In Japan ist eine neue Betrugsform mit Mobiltelefonen in großem
Schwange. Geschädigt dabei werden nicht nur Kunden, mehrere große
Netzausfälle der letzten Wochen gehen auf das Konto des so genannten
Wan-Giri-Betrugs.
Doch da es noch keine rechtlichen Regelungen gegen dieses Betrugsmodell
gibt, sind den Mobilfunkbetreibern gesetzlich noch die Hände gebunden.
Computergesteuert werden nach dem Zufallsprinzip Handynummern angewählt
und nach einmaligem Läuten wird automatisch aufgelegt.
Bei Rückruf Telefonsex
Die Betrüger rechnen damit, dass neugierige Handy-User ihrem Anruf in
Abwesenheit nachgehen und umgehend zurückrufen. Im Fall des Rückrufs
erwarten den Nutzer schlüpfrige Tonbanddienste und saftige
Telefongebühren.
3.000 Anrufe pro Minute
Im Durchschnitt wird jeder Japaner einmal pro Woche von den Betrügern
belästigt.
Doch die Wan-Giri-Anrufe rauben den 70 Millionen mobil telefonierenden
Japanern nicht nur den Schlaf und das Geld sondern stellen auch eine
Bedrohung der Netze der Mobilfunkbetreiber dar.
Ein Handynetz in Oska wurde im Juli gleich zweimal durch 3.000
computergenerierte Anrufe pro Minute lahmgelegt.
Vor allem Marktführer Nippon Telegraph and Telephone [NTT] ist von den
Attacken betroffen.
Marktführer NTT betroffen
"Noch gehören die Angriffe nicht zum Alltag, aber wir können wirklich
langsam von einer offensichtlichen Bedrohung sprechen," sagt Shintei
Kikuchi, Sprecher von NTT. "Wir empfehlen unseren Kunden schon lange,
keine unbekannten Nummern zurückzurufen und niemals ihre
Postanschriften oder Bankdetails bekannt zu geben."
"Herausforderung für die Gesellschaft"
Von den japanischen Medien werden die Wan-Giri-Attacken als extrem
aggressiv und beleidigend gewertet. Die konservative Zeitung "Yomiuri"
sieht die Angriffe als "Herausforderung für Japans Gesellschaft" und
vergleicht die Betrüger mit Motorrad-Gangs, die die Straßen unsicher
machen.
Auch in der Regierung nimmt man die Bedrohung ernst und plant ein neues
gesetzliches Regelwerk dafür zu schaffen.
Denn gerade die rechtliche Grundlage fehlt den Mobilfunkbetreibern bei
der Jagd nach den Betrügern.
NTT kann inzwischen nur einzelnen Nutzern kündigen, die eine Gefahr für
die Stabilität des Netzes darstellen.
Nur Pornografie bisher greifbar
Wird ein Betrügerring ausgehoben, kann er meist nur wegen
Pornografie-Delikten festgehalten werden, mutwillige Störungen der
Telefonservices werden noch nicht ausreichend gesetzlich geahndet.
"Fun Calls" in DE
Mit einem anderen Geschäftsmodell, den "Fun Calls", versuchen
Unternehmen in Deutschland derzeit den Jugendlichen das Geld aus der
Tasche zu ziehen.
Auf Bestellung rufen die Unternehmen Freunde, Lehrer oder Eltern an,
und nehmen diese kräftig auf den Arm, während die Jugendlichen selbst
auf einer anderen Leitung mithören können.
Meist werden lediglich Tonbänder in schlechter Qualität kostenpflichtig
abgespielt. Den Auftraggeber erwarten dabei Kosten um die 40 Euro pro
Angebot.
Die Verbraucherschützer wollen nun gegen derartige Angebote vorgehen.
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