erfahrungen mit studiengang rechtswissenschaft?

  • hallo leute,


    mein topic sagt ja bereits alles... ich studier gerade informatik im zweiten semester. hab auch schon ein paar scheine, aber ich merk einfach, das ich mich tödlich langweile und es einfach nicht das ist, was ich mir vorgestellt hab und später machen möchte. jetzt hab ich mir überlegt vielleicht auf jura zu wechseln. ich fand das in der schule schon immer ganz interessant. wie läuft das studium so ab? pures auswenig lernen? welche ansprüche werden gestellt... vielleicht studiert ja der eine oder andere rechtswissenschaft und kann erfahrungen posten...


    wäre über jeden tipp dankbar :top:

  • Klingt nach einem Fall für mich:D


    Wo du gerade von tödlicher Langeweile sprichst:rolleyes: .


    Jura ist auch nicht immer ein Feuerwerk der Unterhaltung. Eigentlich eher selten. Die Vorlesungen können relativ anstrengend bzw. trocken sein.
    Am besten wäre, wenn du dich vielleicht mal in eine Vorlesung zum öffentlichen Recht setzt. Wenn du die überstehst, kannst du dich beglückwünschen.;)


    Das Studium an sich ist schon recht anspruchsvoll.
    Zu den Ansprüchen kann man an sich gar nicht so viel sagen. Man sollte eben zu bestimmten Zeiten den Stoff beherrschen.
    Mit reiner Lernerei ist es nicht unbedingt getan. Es gibt Fächer, in denen man einiges zu lernen hat. Z.B. im Strafrecht muß man Definitionen lernen, da man diese in der Klausur einfach so wiedergeben sollte.
    Genauso muß man bestimmte notwendige Abgrenzungen zwischen z.B. Diebstahl und Gebrauchsanmaßung lernen.
    Man muß in der Lage sein, diese Dinge ohne Zeitaufwand direkt abrufen zu können.
    Überhaupt ist die strafrechtliche Klausur ein Kampf gegen die Zeit. Wer da noch mit Wissenslücken kämpft, wird scheitern. Das klappt meist nicht einmal im Grundkurs.


    Genauso muß man die Aufbauschemata lernen, also die Prüfungsreihenfolge der jeweiligen Punkte. So ist z.B. das öffentliche Recht sehr schematisch, das Zivilrecht dagegen eher etwas konfus:D . Im Zivilrecht hat man eher einen groben Aufbau zu befolgen.


    Ziel des Studiums ist eigentlich, dass man die Gesetzeszusammenhänge versteht und sich in einem unbekannten Gesetzestext zurechtfindet.


    Aber eines muß ich dir definitiv sagen:
    Das, was den Schülern als Wirtschaft und Recht präsentiert wurde, ist ein Witz. Der erste Professor, den ich hatte, hat uns mit den Worten begrüßt: "Der eine oder ander weiß sicher noch etwas aus Wirtschaft und Recht. Vergessen sie das schnell wieder."
    Es stimmte tatsächlich, die Lehrer erzählen viel Unsinn. Mein früherer Lehrer war sogar relativ gut, leider reichte der Wissensvorsprung durch die gute Schulausbildung gerade mal eine Woche. Wohlgemerkt das Ergebnis von 4 (ich glaube es sind vier Jahre:confused: ) Jahren Wirtschaft und Recht.


    Und zum Schluß etwas zu den Klausuren:
    Die Klausuren in den Grundkursen sind relativ leicht zu schaffen, auch wenn es seit einiger Zeit die Zwischenprüfungen gibt. Das bedeutet, dass man inzwischen eine bestimmte Klausur bestehen muß (Zwischenprüfungsklausur), weil man ansonsten den Kurs wiederholen muß. Früher war es noch so, dass man irgendeine Klausur von 4-5 bestehen musste. Insofern also eine deutliche Verschärfung.
    Wenn man sich dann an die großen Scheine heranwagt, wird es wirklich lustig. Mir ist mehrmals passiert, dass ich bereits Klausuren zu einem Thema schreiben musste, obwohl die zugehörige Vorlesung noch nicht gegeben wurde. Hat mir aber nicht geschadet:D , ist trotzdem nicht soooo schwer.


    Ich hoffe, dir hilft das etwas.
    Für Fragen stehe ich gern zur Verfügung.


    Gruß
    Chris


    Edit: Du kannst dir ja auch mal auf http://www.hausarbeiten.de anschauen, welche Themen man zu bearbeiten hat und ob dich diese Bereiche überhaupt ansprechen. Außerdem könnte http://www.jurawelt.com etwas für dich sein.

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  • Da gibt es eigentlich nur zwei Herangehensweisen:


    1.) du willst unbedingt Jura studieren, weil du später in einem best. Beruf arbeiten willst und ziehst das Studium eisern durch, auch wenn es dir nicht gefällt. Manche machens so und einige entwickeln sogar mit der Zeit eine Liebe zum Fach. Andere eben nicht.


    2.) dein Studium soll dich erfüllen. Du kannst nicht damit leben, etwas einfach durchzuziehen, obwohl es dich eigentlich nicht interessiert.
    In diesem Fall hast du's auch nicht so schwer. Setz dich einfach ein paar Monate in die Vorlesungen mit rein. Du merkst dann sehr schnell, ob dir die Denk- und Herangehensweise der Juristen zusagt.


    Wenn's dir nicht auf Anhieb gefällt wird's kompliziert. Dann musst du dich entweder zu einer anderen Einstellung durchringen, oder es sein lassen, oder genug Zeit haben, um es auszuprobieren und darauf zu hoffen, dass es dir nach einiger Zeit gefällt.

    “The ideas of economists and political philosophers, both when they are right and when they are wrong, are more powerful than is commonly understood. Indeed the world is ruled by little else. Practical men, who believe themselves to be quite exempt from any intellectual influence, are usually the slaves of some defunct economist.” (Keynes)

  • Sieh dich bloß rechtzeitig nach einem repititorium um. Das sind private Schulen, die dir genau das beibringen, was die Professoren versäumen oder unterlassen.


    Rechtsanwendung!


    Das ist dann die Kunst, in der vorgegebenen Zeit mit logischem und folgerichtigem Aufbau im Gutachtenstil einen Sachverhalt zu bearbeiten und die Fragestellung zu beantworten.


    An fast allen Unis wird dieses Thema wenn überhaupt nur am Rande behandelt. Deshalb fallen auch viele wegen Mängeln bei der Rechtsanwendung durch.


    Und lass dich in den ersten Semestern nicht von den überfliegern frustrieren, Die haben warscheinlich alle geh. Dienst gemacht und sind in der Rechtsanwendung fit. Dafür aber meist überhaupt kein Plan von Strafrecht. :)

  • Ich kann mich DaFunk eigentlich nur anschließen frei nach dem Motto:
    "Selber testen kommt am besten..."


    Such Dir ein paar Vorlesungen raus und setzt Dich einfach mal mit rein.
    (Wichtig: Gesetzestext mitnehmen sonst bringt das gar nichts!)


    Und gerade auch mal in die unbequemen Sachen wie Öff-Recht reinsehen.
    So eins zwei Vorlesungen Verwaltungs- oder Verfassungsrecht haben schon so manchen das fürchten gelehrt.


    Und frage Dich vor allem selber nach Deiner Motivation und in welche Richtung Du später mal hinarbeiten willst bevor Du ein begonnenes Studium schmeißt. Irgendwann gibt es immer einen Punkt an dem man so richtig die Schnauze voll hat und alles schmeißen möchte.
    Überleg noch mal ob das mit Deiner Unlust auf Informatik gerade nur "ne Phase" ist oder ob es wirklich ein Griff ins Klo war.
    Denn schließlich hast Du damit ja auch angefangen weil es Dich irgendwie interessiert hat oder?


    Und nur mal so am Rande:
    Jura ist nicht halb so blutig oder bunt wie bei Barbara Salesch & Co.:D


    Gruß
    CH

  • also vielen dank erstmal für eure tipps :top: werd morgen mal, statt meinen info vorlesungen in die jura vorlesungen schauen und mir das anhören.. hab mir auch schon einige klausuren aus dem internet gezogen und durchgelesen.. ich denke, das es genau das richtige für mich sein könnte.. hab bloss panik vor dieser prüfung am ende des studiums.. die darf man ja nur zweimal machen und die soll ja wirklich happig sein.


    informatik ist deswegen nicht mein fall, weil es mir einfach zu theoretisch ist.. ich hab feste sachen mit dennen man kaum noch arbeiten kann. es ist einfach nicht das was ich erwaretet hab.. mit worten kann man immer interpretieren, auslegen usw...


    manuel

  • Zitat

    Original geschrieben von manuelr

    informatik ist deswegen nicht mein fall, weil es mir einfach zu theoretisch ist..


    manuel


    Da musst Du Dich bei Jura aber auch drauf einstellen...
    Erstmal kommt eine lange Leidensstrecke der grauen Theorie, ok man kann mal an einem Fall ruminterpretieren aber das war es dann auch fast schon.
    Gerade bei Jura ist ja eben nicht immer 1+1=2 weil theoretisch alles möglich ist.


    Denn "Auf See und vor Gericht bist Du in Gottes Hand"


    Aber anschauen kannst Du es Dir ja auf jeden Fall mal


    CH

  • Um aus meiner Erfahrungen zu berichten:
    Die ersten 3-4 Semester sind recht locker. Es gilt die kleinen Scheinen zu machen und ansonsten Spass zu haben. Es gilt die Scheine( Klausur+Hausarbeit) im ersten Versuch zu bestehen, dann hat man ein recht lockeres Semester. Im Semester 4-6 stehen dann die großen Scheine an, die sollte man bis zum 6.Semester " erschlagen" sein.
    Noten sind hierbei eher zu vernachlässigen, es zählen später nur die Examensnoten(Keine Anrechnung der Leistungen im Studium, die sind qausi nur die Berechtigung um Examen schreiben zu können.)
    Danach fängt der unspaßige Teil des Studiums an: Die Vorbereitung auf das 1.Staatsexamen.Im Endeffekt heißt es jetzt ein Jahr lang lernen, Übungsklausuren schreiben, Rep. besuchen und sich nicht verrückt machen lassen. Anschließend an das 1.Examen kommt das Referendariat ( 2 Jahre lang), was mit dem 2. Staatsexamen endet. Falls du das auch gepackt hast, kannst du dann dich Volljurist schimpfen und - je nach Noten und anderen Qualifikationen Richter, Staatsanwalt, Anwalt werden.
    Stehe für Fragen zur Verfügung!
    Gruß Björn

  • Meines Erachtens ist das Jurastudium ziemlich grausam. Spaßig jedenfalls in den seltensten Momenten. Den Besuch einer ÖffR-Vorlesung kann ich Dir auch nur "empfehlen" - bevorzugt Baurecht, mein absolutes Lieblingsfach (die einzige Lehrveranstaltung, in der ich jemals eingeschlafen bin). Ich habe mich während der letzten 18 Monate meines Studiums in der Uni nur noch selten blicken lassen und mich anderweitig aufs Examen vorbereitet (oder auch nicht).


    Die Examensprüfung selbst ist m.E. durchaus machbar. Zwar braucht man etwas Glück (denn den gesamten Stoff kann man - wenn man nicht gerade DaFunk heißt :D - keinesfalls beherrschen). Aber die Durchfallquoten sind meines Wissens gesunken und liegen nur noch bei lächerlichen 30% bis 35%.


    Interessant wird die Sache wieder nach dem 1. Examen, während des Referendariats. Zwar nicht weniger stressig (ganz im Gegenteil). Aber man kommt endlich mit der Praxis in Berührung. Man nimmt an Verhandlungen teil, führt (unter richterlicher Aufsicht) Beweisaufnahmen durch, schreibt Urteile oder Anklagen. Und während des strafrechtlichen Ausbildungsabschnitts tritt man auch völlig selbständig (d.h. es ist kein Ausbilder o.ä. anwesend) vor Gericht als Staatsanwalt auf (so richtig mit schwarzer Robe und weißer Krawatte). Ist wirklich interessant.


    Übrigens: Ein Jurastudium sollte man immer nur dann aufnehmen, wenn man sich mit dem Gedanken anfreunden kann, später als Rechtsanwalt zu arbeiten. Denn diesen Beruf ergreifen (mehr oder minder freiwillig) über 80% aller Absolventen.

  • Hallo,


    also ich kann Dir aus eigener Erfahrung nur soviel sagen:


    Die ersten Semester sind recht locker (sofern man nicht auf den Kopf gefallen ist). Ein paar Vorlesungen besuchen, bißchen nachlernen und dann die Anfängerscheine bestehen. Anschließend die bestandenen Klausuren und Hausarbeiten gebührend feiern!


    Danach die Übungsscheine sind auch noch vergleichsweise easy. Doch so langsam schimmert einem, daß das Examen nicht mehr so richtig weit weg ist...


    Happig wird allerdings dann die Examensvorbereitungszeit (ca. 1,5 Jahre). Beim Besuch eines privaten Repetitoriums und schreiben von Übungsklausuren im Examensklausurenkurs an der Uni merkt man erstmal, wieviele Lücken man hat!!! Da heisst es die Zähne zusammenbeissen und lernen bzw. Klausuren schreiben. Meistens 7 Tage die Woche, ca. 75 Wochen lang!! Schlimmer ist jedoch meist der psysische Druck, weil man ständig auf Sachen stößt, die man noch nicht kann. Auch direkt vorm Examen ist das noch der Fall! Da gilt es sich nicht verrückt machen zu lassen. Das ist eigentlich die größte Kunst an der Sache. Den "Rest" kann man verstehen, sollte für jeden einigermaßen begabten Abiturienten zu schaffen sein. Ist nur alles sehr umfangreich von der Stoffmenge her. Dann 1. Examen, bei mir in NRW mit 5-stündigen Klausuren (5 Stück), 1 Hausarbeit (4 Wo.) und mündliche Prüfung (diese zählt allein schon 40%!!).


    Übrigens zu der Durchfallquote: 30% ist zwar nicht viel, aber versuche mal mit einem "ausreichend" irgendwas Gescheites zu finden (für Wahlstation im Referendariat etc.). Von daher ist man schon sehr notenabhängig. Und eine "gescheite Note" (mit Prädikat, "vollbefriedigend" aufwärts) haben nur ca. 10%!



    Anschließend folgt das Referendariat, das ist bei mir bis dato sehr interessant, allerdings erhöht sich die Stoffmenge nochmal im Vergleich zum 1. Examen. Zum 2. Examen kann ich noch nichts sagen...



    Trotzdem, es kann schon Spaß machen, man muß nur die Ausdauer haben, die ganze Geschichte auch durchzuziehen, wenn es einem mal ankotzt. Und das kommt während der Examensvorbereitung desöfteren vor!!



    Gruß,
    Bastian

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