Europäische Schuldenunion - ist der Politik überhaupt noch zu trauen?

  • Zitat

    Original geschrieben von Timba69
    Huch, der Spiegel ist aufgewacht:


    http://www.spiegel.de/wirtscha…hen-wuerde-a-1038704.html


    Aufgewacht?


    Der Vorschlag, die EU sollte Griechenland "kolonialisieren", ist natürlich Unsinn.
    Das wollen die als souveräner Staat doch selbst nicht.


    Die Behauptung, es gebe keine allgemeine Krankenversorgung, ist Unfug.
    Wurde ja, wenn ich richtig informiert bin, erst letztes Jahr für Nicht-Versicherte ausgedehnt.
    PS: Ach ja, das schreibt übrigens auch die OECD selbst.


    Die fehlende Grundsicherung?
    Finde ich irgendwo schon ein bisschen skandalös, für einen EU-Staat
    Aber Tja, da setzt man halt wohl mehr auf die Familie und "informelle" Lösungen.
    Was soll das eigentlich den Rest Europas angehen?
    Auch als der EUR noch rollte, in Athen, wollten sie es ja offensichtlich nicht einführen.


    Ansonsten: Unsere regelmässige Dosis Putin-Totschlagargument gib uns heute!

  • Das Blöde ist dass selbst in Griechenland niemand die ganze Schose wollte. Die Mehrheit wollte vor fünf Jahren pleite gehen und schaun wir mal was kommt ;)


    An Tsipras Stelle hätte ich der Merkel und dem Sarkozy den Verräter Papandreou geschickt und ihr gesagt sie soll die Schulden von dem holen der sie auch gemacht hat. ;) Wenn die den schon unter Druck gesetzt haben den Deal einzugehen dann sollen die das wieder unter sich ausmachen. Wie vor fünf Jahren eben auch. Der kann es dann gerne hier abarbeiten. Die Kohle ist futsch, futscher gehts gar nicht. Und dass das "Programm" wieder nur Banken und keine Menschen gerettet hat, würde ich auch auf Durchzug schalten wenn man aus Brüssel mit dem Programm kommt. Regeln sind doch eh nur zum brechen da oder wieso zahlt Deutschland gerade Täglich 2xx.xxx Euro wegen seines Elektroschrotts? Richtig, weil man sich nicht an die Regeln hält ;)

    .:Gate 13:.
    Vor die Wahl gestellt zwischen Unordnung und Unrecht, entscheidet sich der Deutsche für das Unrecht.
    Johann Wolfgang von Goethe

  • Die Linie der griechischen Regierung ist grösstenteils einigermassen vernünftig und vor allem rational.
    Auch wenn die ganzen neuen Vorschlagslisten, mit denen die Griechen die Institutionen zu übertölpeln versuchen, kurz das das ganze Hin und Her, etwas unwürdig wird.
    Und das Lande hat halt nichts mehr im EURO zu suchen (und hatte es ja fundamental auch nie).


    Aber das kann bzw. will Tsipras halt seinem "Publikum" nicht verkaufen.
    So wie Merkel und co. es nicht verkaufen können/wollen, dass die Griechenlandkohle (zumindest teilw.) "weg ist", also abzuschreiben gehört.

  • Im Euro hatten einige Länder nichts verloren. Aber verkauf mal den Euro als starke Währung mit Zukunft wenn den nur drei Länder haben. Ich weiß nicht inwieweit man ursprünglich den Dollar angreifen wollte aber die Welt hätte sich schlapp gelacht wenn jetzt drei Länder eine neue Währung einführen. Ganz besonders weil die Länder ein Problem bekämen da sich kaum einer ihre Waren leisten könnte.


    Ich bin mir ziemlich sicher dass da mehr hinter der ganzen Kriese steckt.
    Edit: siehe meinen Beitrag auf der letzten Seite. Ich weiß, sehr weit her geholt aber das mir persönlich zu viele Zufälle.

    .:Gate 13:.
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    Johann Wolfgang von Goethe

  • Zitat

    Original geschrieben von CK-187
    Aber verkauf mal den Euro als starke Währung mit Zukunft wenn den nur drei Länder haben. Ich weiß nicht inwieweit man ursprünglich den Dollar angreifen wollte aber die Welt hätte sich schlapp gelacht wenn jetzt drei Länder eine neue Währung einführen


    Du glaubst, die Welt hätte sich "schlapp gelacht", wenn mit Frankreich und Deutschland zwei der fünf grössten Volkswirtschaften der Erde eine Währungsunion eingehen? Und dies noch mindestens im Verbund mit der dazwischenliegenden Wirtschaftsunion Benelux als (zusammengenommen) zehntgrösste Volkswirtschaft der Erde?


    Mit Verlaub, aber ist diese Vorstellung nicht irgendwoe absurd? :confused:


    Zitat

    Original geschrieben von CK-187
    Ganz besonders weil die Länder ein Problem bekämen da sich kaum einer ihre Waren leisten könnte


    So wie sich schon immer alle über den Schweizer Franken und früher über die Deutsche Mark schlapp gelacht haben? Oder noch früher über das starke Pfund bzw. den starken Dollar?


    Deutsche und französische wie auch Schweizer Waren wurden und werden im Ausland gekauft, nicht weil sie billig sind, sondern weil sie nicht jeder einfach mal mir-nichts-dir-nichts am anderen der Welt herstellen kann. Das Erstarken einer Währung ist Ausdruck der wirtschaftlichen Stärke, Effizienz, und Innovationsfähigkeit einer Volkswirtschaft - und nicht ein Verhinderer davon.


    Das Predigen eines schwachen Euros für Länder wie Deutschland (wie es auch durch Frau Merkel, hier unlängst verlinkt) würde ich eine Art politisches Valium nennen - um es nicht schlicht "Volksverdummung" zu nennen. Tatsächlich glaube ich, dass es ein Hauptgrund für die Stagnation der Nettolohn- und Nettoeinkommenentwicklung in Deutschland ist.

  • Jup, das hatten wir weiter vorne ja schon. Menschen mögen einfache Erklärungen, daher:


    Schwacher Euro und teurer werdende Rohstoffe = neue Krise + Einbruch des Russlandgeschäfts = ganz üble neue Krise + kommende Zahlungen an ESM (EFSF) und Target2 = Zing, es wird eng.

    Suche: aktuell nichts


    30 positiv in der "neuen" Vertrauensliste, ??x mal positiv in der "Alten"..:-)


    Insider: Die Plaaaaaattttttttforrrrrrrrmmmmmmmmmm brennt nicht mehr, sie ist abgesoffen.....!

  • Applied: der Schweiz geht es nicht aufgrund der Exporte so gut. Ich behaupte auch mal dass der Franken ganz ohne die Industrie der Schweiz ganz gut dastehen würde (Banken, Steueroase usw.). Außerdem exportiert die Schweiz hauptsächlich Luxusartikel und Dinge die unlängst in China nachgebaut werden. Qualitativ sind sie natürlich nicht auf dem selben Niveau aber wie lange noch?


    In den Zeiten als man hier die Mark noch hatte war auch der Arbeitsmarkt entspannter. Die Ausgaben waren geringer, die Einnahmen vergleichsweise höher. Nimm einfach mal Gehaltsabrechnungen deiner Eltern, schau mal was sie verdient und was an Miete gezahlt wurde usw. dann reden wir weiter. Als mein Vater in den 80ern (alles andere als eine "Fachkraft") 2.000 DM Netto verdient hat, kostete die Miete keine 400 DM.


    Ein starker Euro von Frankreich und Deutschland könnte sich nur halten wenn für einen Hungerlohn gearbeitet wird um die Produkte künstlich im bezahlbaren Rahmen zu halten. <--- Was du ja schon angemerkt hast. (Wobei ich denke das Renditen von Firmen der wirkliche Grund für die Stagnation der Löhne ist).


    Und ja, der Ami hätte sich schlapp gelacht. ;)

    .:Gate 13:.
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    Johann Wolfgang von Goethe

  • Für die Schwierigkeiten der griechischen Regierung habe ich relativ viel Verständnis, aber sie macht es einem dabei wirklich nicht leicht. Rolf-Dieter Krause hat gestern in den Tagesthemen berichtet, dass die EU beispielsweise Verständnis dafür hat, dass die Renten nicht weiter gekürzt werden sollen. Den Vorschlag Junckers, stattdessen den auch im Vergleich zu anderen europäischen Staaten sehr großen Verteidigungshaushalt Griechenlands zu kürzen, lehnen sie aber auch ab. Hier macht sich vielleicht negativ bemerkbar, dass Griechenland von einer merkwürdigen Koalition von Links- und Rechtspopulisten geführt wird. Es ist für mich ohnehin schwer zu fassen, dass Tsipras diese Koalition eingegangen ist. Das wäre in etwa so, als säßen in Berlin die Linke und die Rest-AfD auf der Regierungsbank.


    Hinzu kommt eine irritierende Lässigkeit im Auftreten. Damit meine ich nicht den Verzicht auf Krawatten. Aber wenn griechische Regierungsvertreter sich an gemeinsam vereinbarte Termine nicht halten und ihre Verhandlungspartner immer wieder warten lassen und notorisch zu Sitzungen zu spät kommen, dann kräuselt sich nicht nur bei den Brüsseler Beamten die Stirn. So ein Auftreten soll vielleicht Selbstbewusstsein symbolisieren, ich halte es aber eher für unklug, so intelligent einige der griechischen Regierungsmitglieder sind.


    Ich bin mir übrigens nicht so sicher, dass die griechische Regierung sich hier nicht gewaltig verpokert. Selbst wenn in den meisten europäischen Regierungen Konzessionsbereitschaft vorhanden sein sollte, sind da immer noch Parlamente - und nicht nur der Bundestag, sondern auch das Parlament in Finnland, in Österreich, in den baltischen Staaten und in den Niederlanden.


    http://www.tagesschau.de/wirtschaft/griechenland-665.html

  • Zitat

    Original geschrieben von Applied
    Du glaubst, die Welt hätte sich "schlapp gelacht", wenn mit Frankreich und Deutschland zwei der fünf grössten Volkswirtschaften der Erde eine Währungsunion eingehen? Und dies noch mindestens im Verbund mit der dazwischenliegenden Wirtschaftsunion Benelux als (zusammengenommen) zehntgrösste Volkswirtschaft der Erde?


    Mit Verlaub, aber ist diese Vorstellung nicht irgendwoe absurd? :confused:


    So eine Währungsunion würde ökonomisch vermutlich relativ viel Sinn gehabt haben, zumal Deutschland, Frankreich und die Benelux-Staaten eine ähnliche Wirtschaftsstruktur haben - und, nebenbei, über funktionierende Institutionen verfügen. Aber es wäre innerhalb der EU politisch kaum machbar gewesen.


    Aber es wäre auch in dieser Form nicht nötig gewesen, denn abseits von Griechenland funktioniert die Währungsunion ja einigermaßen. Es ist ohnehin so, dass Griechenland innerhalb der EU ein Sonderfall ist. Im Euro-Verbund ist es der einzige Staat, der nicht über hinreichend funktionierende staatliche Institutionen verfügt. Keine Ahnung, was da genau schiefgelaufen ist in den Jahrzehnten der EG-Mitgliedschaft dieses Landes. Nur kann man da als EU/EG relativ wenig machen, und auch Frankreich und Deutschland sind natürlich in der Hinsicht die Hände gebunden, und ganz zu Recht: Das ist ein souveräner Staat, und Fremdverwaltung funktioniert in aller Regel sowieso nicht.

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