Wieso ist es schwierig, Wirtschaftskriminelle zu fassen?

  • Ich habe gestern auf WDR [SendunG: dieStory] ein interessant Bericht über Wirtschaftskriminelle gesehen. Auf gut deutsch sind das Abzocker im großem Stile (zB diese berühmten Abmahner-Firmen oder Gewinnspielfirmen).


    Im Bericht ging es darum, dass ältere Bürger tagtäglich im großen Maße abgezockt werden. Dort werden von deren Konten Lastschriften für Gewinnspiele eingezogen. Und die Abzocker stecken hinter diesen angeblichen Gewinnspielen. Das läuft dann in so einem Maße ab, dass monatlich schon so um die mind. 1000 Euro vom Konto der Person abgebucht werden. Anwälte & Co der Opfer meldeten sich bei den Abzockern, aber die kommen eh nicht weiter.


    Wieso, und das ist eine ernste Frage, schafft man es nicht, den Übeltäter zu kriegen? Ich meine, wenn dieselbe Person ein Terrorist wäre, dann würde die Polizei jede Minute des Übeltäters nachrekonstruieren können (wo er war, was er gemacht hat, wo das Geld lief), aber wenn solche Leute in Milliardenhöhe abzocken, dann sind diese Leute für die Polizei nicht findbar.


    Das kapier ich nun wirklich nicht.

    Dodge This!
    Rules of Acquisition: Free advice is seldom free. [Nov2011-Marke7000 // Nov2012- Marke 8000 // Inventar-Status seit Januar 2012-Juchu]

  • ... das könnte z.B. daran liegen, das für das "Impressum", das solche Abzockbuden angeben, meist ein Strohman von einem Strohmann von einem Strohman von einem Strohman als verantwortlicher angegeben wird.
    Außerdem haben diese Spezialisten ihren Firmensitz gerne im Ausland, am liebsten als Briefkasten auf irgendeiner Karibikinsel, noch lieber als Briefkasten eines Briefkastens eines Briefkastens einer Tochterfirma ... leider :mad:

  • Ich habe diesen Bericht auch gesehen. Dort hieß es wortwörtlich:


    Früher ging man mit einer Pistole in die Bank, heute bucht man von Konten ab, wenn man Geld braucht!


    Ich selber habe 7 Jahre in einem Anwaltsbüro gearbeitet, die Gesetze sind einfach in manchen Bereichen zu lasch. Eigentlich nicht die Gesetze, die reichen eigentlich aus, die Anwendung ist das Problem. Und wenn man einen erwischt, ja das ist dann nur die Spitze des Eisberges, er macht halt eine neue Firma auf und bezahlt mit diesen neuen Betrügereien den relativ geringen "Strafzettel".


    Auch ich bin (in einem total anderen Zusammenhang) von der deutschen Justiz maßlos enttäuscht. Aber die einzige Möglichkeit, sich davor zu schützen, ist, selber immer die Augen offen zu halten, und sich zu wehren, wenn man sich ungerecht behandelt fühlt.


    Das Problem ist, das solche unerlaubten Abbuchungen eigentlich Zivilrecht sind. Und kein Strafrecht. Dazu muß erst einmal eine Anzeige erfolgen. Also verfolgt der Staat nur auf Antrag. Dies ist von mir jetzt etwas laienhaft ausgedrückt, aber ich hoffe, Ihr versteht, was ich meine.


    Strafrecht kostet den Staat Geld. Dazu ist er verpflichtet. Zum Zivilrecht nicht. Beim Zivilrecht muß der, der was will, erst mal die Kosten vorstrecken. Das ist das Problem.


    Der Beitrag von mir ist jetzt laienhaft, ich habe bewußt auf Juristendeutsch verzichtet (bin lediglich Rechtsanwaltsfachangestellter und Fahrlehrer, dafür mit sehr langer Erfahrung).


    Ergebnis: Hilf Dir selbst, sonst hilft Dir keiner!


    Gruß Boris

  • Es haftet aber auch die Bank des Betrügers, weil sie dem ein Lastschriftobligo einräumt. Müßt Ihr bei Interesse mal googlen.

    Das Experiment erfordert, dass Sie weitermachen!

  • Zumal es, juristisch gesehen, nicht mal ein Problem wäre, die unrechtmässigen LS platzen zu lassen.....

    Suche: aktuell nichts


    30 positiv in der "neuen" Vertrauensliste, ??x mal positiv in der "Alten"..:-)


    Insider: Die Plaaaaaattttttttforrrrrrrrmmmmmmmmmm brennt nicht mehr, sie ist abgesoffen.....!

  • Zitat

    Original geschrieben von uwm
    ... das könnte z.B. daran liegen, das für das "Impressum", das solche Abzockbuden angeben, meist ein Strohman von einem Strohmann von einem Strohman von einem Strohman als verantwortlicher angegeben wird.
    Außerdem haben diese Spezialisten ihren Firmensitz gerne im Ausland, am liebsten als Briefkasten auf irgendeiner Karibikinsel, noch lieber als Briefkasten eines Briefkastens eines Briefkastens einer Tochterfirma ... leider :mad:


    An sich ist es ja klar, dass da mafiöse Strukturen dahinter stecken, aber es sollte nun wirklich kein Problem sein, das Geld hinterherzutracken, damit man sieht, wo es am Ende landet. Wenn es ein Terrorist wäre (dort gibts ja auch mafiöse Strukturen und viele Strohmänner), dann hätte man ihn innerhalb von 7 Tagen gefasst und zur Strecke gebracht.


    Da wird wirklichn den Betrügern Tür und Tor geöffnet.

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  • Mittäterschaft durch Unterlassung.


    Denkt mal darüber nach.

    "It's not denial. I'm just selective about the reality I accept."

  • Zitat

    Original geschrieben von Sliders
    An sich ist es ja klar, dass da mafiöse Strukturen dahinter stecken, aber es sollte nun wirklich kein Problem sein, das Geld hinterherzutracken, damit man sieht, wo es am Ende landet. Wenn es ein Terrorist wäre (dort gibts ja auch mafiöse Strukturen und viele Strohmänner), dann hätte man ihn innerhalb von 7 Tagen gefasst und zur Strecke gebracht.


    Da wird wirklich den Betrügern Tür und Tor geöffnet.


    Klar kann man wenn man es möchte das Geld verfolgen bis es irgendwo ankommt - theoretisch.


    Es dürfte sich allerdings schwierig gestalten, das Geld von einem Konto auf den niederländischen Antillen wiederzubekommen ... außerdem denke ich nicht, das das Geld da lange liegen bleibt.
    Im Zweifelsfall wird es schon irgendwer dort sofort nach Gutschrift ganz schnell wieder abheben und verschwinden lassen .


    Wenn die deutsche Staatsanwaltschaft denn überhaupt mal irgendwann eine Auskunft von dort bekommt bzw. der hinterlegte Kontoinhaber überhaupt "echt" ist und keine gefakte Identität vorliegt.

  • Wirtschaftskriminalität?


    Jetzt mal ganz langsam mit den Jungen Pferden, Wirtschaftskriminalität ist ein gewichtiges Wort für einen solchen Vorgang.
    Von Wirtschaftskriminalität spricht man im Zusammenhang eines Straftatbestandes, wie z.B. bei Industriespionage, Bilanzfälschung oder Steuerbetrug.


    Da es sich hier um minder schwere Fälle mit fragwürdigem Straftatbestand handelt, würde hier nicht gleich die große (juristische) Welle machen.
    Da gibt es speziell um die Weihnachtszeit größere "Sauereien"! ;)


    ZUM INHALT des Themas (bewusst nicht juristisch korrekt, sondern allgemeinverständlich erklärt):


    In aller Regel handelt es sich bei diesen Verträgen um nicht übereinstimmende Willenserklärungen, weshalb der geschlossene Vertrag nichtig bzw. nicht zustande gekommen ist.
    Die einfache Lastschriftrückbuchung ist als deutliches Indiz hierfür zu werten, also die Weigerung den vereinbarten Kaufpreis für eine "vereinbarte" Sache zu zahlen, dass es eine eben solche Diskrepanz zwischen den Willenserklärungen gibt.
    In aller Regel ist den "Abzockern" dies bekannt und häufig endet an dieser Stelle jegliche Bemühung.


    Bei den etwas hartnäckigeren kommen dann Schreiben von Inkassofirmen, welche natürlich einen noch höheren Betrag möchten aufgrund der zusätlichen Bemühungen.


    Jetzt bekommen viele Leute Angst und zahlen an das Inkassounternehmen.
    Genau das ist der Fehler!


    a) Es kommt hierdurch eine nachträgliche Genehmigung von schwebend unwirksamen Verträgen zustande bei Minderjährigen.
    b) das deutliche Indiz für nicht übereinstimmende Willenserklärungen wird entkräftet.



    Vorangegangenes stellt keine Rechtsberatung dar und soll diese auch nicht ersetzen!

  • Soweit ist mir das geläufig.
    Aber : Leider trifft es oft genug Leute, denen das NICHT bekannt ist - z.B. ältere Personen oder Menschen, die spätestens bei einem "offiziellen" Schreiben eines Inkassounternehmens mit den üblichen Drohungen zahlen bzw. die keine Ahnung haben, wie sie die bereits abgebuchte Kohle wieder zurück bekommen.


    Und die Zahl dieser Opfer ist offenbar groß genug, damit sich das rechnet.


    Ist die Kohle erstmal weg, bekommt man die nicht wieder zurück, wenn z.B. der Enkel das nach Monaten zugällig mitbekommt ist es zu spät ...

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