Nochmal ne kleine Uhren-Frage

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    Original geschrieben von fahrsfahrwerkaus
    Ich kann noch eine Kleinigkeit zu den ETA 2824-2-Werken anführen: Ich habe meine Mühle-Glashütte Marineflieger M3 das letze mal vor zwei Wochen auf die Sekunde genau gestellt, und nun geht sie 15 Sekunden vor. Das ist eine Abweichung von einer Sekunde pro Tag, das finde ich perfekt :eek:
    So eine Leistung hätte ich von einer Uhr im 10.000 Euro-Segment erwartet, aber nicht von einer im 800 Euro-Bereich. Also, Hut ab, Mühle, euer Marketing-Gewäsch um die "Präzision ist unser Leben" scheint zu stimmen


    In den meisten hochpreisigen Marken - sofern es nicht Manufakturen sind, die ihre eigenen Kaliber (= Uhrwerke) produzieren - ticken auch keine anderen Basiswerke als in den Mechanikuhren der Klasse "ab 200 Euro".
    Die aufwendigen Dekorationen, die bei den Werken teurer Uhren vorgenommen werden, tragen nichts zur Steigerung von Genauigkeit oder Zuverlässigkeit bei, treiben aber den Preis in entsprechende Höhen.


    Mühle-Glashütte macht genau das, worauf es ankommt: Sie verwenden ETA-Werke der Güteklasse 1b (1a sind Chronometerwerke, die werden bei M.-G. nur für zwei oder drei Modelle verwendet), verbessern sowohl den Rotor und das Rotorlager als auch den Regulator, und das war's dann schon. Objektiv ist damit alles getan, um aus einem qualitativ guten Rohwerk ein präzises und langlebiges Gebrauchswerk zu machen, das sich von jedem guten Uhrmacher ggf. sehr präzise nachregulieren läßt.


    Stowa, Marcello C. und viele andere Hersteller aus dem mittleren Preissegment (ab 500 Euro) machen im Prinzip auch nichts anderes, einige belassen sogar den vom Werkhersteller serienmäßig gelieferten Rotor und ETACHRON-Regulator und gravieren nur ihren Firmennamen auf die Schwungmasse.


    Viele Grüße und einen
    Happy Day

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    Guy Fawkes was the only person ever to enter Parliament with honest intentions.

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    Original geschrieben von Vergie
    Habe da vor allen Dingen des preislichen Limits jedoch eine gebrauchte, ältere Uhr im Auge, die aber trotzdem - sozusagen - ein Klassiker ist. So habe ich bei Ebay und Chrono24 mal zwei Omegas ins Visier genommen. Kommentare eines Freundes, daß Omegas der Opel unter den Uhren ist, versuche ich zu ignorieren oder ist da etwas dran?


    Das ist m. E. eine recht präzise Einschätzung der Marke Omega, was ihr Image angeht. Rolex ist dazu im Vergleich der Volkswagen, Audemars Piguet, Ulysse Nardin, Vacheron Constantin und Zenith entsprechen dem Audi. Breguet und A. Lange & Söhne stellen Mercedes oder BMW dar; und Patek Philippe darf für sich in Anspruch nehmen, Rolls-Royce zu verkörpern. ;) Der wichtigste Unterschied zu den besagten Automarken: Während man den Unterschied zwischen z. B. einem Opel Astra und einer Mercedes S-Klasse buchstäblich "erfahren" kann, tun sich Omega und Patek in der Präzision am Handgelenk nicht allzu viel, zumeist dürfte sich die Omega sogar als präziser herausstellen, wenngleich nicht mit soviel Finesse verarbeitet.


    Zitat

    Original geschrieben von Vergie
    Zurück zu den Favoriten, spricht prinzipiell etwas gegen die folgende Planung:


    Limit: knapp über 1000 Erichs
    Ziel: entweder etwas im Stile Omega Speedmaster Professional Mark II-IV aus den 1970´ern oder (sehr geil auf den ersten Blick) eine Omega Flightmaster aus ca. dem selbigen Zeitraum.


    Any hints? Oder ist es eine dumme Idee, eine solche, alte Uhr zu kaufen? Hätte halt schon gerne eine richtige Uhr, nicht so etwas wie z.B. eine Nettuno, so empfehlenswert diese auch sein mag.


    Nun, der Nachteil einer 30 Jahre alten Uhr liegt auf der Hand: Sie ist gebraucht, hat eine lange Vorgeschichte, und Du weißt halt nicht, ob die Zwiebel auch fachgerecht gewartet wurde. Es kann Dir also durchaus passieren - ich halte das für ein sehr realistisches Szenario - daß dem Geldausgeben für die Beschaffung der Uhr weiteres Geldausgeben für die Aufarbeitung der Uhr folgen wird. Überdies waren von 30 Jahren Saphirgläser durchaus noch nicht üblich; viele Uhren aus jener Zeit wurden mit Hesalit- oder Acrylgläsern ausgestattet, die alle paar Jahre gewechselt werden müssen, weil sie sehr schnell verkratzen und selbst bei kleineren Macken getauscht werden sollten, weil sie sonst nicht mehr richtig sitzen. Was uns zum nächsten Problemfeld bringt: Auch mit der Wasserdichtigkeit ist das bei solch alten Modellen so eine Sache. Die Dichtungen an Krone und Gehäusedeckel müßten wahrscheinlich auch getauscht werden. Wenn dann noch ein paar Kleinigkeiten am Werk gemacht werden müssen, wird die ganze Sache sehr schnell teuer - für die Instandsetzung einer nur mäßig gepflegten Omega Klassikuhr darst Du ganz beruhigt zwischen 200 und 300 Euro einkalkulieren, selbst wenn keine größeren Beschädigungen vorliegen. Wenn Du dazu die 1000 Euro für die Anschaffung rechnest, dann bist Du schon sehr nahe am Preis für eine nagelneue Omega Seamaster.


    Die etwa alle fünf Jahre fälligen Reinigungs-, Schmier- und Regulierarbeiten darfst Du bei Omega in jedem Fall auch noch mal mit ca. 100 bis 150 Euro annehmen, d. h., solange keine Teile getauscht werden müssen, sonst geht die Kostenkurve sofort steil nach oben. Und der Versuch, sich die etwa alle fünf Jahre fälligen Arbeiten zu "schenken", enden dann nach spätestens sieben bis acht Jahren mit einem ziemlich kaputten Uhrwerk, weil letzteres mangels Reinigung und Schmierung einfach seinen Dienst quittiert. Wieder ein Vergleich mit Autos: Selbst einen Mercedes kannst Du nicht 250000 km ohne regelmäßige Wartungsarbeiten fahren, weil Dir sonst der Motor "verrecken" wird.


    Viele Grüße und einen
    Happy Day

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  • Kunststoffgläser lassen sich leicht polieren. Ausserdem sind Vintage-Modelle mir Acrylgläsern viel häufiger anzutreffen als mit Mineral- oder Safirgläsern.


    Happy Day!

  • Zitat

    Original geschrieben von SEGA
    Kunststoffgläser lassen sich leicht polieren. Ausserdem sind Vintage-Modelle mir Acrylgläsern viel häufiger anzutreffen als mit Mineral- oder Safirgläsern.


    Natürlich lassen sich Acrylgläser leicht von Kratzern befreien - Politur macht's möglich. Was sich aber nicht so ohne weiteres wegpolieren läßt, ist die Tatsache, daß Kunststoffgläser aufgrund von winzigen Deformationen manchmal nicht mehr 100%ig passgenau in ihren Dichtungen sitzen, wenn die Uhr einen heftigen Aufprall oder Schlag erlitten hat. Außerdem können sich feine Haarrisse bilden, die für den Laien ohne lupenbewehrtes Auge wie ein Kratzer aussehen, sich in Wirklichkeit aber komplett durch das Material ziehen. In beiden Fällen ist die Wasserdichtigkeit der Uhr nicht mehr gewährleistet; das Glas sollte so rasch wie möglich ausgetauscht werden. Überdies unterliegt Kunststoff einem gewissen Alterungsprozess, d. h., er verliert im Laufe der Zeit seine Elastizität, wird spröde und tendiert auch zur Verfärbung, wird gelblich oder gar milchig.


    Saphirglas ist in praktisch allen Belangen überlegen: Es ist erheblich kratzfester, verformt sich nicht unter Gewalteinwirkung, d. h. sitzt stets perfekt in der Dichtung (oder aber gar nicht, z. B. bei plötzlichem Unterdruck). Der einzige Nachteil - neben dem vergleichsweise hohen Preis dieser Aluminium-Silikat-Scheibchen - ist die höhere Bruchlastigkeit aufgrund der extrem harten und spröden Materialkonsistenz.


    Mineralglas (handelsübliche Bezeichnung: Fensterglas) vereint m. E. die Nachteile beider o. g. Werkstoffe: Es ist erheblich weniger kratzfest als Saphirglas, aber beinahe genau so spröde. Und es ist nicht halb so schlagsicher wie Acrylglas. Es hat für die Industrie nur den Vorteil, sehr billig zu sein und sich verhältnismäßig einfach verarbeiten zu lassen.


    Insgesamt hat sich aus guten Gründen das Saphirglas als Standard bei höherwertigen Uhren durchgesetzt, nicht nur bei Omega.


    Viele Grüße und einen
    Happy Day

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  • Alles richtig. Schau dir mal eine alte Rolex mit Acrylglas und dann eine alte mit Mineralglas an. Vintage für mich nur mit Kunststoff. Heftige Schläge sind für keine Uhr gut, sind daher zu vermeiden.
    Ich habe viele alte Uhren in meiner Sammlung. Die wenigsten haben feine Haarrisse. Und wenn schon?! Man kann den Uhren ruhig ihr Alter ansehen.

  • Zitat

    Original geschrieben von SEGA
    Alles richtig. Schau dir mal eine alte Rolex mit Acrylglas und dann eine alte mit Mineralglas an. Vintage für mich nur mit Kunststoff.


    Ach nein, richtige Klassikuhren stammen für mich noch aus der "pre-plastic era", also aus der Zeit, als es noch gar keinen Kunststoff gab. ;) Wenn ich schon je gerne eine Rolex als Sammlerstück hätte, dann die, die Mercedes Gleitze bei sich trug, als sie 1927 versuchte, den Ärmelkanal zu durchschwimmen. [Hier die komplette Geschichte auf Englisch.]


    Zitat

    Original geschrieben von SEGA
    Heftige Schläge sind für keine Uhr gut, sind daher zu vermeiden.


    Grau ist alle Theorie. Ich wollte mit meinem Posting ja auch niemanden auffordern, seine Uhr gegen die Wand zu schlagen oder darauf herumzutrampeln. Aber in bestimmten Situationen, z. B. beim Bergsteigen oder Tauchen, ist es manchmal gar nicht zu vermeiden, daß eine Uhr am Handgelenk "Feindkontakt" hat und dabei ein paar Blessuren davonträgt.


    Zitat

    Original geschrieben von SEGA
    Ich habe viele alte Uhren in meiner Sammlung. Die wenigsten haben feine Haarrisse. Und wenn schon?! Man kann den Uhren ruhig ihr Alter ansehen.


    Das Alter sieht man jeder Uhr an. Man kann nämlich bereits an ihrem Design erkennen, aus welcher Zeit eine Uhr in etwa stammt. Ggf. bedarf es dazu ein wenig Kenntnis des Herstellers und seiner Modelle, und schon ist eine recht präzise chronologische Zuordnung möglich. Haarisse im Plexiglas sind so lange ungefährlich, wie man die Uhr nicht beim Duschen, Schwimmen oder gar Tauchen tragen möchte. Ansonsten würde ich schon rein präventiv das Glas tauschen lassen - schließlich ist ein neues Glas billiger als eine Reinigung und Neuschmierung des Uhrwerks, und wenn Seewasser in die Uhr eindringt, ist das gute Stück u. U. innerhalb weniger Stunden ein Fall für die Altmetallsammlung - man sollte gar nicht glauben, wie schnell die Kombination aus Salzen und Wasser die hauchzarten Messingteile eines Uhrwerks korrodieren lassen.


    Viele Grüße und einen
    Happy Day

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  • Zitat

    Original geschrieben von SEGA
    Hier gibts einen aufschlussreichen Bericht zum Thema Rolex. Ich würde mit einer teuren Uhr niemals tauchen - höchstens im Pool. ;)



    Rolex


    Warum denn nicht, um Himmels Willen? Gerade fürs Tauchen sind Rolex Submariner und Seadweller doch gemacht. Und robust sind sie auch, wie die von Dir angeführte Geschichte aus dem TimeZone-Forum belegt. Auch wenn die Reparatur der dort zitierten Uhr sicherlich kein ganz billiger Spaß wird, so hat sie doch eindeutig ihre Feuertaufe mit Bravour bestanden - ich vermute, eine Taucheruhr von Jaeger LeCoultre, Ulysse Nardin oder Patek Philippe wäre dabei nicht so vergleichsweise glimpflich davongekommen.


    Andererseits bin ich relativ sicher, daß eine Omega Seamaster, Mühle-Glashütte Nautic Timer oder Rasmus, Breitling SuperOcean oder auch eine IWC Aquatimer einer derartigen Belastung ähnlich gut getrotzt hätten. (OK, mit meiner eigenen Uhr möchte ich so etwas trotzdem nicht vorsätzlich ausprobieren. :D)


    Viele Grüße und einen
    Happy Day

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    Guy Fawkes was the only person ever to enter Parliament with honest intentions.

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