwie anders als der Rest deines Beitrags. Oder plädierst du nur dafür, dass die Ausgaben für Gesundheit steigen müssen, damit die Ärzte mehr Geld bekommen? Ja, Prima. Bezahlen das dann die Krankenkassen (und damit die "Solidargemeinschaft"), oder bezahlen, dass dann die ohnehin schon benachteiligten jungen Familien, für die du dich stark machst, aus der knappen Haushaltskasse.


    Wie sähe diese magische Reform aus, welche es gleichzeitig Deutschland besser gehen läßt und jungen deutschen Ärzten bessere Arbeitsbedingungen garantiert? Lass mich raten: Subventionen kürzen und Bürokratie abbauen, dann wird das schon irgendwie...



    Oder vielleicht schmeißen manche auch nur emotionsgeleitet völlig unterschiedliche Sachen durcheinander. Dieser plöde Schilly mit seiner Angs- und Emotionschürerei aber auch.


    Zitat

    Solche "Wanderungen" sind ja nichts neues in der Geschichte, nur das sie heute um ein vielfaches leichter sind, als noch vor 10, 30, 100 Jahren.


    Richtig, die letzten Auswanderungen aus Deutschland waren z.B. um das 19 Jh. in die USA, oder die Auswanderung der wissenschafltichen Elite mit und nach der Nazizeit. Wenn Deutschland das überstanden hat, dann wird es auch das Auwandern von weinerlichen, jungen Leuten überwinden, die ihre Kritik nicht zu Ende denken können und lieber weglaufen statt anpacken. Ist ja nicht so als ob die hier zu viel zu Nutze wären. Wenn es eins im Überfluß gibt in Deutschland, dann sind es Nörgler die nicht anpacken.

    "That's not a hair question. I'm sorry." - 01/31/07 - Never forget!

  • Und was ist mit jungen Selbständigen, die zwar anpacken aber wegen der hohen Abgaben nichts zur Seite legen können? Denen das Kinder kriegen unter diesen Umständen zu riskant ist?


    Was ist mit Akademikern, die in Deutschland keine angemessene Arbeit finden und sich lieber im Ausland selbständig machen, als von Hartz IV zu leben?


    Jeder hat seine Meinung, klar, aber dieses Thema hat viele Seiten.

    “The ideas of economists and political philosophers, both when they are right and when they are wrong, are more powerful than is commonly understood. Indeed the world is ruled by little else. Practical men, who believe themselves to be quite exempt from any intellectual influence, are usually the slaves of some defunct economist.” (Keynes)

  • Zitat

    Original geschrieben von <registered>
    Und was ist mit jungen Selbständigen, die zwar anpacken aber wegen der hohen Abgaben nichts zur Seite legen können?


    Als junger Selbstädiger ist man einerseits (vermutlich) in privaten Krrankenkassen und da schon besser gestellt, und zum anderen fällt man aus den meisten Sozialabgaben raus. Keine Beiträge für Arbeitslosenversicherung, keine Beiträge für (staatliche) Rentenversicherung, keine Beiträge für Pflegeversicherung.
    Was bleibt an sind Steuern: Mehrwertsteuer wird durchgereicht, Einkommensteuer ist durch die Progressivität ohnehin so, dass gerade Leute die wenig verdienen nichts oder wenig an Steuern bezahlen. Und ganz ehrlich - die Leute die ich kenne sie sich Selbständigkeit gemacht haben, haben sich ohne weiteres die ersten Jahre so gerechnet, dass sie sehr wenig Steuern gezahlt haben, sicher weniger als Angestellte.


    Scheint mir so, als würde das nicht zur Seite legen können, in erster Linie auf Aufträge/Bruttoeinkommen zurückfallen, nicht auf Abgaben.


    Zitat

    Denen das Kinder kriegen unter diesen Umständen zu riskant ist?


    Ja nu, soziale Auffangnetze rauf oder runter. Man muß sich schon entscheiden...


    Zitat

    Was ist mit Akademikern, die in Deutschland keine angemessene Arbeit finden und sich lieber im Ausland selbständig machen, als von Hartz IV zu leben?


    Ja, was ist mit denen? Wenn man hier keine Arbeit findet, aber anderswo schon, finde ich es gut, dass die Leute mobil sind, statt von HarzIV zu leben. Oder kenst du eine konkrete Statistik über Zu- und Abwanderung von Akademikern die ich nicht kenne, und die mir Sogen machen sollte?

    "That's not a hair question. I'm sorry." - 01/31/07 - Never forget!

  • Sencer


    Wir sind uns also einig, dass es besser ist, im Ausland zu arbeiten, als in DL wegen Arbeitslosigkeit vom Staat abhängig zu sein.


    Wenn wir uns jetzt noch darin einig wären, dass niemand zum hier bleiben und Kinder kriegen gezwungen werden kann, wären wir in der Diskussion ein gutes Stück weiter.


    Letztlich ist es doch egal, warum jemand auswandert. Wenn er weg ist, ist er weg.


    Ein Journalist der SZ hat einmal gesagt das geniale am Sozialstaat mit seinem Gestrüpp an Transferleistungen sei, dass ein jeder trotz hoher Abgaben glaubt, irgendwo besser wegzukommen, als der Rest. Inzwischen macht sich in bestimmten Kreisen die Erkenntnis breit, dass es auch Menschen gibt, die draufzahlen.


    In unserem umlagefinanzierten Rentensystem besteht nach meinem Verständnis nur der Anspruch darauf, überhaupt Rente zu bekommen. Und zwar in der Höhe, die man den Einzahlenden zumuten kann.
    Durch ihre eigenen Rentenbeiträgen haben die heutigen Rentner diesen Anspruch erworben und sie haben die laufenden Rentenauszahlungen ihrer eigenen Eltern und Großeltern finanziert. Sie haben nicht den Anspruch erworben, das eingezahlte Geld wieder ausbezahlt zu bekommen. Das ist zwar bitter, wenn geburtenschwache Jahrgänge nachkommen, aber es hat den Vorteil, dass immer jemand für die Rentner aufkommt, solange überhaupt noch Menschen in Deutschland arbeiten und Beiträge bezahlen.


    Soweit die Theorie beim Unlagesystem.
    Ich kritisiere, dass in einer wirtschaftlich schlechten Zeit mit hoher Arbeitslosigkeit die gesamte Last von den Jüngeren geschultert werden soll, nur weil weitere Nullrunden bei den Renten oder gar Kürzungen zu unpopulär sind und es zu viele Rentner gibt, die dann auch noch eine hohe Wahlbeteiligung haben.


    Wie sieht denn heute die Vermögensverteilung in vielen größeren Familien aus?
    Oftmals leben Familien in Abhängigkeit der Großeltern und sind von deren guten Willen abhängig, weil nur die Großeltern noch Geld (übrig) haben, im Gegensatz zu vielen Berufstätigen. Ich kenne Fälle, wo ganze Familien von der Rente der Großmutter leben und ich finde das nicht gut. Nicht jeder hat (spendable) Großeltern.


    Natürlich gibt es viele Deutsche mit einer kläglichen Rente. Aber um die geht es hier nicht. Es muss möglich sein, von den Menschen, die sehr hohe Renten und Pensionen beziehen, etwas mehr Solidarität einzufordern, damit Familien finanziell stärker entlastet werden, damit Kindergartenplätze endlich kostenlos sein können, damit mehr Leute die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben in Deutschland haben.

    “The ideas of economists and political philosophers, both when they are right and when they are wrong, are more powerful than is commonly understood. Indeed the world is ruled by little else. Practical men, who believe themselves to be quite exempt from any intellectual influence, are usually the slaves of some defunct economist.” (Keynes)

  • Ich denke, man sollte sich in der Diskussion um eine "Generationengerechtigkeit" nicht so am "Auswandern" aufhängen. Das ist eine pubertäre Trotzfloskel, gerade dann, wenn sie von Studenten getroffen wird, die noch im Studium drinn sind.


    Viele Studiusos halten sich für Elite, weil ihnen das jeder zuraunt (Medien, Stammtisch, Politik)- aber so ist es nunmal nicht. Die Welt wartet nicht auf deutsche Studenten, schon garnicht, wenn sie nur die abgenudelten Christiansenplatten in Interviews vor sich herleiern, wie es der Knilch im FAZ-Interview vermochte. Gute Studenten hat selbst Kuba (da putzen in der Regel gut ausgebildete Doktoranden oder gar Professoren die Hotelzimmer, den ausser Tourismus is halt nix), wozu also den Michel aus Wuppertal anheuern?
    Nicht zuletzt, auswandern kostet Kohle. Auch Arbeitslose mit H4 sind nicht allesamt Vollpfosten, die würden auch gern auswandern-aber es kostet eben!


    Dennoch ist das Problem da. Ich meine, es ist kein Geheimnis, daß die Jugend vom Alter "angeekelt" ist. Das ist völlig normal, in jungen Jahren ist Alter eben verdammt weit weg und alles andere als Hip. Man ist damit beschäftigt, sich selber kennenzulernen und sein Leben zu leben (sich um sich selbst zu kümmern).


    So, in Deutschland sieht es aber so aus, daß es wegen der Alterspyramide (die sich mittlerweile umgedreht hat) bald zur unumgänglichen Pflicht wird, sich um Altenpflege (bei lächerlichen Löhnen) zu kümmern, ja selbst um völlig fremde Alte, die mit der eigenen Familie nix zu tun haben. Das sollte man psychologisch nicht unterschätzen, auch wenn es größtenteils unterbewusst abläuft.


    Wenn man dieses Problem nicht durch den Lebenskosten angemessene Lohnzahlungen im Pflegebereich abfedert, dann wirds kuschelig! Besonders für die Alten, die sich nicht werden wehren können. Insofern ist es weniger eine Jugendproblematik (die wird sich des Problems schon entledigen können), als viel mehr eine Altenproblematik.


    Da zu kontern mit Wiederaufbausphrasen (na, wer hats denn kaputt gemacht und wer hat üppige Kredite bekommen, die es heute nicht mehr gibt?) oder gesellschaftlicher Verantwortung (wie verantwortlich ist es wohl, die Nachkommen darben zu lassen, bei sich selbst aber auf Zustandserhalt zu bestehen?) zu argumentieren, wird nicht helfen.


    Darauf bezogen kann ich sagen, ich werde mich nicht dazu verdonnern lassen, bei Minimalstlöhnen bei irgendwelchen senilen Gerontoyuppies die Morgenwäsche durchzuführen. Das ist ein harter Job, der entweder Idealismus braucht (den ich und viele viele andere für diesen speziellen Berufszweig nicht haben oder entwickeln können), oder eben bessere Löhne, damit man sich in der Freizeit regenerieren kann (mit Suppe und Kabelttv bei Urlaub auf Balkonien wirds nix).

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