Hallo Leute,
heute gabs mal wieder einen neuen Mietwagen zum Testen, und da die Suche hier im Geplauder keine Treffer zu den Begriffen "Zafira Testbericht" geliefert hat, schreibe ich mal meine Eindrücke nach den 250km fahrt.
Bei dem Opel Zafira handelt es sich um ein Modell diesen Jahres vom Verleiher National Straub, mit 1,8 Liter Benziner und 103kW, Klimaautomatik, CD-MP3-Radio und Plastiklenkrad.
Motor:
Als Motorenfan fange ich gleich mal mit dem Wichtigsten an: Der 1,8-Liter-Benziner hat 103kW (140PS) bei 6300 1/min. Eigentlich steckt in diesem Satz schon alles drin, was man über den Motor wissen muss. Schlaff, lahm, gefühlte 90PS, eben eine typische moderne Mogelpackung. Meine Kollegen und ich waren uns einig, daß dieser Wagen seine 140PS nur auf dem Papier hat. Das Getriebe ist deshalb so kurz abgestuft, dass man eigentlich immer mit 3500-4000 1/min unterwegs ist, auch wenn man die situationsrelevanten Schaltstufen des Fünfganggetriebes benutzt. Sprich: Vierter Gang in der Stadt, Fünfter auf der Autobahn. Schon bei Tempo 140 hat man 4000 1/min erreicht, und der Motor ist klar zu hören.
Für Überholvorgänge ist man genötigt, zwei Gänge zurückzuschalten und das arme Motörchen bis zum roten Bereich (6500 1/min) zu drehen, damit man in angemessener Zeit zwei LKWs überholen kann.
Aber dafür hat uns nachher der Verbrauch entschädigt, ca 10 Liter auf 100km sind durchgegangen, laut Bordcomputer nur 8,5. Aber da deutsche Bordcomputer allesamt mindestens einen halben bis ganzen Liter lügen, passt das schon gut zusammen. Durch die relativ kurze Fahrtstrecke von 250km (in denen sich der Zafira einen drittel Tank reingehauen hat) ergeben sich natürlich Messungenauigkeiten. Wir sind nur Autobahn gefahren, und dort selten schneller als 140 (mehr packt die Karre nicht in endlicher Zeit).
Fazit zum Motor: Eine moderne Mehrventil-Mogelpackung mit realen 90PS, die mit dem Zafira und drei Mann Besatzung ohne Gepäck seine liebe Not hat. Maximale komfortable Autobahngeschwindigkeit liegt bei 140-150km/h, danach wirds zu gefährlich, da man null Reserven hat, auch mal von 150 auf 160 zu beschleunigen, wenns mal eng wird.
Schaltung
Der Schalthebel sitzt günstig und fühlt sich gut an. Das ist mir wichtig, da ich den fast die ganze Zeit in der Hand habe. Die Schaltwege sind kurz und knackig, wie bei einem Sportwagen, aber leider auch teilweise ungenau geführt, so dass man die Kulisse nicht trifft, besonders der dritte und fünfte Gang machen Schwierigkeiten, es fehlt die "Einführschräge", die es erlaubt, bei minimalem seitlichen Versatz trotzdem in die Kulisse zu kommen. Selbst, wenn man es drauf anlegt und exakt vertikal den Hebel bewegt, hakt es manchmal. Aber da muss ich Opel etwas trösten, denn BMW kann das bis heute nicht.
Fahrwerk und Lenkung:
Kurz und knapp: Einwandfrei, sicher, spielfrei. Keine Auffälligkeiten
Innenraum und Haptik:
Hier verdient sich der Zafira die meisten Pluspunkte, das Interieur ist hochwertig verarbeitet, alles sehr passgenau und von der Detaillierung mit verschiedenen Kunststoffteilen, Zierleisten und anderen Blickfängen auf dem selben Niveau wie VW oder Audi. Nur das triste Opelgrau mit Metallic-Dunkelgrau-Elementen stört.
Die Sitze sind einwandfrei und komfortabel, die Sitzposition ist nur leicht erhöht gegenüber einer normalen Limousine.
Alle Schalter, Griffe und sonstige Bedienelemente fühlen sich gut an und rasten knackig ein bei Betätigung. Alles sehr schön gemacht, das hat Opel gut hingekriegt.
Radio und Klima
Hierbei tun sich Abgründe auf, Opel hat sich mit dem Bordcomputer, dem Radio und der Klimaautomatik (alles in einem "Gerät") keinen Gefallen getan. Die Bedienung ist völlig unmöglich und abseits jeder Bedienstandards, die man so vom Rest der Branche kennt. Die Knöpfe sind wahhlos verstreut, die Symbole darauf oder darunter mit so feiner Linie bedruck, dass man erst nach dem Runterbeugen erkennen kann, ob dieses Drehrad nun die Temperatur oder die Ausströmer verstellt.
Normalerweise halte ich mich für technisch gewievt und mit gängigen Benutzeroberflächen und -schemata vertraut, aber innerhalb der 2,5h-Fahrt ist es mir nicht reproduzierbar gelungen, das Bordcomputer-Untermenü mit dem Durchschnittsverbrauch zu verlassen und wieder in das Grundmenü zu gelanden. Dazu muss man irgendwie mit dem Jog-Rad (welches auch die Lautstärke des Radios verstellt) den "zurück"-Softkey annavigieren und dann mithilfe einer Tastenkombination aus "BC", "Enter" und "Sendersuchlauf links/rechts" sich durchs Menü hangeln.
Also, Opel, das ist völliger Käse, das kann keine Hausfrau bedienen, und schliesslich ist das die Hautpzielgruppe dieser Minivans.
Blinkerhebel:
Diesem Sche*ssdingen widme ich einen eigenen Unterpunkt, so sehr hat mich dieses Teil verwirrt. Es hat quasi keine Rastfunktion wie herkömmliche Blinkerhebel, sonder ist nur ein Taster, der der Bordelektronik den Blinkwunsch signalisiert. Je nach Fahrzustand und Lenkradstellung wird der Blinkwunsch unterschiedlich interpretiert. Also "fünfmal Blinken zum Überholen auf der Autobahn" oder "Dauerblinken wegen Abbiegen" geschieht automatisch und ist vom Fahrer nicht ohne Studium des Handbuchs beeinflussbar. Beim Zurückdrehen des Lenkrades in die Nullstellung wird das Blinken immer wieder ausgeschaltet. Sehr verwirrend das ganze, man korrigiert eigentlich ständig durch "Gegenblinken" seinen Blinkwunsch, weil der Blinker zu kurz, zu lang oder in die falsche Richtung geblinkt hat. Völliger Käse.
So, das reicht erstmal zu dem Auto. Als Gesamtfazit würde ich sagen, dass nach einigen Softwareupdates und einem richtigen Motor der Wagen wirklich ein toller und qualitativ hochwertiger Wurf von Opel ist, der sich nicht vor einem Touran oder C-Max verstecken braucht.
[EDIT: Rechtschraippfählärr und Punkte "Schaltung" und "Fahrwerk und Lenkung" hinzugefügt