Nachdem was man jetzt so hört soll es jetzt ja bei vielen Fachärzten immer Mittwochs zu einem "Streik" der Ärzte gegen die Kassen kommen. Aber was ich mich frage ist aber wer die ganzen Arzthelfer/innen, EDV-Mitarbeiter, Laboranten/innen, Röntengassisten/innen, Verwaltungskäfte, ... bezahlt. Die Gewerkschaften werden kein Streikgeld bezahlen, weil die Angestellten von sich aus ja nicht streiken würden. Heisst das dann das die Ärzte als Arbeitgeber das Gehalt ganz normal zu 100% selbst zahlen müssen? Aber dann dürften sie das mit dem Streikmittwoch nicht allzuoft machen. Für die Angestellten dürfte aber der freie Mittwoch eine schöne Sache sein.
Ärztestreik: Wer bezahlt die Angestellten?
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Man sollte durchaus vorsichtig mit dem unkritischen Gebrauch des Wortes Streik sein. Das, was der Hartmannbund als eine Interessensvertretung der Ärzteschaft angeregt hat, ist in keinster Weise ein Streik, solange die grundsätzliche Versorgung akut Kranker gewährleistet ist und Notfälle adäquat behandelt werden.
Die Problematik, die dahintersteckt, ist einfach die, dass es zwar immer noch viele Praxen gibt, die sehr lukrativ sind und mehr als nur gewinnbringend arbeiten. Jedoch gibt es auch reichlich Kollegen im niedergelassenen Bereich, denen die abzurechnenden Honorare gerade reichen, um die laufenden Kosten sowie die Lebenshaltung und sonstige Nebenkosten abzudecken. Nicht umsonst wird immer wieder erwähnt, dass im ambulanten Bereich z.T. bis zu 20% der erbrachten Leistungen nicht mehr vergütet werden, es somit zu unbezahlten, nichtsdestotrotz jedoch erbrachter Arbeit kommt.
Das, was die Sache verkompliziert, ist die Darstellung in den Medien. Meist wird sachlich berichtet, aber es gab in der Form noch keinen direkten Aufruf zum Streik (soweit ich weiss). Dies würde heißen, Praxen hätten geschlossen, Ärzte wären nicht erreichbar, die Versorgung wäre nicht sichergestellt (vergleiche mit einem Streik der Müllabfuhr, der Post o.ä.).
Allzuviel kann ich dazu nicht sagen, da ich nicht im niedergelassenen Bereich tätig bin, sondern meine Klinikausbildung gerade abschließe.Aber geht einmal in eine Klinik, schaut dem dort arbeitenden ärztlichen Personal über die Schulter und macht mal einige Dienste mit. Der 28 Stunden-Dienst ist immer noch gang und gebe und weit davon entfernt, abgeschafft zu werden, trotz höchstrichterlicher Urteile und dem EuGH. Mir macht mein (zukünftiger) Job sehr viel Spass, keine Frage. Nur, was unsere Regierung, insbesondere Frau Schmidt da anstellt, ist wenig förderlich, den sich abzeichnenden Kollaps des Gesundheitswesens zu verhindern und die Arbeit in einem Krankenhaus wieder attraktiv zu machen.
Das nur so nebenbei und ein wenig OT, das Wort Streik hat mich allerdings ein wenig herausgefordert.;)
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Was bedeutet denn 28 Stunden Dienst? 28h am Stück?
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Zitat
Original geschrieben von xoduz
Was bedeutet denn 28 Stunden Dienst? 28h am Stück?Genau so siehts aus. 70 Stunden - Woche ist kein Problem. Weiterhin bekommen Mediziner im praktischen Jahr keinen Pfennig (zum Vergleich: Lehrer und Juristen bekommen ca. 800 Euro im Ref.). Weiterhin haben Ärzte Physikum und 3 Staatsexamen gemacht. Welches Studium bietet mehr Hürden? Nach alledem kommen sie dann ins AIP und verdienen so viel wie ein Zivi. Da wundert man sich noch, daß es Ärztemangel und Flucht in die Schweiz und Norwegen gibt. Vor allem ist es ein Schlag ins Gesicht, wenn sich dann einige Politiker aufregen, die Ärzte sollen doch nicht so jammern, die würden genug verdienen. Da kann ich ja nur lachen.
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Tja, die Wahrheit wird von "unseren" Politikern halt in allen Bereichen nicht so gerne gesehen. Der Beruf ist klasse, aber wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen, dann gibt es mit Norwegen, Schweden und der Schweiz prima Alternativen zum deutschen Arbeitsmarkt, da brauchen wir uns nichts vorzumachen.
ZitatWeiterhin bekommen Mediziner im praktischen Jahr keinen Pfennig (zum Vergleich: Lehrer und Juristen bekommen ca. 800 Euro im Ref.).
So sieht es aus, daher darf ich gleich nach meiner regulären Arbeitszeit im KH noch bei meinem Zweitjob (aber der einzige mit Gehalt) weitere 4 1/2 Stunden arbeiten. Mir geht´s längst nicht schlecht, zwar ist nicht jeden Monat ein neues Handy drin, aber es lebt sich schon recht gut. Nur die Verhältnismäßigkeit ist nicht mehr gegeben.
ZitatVor allem ist es ein Schlag ins Gesicht, wenn sich dann einige Politiker aufregen, die Ärzte sollen doch nicht so jammern, die würden genug verdienen.
Es gibt noch die Goldgruben im ambulanten Bereich, sie werden aber immer weniger. Und über die Klinikbedingungen ist bereits hinreichend geasgt worden. Ich will hier nicht polemisieren oder politisieren, alleine durch Vorschaltgesetze oder Nullrunden verbessert man weder die Qualität der Lehre/Ausbildung noch die in den Kliniken herrschenden Bedingungen.
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Re: Ärztestreik: Wer bezahlt die Angestellten?
ZitatOriginal geschrieben von Martyn
Aber was ich mich frage ist aber wer die ganzen Arzthelfer/innen, EDV-Mitarbeiter, Laboranten/innen, Röntengassisten/innen, Verwaltungskäfte, ... bezahlt.Gute Frage.
Wer soll das schon bezahlen?
Natürlich der Chef der Praxis, also der Arzt (wie immer...)
Aber das tut er ja sowieso, nur das er sonst auch noch arbeiten muss, und kein Geld dafür bekommt, Jetzt hat er nur die laufenden Kosten, aber keine Patienten in der Praxis
Streik ist wirklich das falsche Wort, ich würde sagen die Ärzte verkürzen ihre Arbeitszeit...Zum Thema Scandinavien:
Kollegen, schaut euch mal die Gehälter und die noch freien Stellen an.
Für mich kommt das nicht in Frage. -
Zitat
Original geschrieben von Fibrozyt
Nach alledem kommen sie dann ins AIP und verdienen so viel wie ein Zivi. Da wundert man sich noch, daß es Ärztemangel und Flucht in die Schweiz und Norwegen gibt.Naja, als AIP bekommt man ja schon etwas mehr als ein ZIVI, und in ein paar Jahren wird das vermutlich sowieso wieder abgeschafft wenn die Studentenzahlen sich weiter so entwickeln wie bislang.
Das mit der Schweiz stimmt schon, verdient man halt viel mehr und ist immer noch in der Nähe von Deutschland.
Skandinavien wirbt zwar Ärzte ab, aber auch die Angebote in ländlichen Regionen in Deutschland als Arzt zu arbeiten sind z.T. sehr lukrativ. Dienstwagen und -wohnung sind oft kein Problem.
Aber insgesamt stimmt es schon. Die Gehälter sind mehr als schlecht, wenn man die gesamte Ausbildungsdauer mit anrechnet. 6 bis 8 Jahre studieren, dann AIP und Facharztausbildung sind eine lange Zeit, und das was man verdient hält sich halt im Rahmen.
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Man muss sich vor Augen halten, was Leute verdienen, die unmittelbar für das Leben eines Patienten verantwortlich sind. Ich könnte mich nicht bedenkenlos unter das Messer eines Chirurgen legen, wenn ich weiss dass er die letzten 24 Stunden nicht geschlafen hat, dass das seine fünfte OP ist und dass er vor mir schon 12 Stunden operiert hat.
Das ist einfach das Problem der Heilberufe: Die Hilfsbereitschaft der Leute wird vom Staat skrupellos ausgenutzt. Obwohl man es angesichsts der Sachlage und der Bezahlung eher als Helfersyndrom bezeichnen müsste. Ich kenne keinen anderen Beruf, der mit so viel Verantwortung, Arbeit und mit so schlechter Bezahlung verbunden ist.
Um auf die anfangs gestellt Frage zurückzukommen - und um die geht es hier ja: Arzthelferinnen, MTAs, usw. sind ja angestellte der "Firma". Wenn die Firma streikt, hat das nichts mit den Angestellten zu tun. Die werden weiterbezahlt

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