Kunststoffe aus regenerativen Grundstoffen - Sinnvoll?

  • Hallo an alle Interessierten,


    der Sinn dieses Threads ist ein Ausloten einer möglichen Akzeptanz gegenüber Kunststoffen die aus regenerativen Grundmaterialien wie z.B. Getreide oder Kartoffeln hergestellt werden können.


    Als Vorgabe bzw. Leitfaden gibt es folgende Informationen, diese Kunststoffe wären gleich denen die im Moment im Markt kursieren, hauptsächlich jedoch PP, PS, PE bei unveränderte Charakteristika mit dem Unterschied, daß jene Kunststoffe KOMPOSTIERBAR wären.


    Diese Kunststoffe stehen mittelfristig vor Ihrer Markteinführung.


    Wie seht Ihr die Möglichkeiten für solche Produkte? Würde euch die Eigenschaft der Kompostierbarkeit eures Plastikmülls als Fortschritt in der Vermeidung von Müll vorkommen?


    Alle Gedanken, Meinungen und Äußerungen sind willkommen!

    Biopolymer Verpackungskunststoffe und Matrix Materialien

  • Ich kenne da eigentlich hauptsächlich Polylactid, das wäre sicherlich ein sinnvoller Kunststoff, wenn er mit den Preisen auf ein vergleichbares Niveau sinkt.


    Auf jeden Fall sehr sinnvoll, sofern der Polylactid nicht wesentlich teurer als herkömmliche Kunststoffe sein wird. Es gibt ja auch bereits Produktionsanlagen in den USA und weitere sollen geplant sein.


    Ich bin der Meinung, dass diese Möglichkeit des Umweltschutzes wesentlich besser und schneller duchführbar ist als beispielsweise alternative Antriebe bei Autos, die früher oder später auch kommen werden aber noch nicht in kurzer Zukunft.

    Some experiences only impress you once.
    The special ones do it again and again.

  • Zitat

    der Sinn dieses Threads ist ein Ausloten einer möglichen Akzeptanz gegenüber...

    Die Akzeptanz einer Akzeptanzvalidierung steht in reziproker Relation zur intellektuellen Kapazität der cogitierten Rezipienten.
    Hat jedenfalls meine Omma immer gesacht.


    Das einzige Praxisprodukt, das ich neben der Verwendung von Altpappe kenne, ist gepoppter Mais.
    Und warum sollte jemand was gegen kompostierbare Verpackungen haben, die ihren Zweck erfüllen...?

  • Hört sich schon intressant an.


    Bislang kannte ich nur Besteck und Teller die aussehen wie Kunststoff aber kompostierbar und sogar essbar sind. Aber ich denke das ist dann nicht wirklich Kunststoff gewesen, da es auch essbar war.

  • Martyn


    ... es gab bei McDonalds Österreich einen Feldversuch, Besteck welches aus einem Stoff, der sich MaterBi nennt zu ersetzen. Dieses Material ist bei Einwirkung von Wasser und Witterungsumständen selbstdegradierend.


    Wäre daß, das selbe Produkt an welches Du gedacht hattest?


    alpha


    Zitat

    Und warum sollte jemand was gegen kompostierbare Verpackungen haben, die ihren Zweck erfüllen...?


    :D ... der, der es nicht im Angebot hat.



    Die Frage nach der Akzeptanz hat eine, für mich wichtige, Bedeutung. Ich möchte wissen ob der geneigte Konsument kritisch, gegenüber den "Zusatzartikeln", die er zu seinem Artikel den er eigentlich kaufen möchte, eingestellt ist. D.h. ob er bewußt wahrnimmt was er noch kauft und was mit diesem Kauf noch verbunden ist.


    Praxisprodukte gibt es recht viele, z.B. gibt es wie oben erwähnt das Polylactid, welches z.B. als Schrauben für Knochenbrücke verwendet werden kann. Der Körper baut das Polylactid nach und nach ab. Eine andere Möglichkeit die bereits in Norwegen Anwendung findet sind Kompostsäcke aus Folie die biodegradierend sind, in Italien gibt es Einkaufstüten die nach dem Gebrauch ins Waschbecken gelegt werden und unter laufendem Wasser einen Selbstauflösung erfahren. In Deutschland gibt es Frucht- und Gemüsenetze aus Biokunststoff der aus Stärke hergestellt wird. In Kürze stehen zwei Produkte an die zum Einen in der Pflanzenzucht verwendet werden können, dabei handelt es sich um Pflanzkübel die in die Erde versenkt werden, beim Wachstum der Pflanze verrotten und der Pflanze dadurch noch den notwenigen Nährstoff liefern. Zum Anderen kommt in kürze ein Kunststoff auf den Markt der das Problem der Hydrophobisation (die Aufnahme von Wasser) vollständig löst. Das wiederum eröffnet die Möglichkeit Kunststoffe herzustellen die z.B. für langlebige Gebrauchsgüter verwendet werden kann (Fernseher, KFZ-Kunststoffe ... etc).


    Interessant ist auch der folgende Aspekt, in Europa sind wir auf Erdöllieferungen aus politisch instabilen Regionen angewiesen und haben gleichzeitig das Problem, daß wir unsere landwirtschaftlichen Betriebe massiv subventioneren müssen. Auf der einen Seite haben wir eine Abhänigkeit und auf der anderen einen Leistungsüberschuß den wir nicht nutzen.


    Bei einer neu Strukturierung der Herstellungskette von z.B. Kunststoffen KÖNNTE man die eigenen regenerativen Resourcen nutzen, Abhängigkeiten reduzieren und wertvolle Rohstoffe wie Öl NICHT für Dinge wie Verpackungen "aufrauchen". Die Grundresource Öl ist einfach zu wertvoll um daraus Joguhrtbecher, Schüsseln, Kleidungsstücke, etc. herzustellen.


    Bei der Nutzung von regenerativen Grundstoffen würden wir auch uns selbst einen erheblichen Gefallen erweisen, durch den Wegfall bzw. der Reduzierung von Steuern und Abgaben. Der Markt Kunststoffe und deren Artikel ist ein Multimilliarden Euro Markt, bei Nutzung eigener Resourcen (Landwirtschaft, Stärkegewinnung aus Getreide und Mais, Milchgewinnung zur Herstellung von Polylactid) wäre eine Verlagerung von Geldströmen die Folge. Neue Arbeitsplätze könnten aus neuen innovativen Unternehmen entstehen und einen Beitrag zur Schonung der Umwelt wäre hier sogar nur ein Nebeneffect.

    Biopolymer Verpackungskunststoffe und Matrix Materialien

  • Na ist doch eigentlich wirklich sinnvoll! Da gibt's bessere Materialien als die herkömmlichen Kunststoffe, sie fördern die einheimischen Bauern (in der Schweiz ist die Bauernlehre wieder hoch im Kurs, es gibt schon Waitlists) und sind noch gut für die Umwelt.
    Also wer, sollte da was dagegen haben, bis auf die Konkurrenz?


    Authersteller werden da auch sehr offen für solche Produkte sein, schliesslich muss man heute ja wenn irgendwie möglich sich ein umweltschonendes Image verpassen, da wären diese Kunststoffe gar nicht mal so übel.


    btw. Ich nehme an, du arbeitest bei einer Firma, die sich mit der Herstellung solcher Produkte beschäftigt?

    Some experiences only impress you once.
    The special ones do it again and again.

  • grambler


    ... Nein ich arbeite nicht bei einer Firma (kein Werbung) die sich damit beschäftigt. Ich beschäftige mich damit :D


    Mir geht es weniger um Marketing oder Advertisement, ich möchte wissen wie der einzelne denkt. Gibt es Chancen für diese Produkte, wäre man diesen Produkten offen gegenüber. Hat man sich schon Gedanken gemacht über diese Produkte.


    Alles andere ist zweitrangig, auch wenn das Produkt gut wäre, der Großteil der Kundschaft aber keinen Wert darauf legt, dann nutzt das beste Produkt nichts.

    Biopolymer Verpackungskunststoffe und Matrix Materialien

  • Moin,


    vor sehr langer Zeit (<10Jahre) habe ich im ICE mal ein Heftchen der BASF gelesen. Dort wurde von "Kunststoff aus Kompost" berichtet. Der Kunststoff sollte zu 98% aus Bioabfällen bestehen, und angeblich bald in der Autoindustrie eingesetzt werden.
    Ich glaube das es keine wirklichen Vorbehalte dazu geben wird. Imho wirds dem Grosstel der Bevölkerung ziemlich wurscht sein, aus was für einem Stoff die Verkleidung etc. ist. Hauptsache man hat keine merklichen Nachteile dadurch... . Wenn man das karketingtechnisch noch gut als "besonders ökologisch" rüberbringt (was es dann ja wohl auch ist), um so besser.



    greetz

  • Naja, ich denke die Produktionskosten sollten auf das selbe Niveau sinken wie die von herkömmlichen Kunststoffen, dann könnte einfach umgestellt werden - das Potential dieser Produkte ist hoch, keine Frage.


    Nehmen wir zum Beispiel Wasser im Supermarkt:
    Ich als Konsument will meine 6 Flaschen 1.5l Wasser für 4€.
    Wie die jetzt verpackt sind, ist mir egal. Wenn's natürlich aus umweltfreundlichem Material ist, noch besser!
    Also falls die entsprechenden Firmen keine Mehrinvestitionen haben bzw. nur geringe, dafür aber mit der Verpackung werben können und somit einen Nutzen draus ziehen, haut das hin. Wenn die Verpackung zu teuer ist, kann mans vergessen, zumindest im Moment.

    Some experiences only impress you once.
    The special ones do it again and again.

  • Den Faktor Preisgestaltung sehe ich genauso, der Kunde wird nur im Ausnahmefall gewillt sein einen höheren Preis zu bezahlen. Über einen kurzen Zeitraum wäre ein höherer Preis bei mittleren Einbußen zu rechtfertigen nicht aber langfristig.


    Der Herstellungspreis (bio) kann aber sehr gut mit dem Herstellungspreis (öl) konventioneller Kunststoffe konkurieren. Im Moment wäre er sogar 10% darunter.


    caoz


    Das Vorhaben von BASF kenn ich, ich kann mich noch an eine TV Sendung erinnern in der diese Kunststoffe für KFZ-Türen (Innenleben) vorgestellt wurden und für das Innenleben des Armaturenbrett.


    Leider scheint es wohl eingeschlafen zu sein.


    Danone hatte vor etwa 5-6 Jahren den Versuch gewagt neue Joghurtbecher auf den Markt zu bringen, leider hat wohl einer der Entwickler nicht aufgepaßt, denn die Milchsäure hat sich durch die Becher gelutscht und diese noch im Kühlfach aufgelöst. Seit diesem Vorfall leider keine Neuerungen.

    Biopolymer Verpackungskunststoffe und Matrix Materialien

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!