ZitatOriginal geschrieben von beesdo77
Baltikum und Ukraine kann man nicht miteinander vergleichen! ... Und zuguterletzt sind die historischen Zusammenhänge doch völlig anders gelagert!
Das Grundproblem sehe ich darin, dass - insbesondere in Zeiten der Regentschaft Stalins - die in die SU integrierten Gebiete systematisch mit russischen Volkszugehörigen infiltriert wurden. Zwar war letzteres auf der Krim als Kerngebiet der Rus (wenn ich das richtig erinnere) nicht unbedingt notwendig, Fakt ist aber, dass nach dem Zerfall der SU auf der Krim, im Baktikum und anderenorts eine zahlenmäßig bedeutsame russische "Minderheit" (teilweise um 50% der Gesamtbevölkerung) verblieb, die bei der sich als legitim ansehenden Bevölkerungsschicht nach der Abspaltung regelrecht verhasst war.
Was in Deutschland als Ausländerhass vom rechtsextremen Rand verurteilt wird, gehört(e) in diesen Gebieten zum Tagesgeschäft - Russen waren und sind nach der "Befreiung" aus der SU verhasste Mitbürger, auf die von Teilen der Bevölkerung regelrecht zum Sturm geblasen wird - und das mit Billigung der legitimen Regierungen. Und genau das ist es, was der russische Teil der Bevölkerung der Ukraine befürchtet, wenn sich eine Regierung in der gegenwärtigen Zusammensetzung etabliert. Die Untaten der Sowiets sind keineswegs vergessen! Büßen muss jeweils die ortsansässige russische Minderheit.
So unterschiedlich Baltikum und Urkaine sein mögen ... das haben sie aus meiner Sicht gemeinsam. Mitsamt den aus dieser misslichen Lage resultierenden Folgen. Für im Rechtsstaat Deutschland aufgewachsene Personen mögen solche Verhältnisse nur schwer vorstellbar sein - sie sind aber Realität.
Eine ähnliche Problematik hat die Bevölkerungsgruppe der Zigeuner (oder wie das heute heißen mag). Sie sind verhasst und ihnen werden Steine in den Weg gelegt, wo es nur möglich ist. Die "Mauer von Usti" dürfte noch in den Köpfen sein. Aber auch in der Slowakei hat sich eine regelrechte Hatz auf die im Südosten lebende ungarisch sprechende Minderheit etabliert. Wer einmal dort war (etwa in Filakovo) wird Zustände erleben können, die er in der EU nicht für möglich hält. Stellt Euch das schlimmste Szenario vor und legt das dabei sichtbar werdende Elend noch mal obendrauf. ![]()
Realisierbar sind derartige Zustände, weil Sinti und Roma eben keine "Schutzmacht" wie Russland im Rücken haben. Sie haben wirklich keine Lobby, so dass an diesem Beispiel sehr gut sichtbar wird, wie Minderheiten im Osten Europas vielfach behandelt werden. Die dort agierenden Volksparteien fahren in diesem Punkt fast ausnahmslos eine harte rechte Linie, so dass man dem Rechtsextremismus dort einen anderen Stellenwert beimessen muss, als hierzulande. In Osteuropa gehört er zum Tagesgeschäft und (fast) niemand dort stört sich daran.
Selbst die EU verschließt beide Augen vor diesem Problem und wird allenfalls in Fällen wie dem der Mauer um ein von Sinti und Roma bewohntes Stadtviertel aktiv. Ist es nicht so offensichtlich, wird (bisher) oft weggeschaut.
Die Angst der Bevölkerung auf der Krim kann ich persönlich nachvollziehen - zumal sich vollmundige Versprechungen von EU und USA schon wiederholt als "Papiertiger" oder belangloses Geschwätz erwiesen haben.