BR: 'Vogelfang' an der ägyptischen Küste

  • Liebe Leute,


    hat einer von Euch den Bericht in Report München zum Vogelmord in Ägypten gesehen? Es ist schon etwas länger her, dass mich ein Fernsehbericht so traurig gemacht hat.


    Hier die Infos:
    http://www.nabu.de/tiereundpfl…/jagd/aegypten/15708.html


    http://blog.br.de/report-muenc…hatten-der-pyramiden.html (diese Seite scheint gerade überlastet zu sein)


    Es gibt ein 700 Kilometer langes Netz, mit dem die Zugvögel aus Europa an der ägyptischen Küste abgefangen (und getötet) werden - jährlich offenbar mehrere Millionen.


    Ich bin mir darüber im Klaren, dass wir in Europa auch sehr viele Baustellen im Tierschutz haben; da reicht nur das Stichwort Massentierhaltung. Und ich weiß auch, dass sich Ägypten in einer schlechten wirtschaftlichen Verfassung befindet und die Menschen auf lukrative Nebenserwerbsmöglichkeiten aus sind, was man ihnen im Grunde selbstverständlich nicht vorwerfen kann.


    Dennoch fand ich das Ausmaß dieses Vogelfangens wirklich erschütternd - und auch mit einer wirtschaftlichen Notlage nicht mehr zu rechtfertigen.


    Wie denkt ihr darüber? Ich überlege, was man in solchen Fällen überhaupt unternehmen kann. Online-Petitionen aus dem Ausland werden in Ägypten wohl relativ wenig Eindruck machen.

  • Was man unternehmen kann, steht doch auf der Seite des NABUS: Spenden und sich an der Unterschriftenliste beteiligen.


    Sicher ein weiteres Beispiel, wie grausam wir Menschen teilweise mit den Tieren umgehen, aber wie du selber sagst, gibt es auch in Deutschland gravierende Probleme. Und da hat man als Verbraucher viel mehr Möglichkeiten.

  • Das ist selbstverständlich richtig. Mich hat beim Sehen des Beitrages einfach das Ausmaß dieses Mords wirklich erschüttert. Hinzu kommt vermutlich, dass wir Zug- und Singvögel einfach besonders gern haben und so ein Verhalten daher als besonders grausam wahrnehmen.


    Die Petition ist eine schöne Idee, jedoch wird sie in Ägypten vermutlich nicht sehr viel Eindruck machen, zumal die dortigen staatlichen Behörden noch nicht wieder sehr stark sind (was eigentlich nichts negatives sein muss). Andere Handlungsmöglichkeiten gibt es vermutlich kaum, und das ist schon etwas frustrierend.

  • tja in spanien schmeissen sie massenhaft wenige wochen/monate alte katzen in den müll oder man gibt sie in die tötungsanlagen / KZ für tiere.
    bestenfalls "dürfen" sie noch verweilen solange sie klein und niedlich sind und man sie dann erst mit einigen monaten "wegwirft".


    solche - für uns - unglaublichen sachen gibts überall.

  • Jedes Jahr sterben dort zehn (!) Millionen (!) Zug- und Singvögel, die aus Europa nach Ägypten fliegen. Ich finde das wirklich unglaublich. :( Darunter auch Vögel bedrohter Arten, wie der Bienenfresser.

  • Ich kann die Emotionen verstehen, aber durch den internationalen und interkulturellen Aspekt ist das ein sehr heikles Thema.
    Der NABU und vergleichbare Organisationen ist/sind vielleicht noch die glaubwürdigste Partei, die das thematisieren kann.

  • Probleme dieser Art gibt es aber in jedem Land, insbesondere auch in Deutschland. Hier werden zwar keine Zugvögel aus der Natur gefangen, dafür aber millionenfach Hühner gegessen, die in ihrem Leben kein einziges mal die Sonne gesehen haben oder Küken "ermordert" (wenn wir schon bei solchen Schlagbegriffen wie "Vogelmord" sind), nur weil sie männlich sind und daher keine Eier legen können. Von alles anderer als artgerechter Haltung von Schweinen als Geburtsmaschinen ohne Erde zum wühlen, etc. mal ganz abgesehen.


    Versteht mich nicht falsch, das Vogelfangen dieser Art sollte besser heute als morgen verboten werden. Dennoch denke ich, dass wir als Verbraucher erstmal vor unserer eigenen Haustür kehren sollten und insbesondere die Essgewohnheiten verändern müssen. Damit erreichen wir unglaublich viel mehr, als jetzt mit Empörung auf andere Länder zu zeigen. Ich glaube nämlich nicht, dass es den Tieren in Deutscher Massentierhaltung in irgendeiner Weise besser geht, als den Zugvögeln in Afrika. Eher im Gegenteil.

  • Jimmythebob, Du hast mit Deinen Beobachtungen sicher recht; ich hatte das in meinem Ausgangsposting ja ebenfalls angesprochen, und insbesondere die Hühnerhaltung in Deutschland ist ein Skandal. Dennoch vermute ich stark, dass die Tierschutzbestimmungen in entwickelten Ländern 'besser' sind als in Schwellenländern. Denn Tierschutz ist leider auch ein Wohlstandsphänomen (wie auch die Vorstellung, dass in vorindustriellen Zeiten Tiere besser behandelt wurden als heutzutage, mindestens schief ist).


    Es ist jedoch nicht so, dass man, weil Dinge im eigenen Land miserabel sind, nicht auf Missstände in anderen Ländern hinweisen dürfte. Diese Alternative gibt es m.E. so nicht, sondern es ist durchaus legitim, beide Missstände z kritisieren. (Und ja, es gibt noch weitaus schlimmere Misstände, etwa der Umgang mit Schlachtvieh in Indonesien.) Ich darf beides schlecht und schlimm finden und versuchen, etwas dagegen zu tun.


    Und man kann diese Dinge selbst dann kritisieren, wenn man anerkennt, dass die Menschen unter weitaus schwierigeren Bedingungen leben als wir hier.

  • Zitat

    Original geschrieben von Robert Beloe
    Jimmythebob, Du hast mit Deinen Beobachtungen sicher recht; ich hatte das in meinem Ausgangsposting ja ebenfalls angesprochen, und insbesondere die Hühnerhaltung in Deutschland ist ein Skandal. Dennoch vermute ich stark, dass die Tierschutzbestimmungen in entwickelten Ländern 'besser' sind als in Schwellenländern. Denn Tierschutz ist leider auch ein Wohlstandsphänomen (wie auch die Vorstellung, dass in vorindustriellen Zeiten Tiere besser behandelt wurden als heutzutage, mindestens schief ist).


    Im Grunde hast Du sicher recht und Tierschutz steht hier auf einer höheren Stufe als in Ägypten. Vom moralischen Standpunkt ist dann aber doch die Frage, was denn als schlimmer zu bewerten ist: Das Töten von in der Natur gewachsenen und auf natürlichem Wege geborenen Vögeln mit möglichst effizienten Mitteln (also eine moderne Version des Jagens!); oder das Züchten von Tieren mit dem einzigen Ziel, diese in suboptimalen Verhältnissen aufzuziehen, um sie dann wieder zu töten - und knapp 50% davon (Bsp. Hühner) direkt nach der Geburt schon zu töten.

    Walking on water and developing software from a specification are easy if both are frozen.
    – Edward V Berard

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