VDSL-"Monopol" eines lokalen Anbieters

  • Hallo,


    ich hoffe, ich kann mein Anliegen verständlich machen.


    Letztes Jahr bin ich in den Speckgürtel von Berlin gezogen. In der Straße meines Wohnortes ist nur DSL 16000 möglich, wenn man wie ich bei seinem Anbieter 1&1 bleiben möchte. Habe auch schon diverse Verfügbarkeitschecks gemacht und die Ausbaukarte der Telekom studiert.


    Schnelleres Internet via Glasfaser ist derzeit nur über den lokalen Anbieter DNS Net möglich, zu dem ich aber aus mehreren Gründen (unter anderem dem zu hohen Preis) nicht wechseln möchte.


    Der Techniker, der mir den Anschluss hier freischaltete, meinte, dieses Quasi-Monopol von DNS Net liege daran, dass die vor einigen Jahren sehr viel Geld in den Ausbau des Glasfasernetzes investiert hätten und daher die Zusicherung der Regulierungsbehörde hätte, für einen bestimmten Zeitraum einziger VDSL-Anbieter in den betroffenen Gebieten sein zu dürfen.


    ich habe daraufhin eine Anfrage an die Regulierungsbehörde gerichtet, die meine Mail aber offenbar nicht verstanden und mir eine kryptische Antwort geschickt haben, mit der ich gar nichts anfangen konnte.


    Meine Frage: Stimmt das, was der Techniker mir da erzählt hat? Und wenn ja, wie kann ich herausfinden, ab wann ca. denn auch Telekom, 1&1 und Co. die Leitungen nutzen und entsprechende Angebote machen können?


    Vielen Dank im Voraus!

  • Hallo zusammen,



    Schnelleres Internet via Glasfaser ist derzeit nur über den lokalen Anbieter DNS Net möglich, zu dem ich aber aus mehreren Gründen (unter anderem dem zu hohen Preis) nicht wechseln möchte.


    Der Techniker, der mir den Anschluss hier freischaltete, meinte, dieses Quasi-Monopol von DNS Net liege daran, dass die vor einigen Jahren sehr viel Geld in den Ausbau des Glasfasernetzes investiert hätten und daher die Zusicherung der Regulierungsbehörde hätte, für einen bestimmten Zeitraum einziger VDSL-Anbieter in den betroffenen Gebieten sein zu dürfen. [...]


    Meine Frage: Stimmt das, was der Techniker mir da erzählt hat? Und wenn ja, wie kann ich herausfinden, ab wann ca. denn auch Telekom, 1&1 und Co. die Leitungen nutzen und entsprechende Angebote machen können?


    In der Anfangszeit von DSL war es üblicherweise so, daß die für das Anbieten von DSL-Anschlüssen erforderliche Netztechnik (sogenannte DSLAMs = DSL Access Multiplexer) in den Vermittlungsstellen - genauer gesagt: in den Hauptverteiler-Standorten - der Telekom aufgebaut wurden. Diese Standorte versorgen Gebiete in einem Radius von teilweise mehreren Kilometern. Von diesen Standorten kann man nahegelegene Anschlüsse mit relativ hohen Geschwindigkeiten (z.B. DSL 16000 oder VDSL 25 / 50) versorgen, doch für weiter entfernte Anschlüsse ist da mit zunehmender Leitungslänge nur noch eine geringe Geschwindigkeit (z.B. DSL 1000 oder DSL 384 / DSL Light) möglich - oder evtl. sogar gar kein DSL.


    Im Rahmen des Breitbandausbaus wird die DSL-Technik zunehmend in Richtung des Nutzers verlegt, um die zu überbrückende Leitungslänge zu verkürzen. Daher werden dann Outdoor-MFG (Multifunktionsgehäuse) am Straßenrand aufgebaut und die DSL-Technik dort installiert. Durch die verkürzte Telefonleitung sind höhere Geschwindigkeiten für mehr Nutzer möglich. Dieser Ausbau erfolgt nicht nur durch die Telekom, sondern manchmal auch von anderen Anbietern. Oftmals gibt es auch eine öffentliche Förderung, bei der Gemeinden o.ä. den Ausbau bezuschussen oder die hierfür erforderlichen Glasfaserleitungen selbst verlegen und dann deren Betrieb unter den verschiedenen Anbietern ausschreiben.


    Um höhere Geschwindigkeiten anbieten zu können, greift man nicht nur auf diese "Leitungsverkürzung" zurück, sondern auch auf optimierte DSL-Übertragungsverfahren, mit denen man aus "guten", kurzen Leitungen noch mehr Bits und Bytes "herausquetschen" kann. Das ist die sogenannte Vectoring- bzw. Super-Vectoring-Technik. Hiermit kann der Effekt, daß sich "benachbarte" DSL-Anschlüsse gegenseitig stören können, "herausgerechnet" werden und die Übertragungsqualität verbessert werden. Diese Vectoring-Technik bedeutet aber, daß in dem jeweiligen Einzugsgebiet des betreffenden (Outdoor-)DSLAMs kein anderer Anbieter eigene DSLAMs für die besonders schnellen VDSL-Anschlüsse betreiben darf (bei herkömmlichem DSL bis DSL 16000 kommt kein Vectoring zum Einsatz).


    Um zu regeln, welcher Anbieter sich den Zugriff auf welches Versorgungsgebiet sichern kann, gibt es Regeln bei der Bundesnetzagentur, die eine Liste der entsprechenden Versorgungsstandorte führt. Vermutlich hat sich DNS-Net für Dein Gebiet das Vectoring-Recht gesichert. Das wäre eine Erklärung für das "Monopol" von DNS-Net bei Dir. Der andere Grund ist, daß ein solcher Ausbau (Verlegen einer Glasfaserleitung zum Outdoor-Standort und Aufbau eines solchen mit DSL-Netztechnik) für einen Anbieter eh schon ziemlich teuer ist. Ein paralleler Ausbau mehrerer Anbieter gleichzeitig lohnt sich da meist erst recht nicht.


    Bei öffentlich finanzierten DSL-Ausbauten und auch bei eigenfinanzierten Ausbauprojekten mit Vectoring-Technik muß der ausbauende Provider aber anderen Anbietern entsprechende Vorprodukte bereitstellen, damit auch die Konkurrenten eigene Produkte über diese Infrastruktur anbieten können. Bei DNS-Net gibt es auch solche Vorprodukte, wie man auf https://wholesale.dns-net.de/ erahnen kann (mit dem dort kurz erwähnten Bitstream-Produkt kann ein Provider sein eigenes Backbone-Netz an das Zugangsnetz von DNS-Net anschließen).


    Da es in Deutschland diverse regionale Anbieter gibt und in einer Region Anbieter X ausgebaut hat, in einer anderen Region aber Anbieter Y und in noch einer anderen Region Anbieter Z, wäre es für einen großen Provider wie die Telekom, 1&1, Vodafone, o2 ein großer Aufwand, sich mit all diesen meist eher kleinen Netzbetreibern zusammenzuschalten. Daher ist dies bislang auch meist nicht erfolgt. Die Telekom nutzt inzwischen in manchen Regionen solche DSL-Netze alternativer Anbieter mit, für DNS-Net ist mir eine solche Zusammenarbeit bislang jedoch nicht bekannt.


    Um die Zusammenschaltung zwischen großen Providern und kleinen Netzbetreibern zu vereinfachen, gibt es den Trend, sogenannte Open-Access-Plattformen zu schaffen, die eine Art "Drehkreuz" zwischen den ganzen Netzen sind. Dann muß sich jeder Providern / Netzbetreiber nur noch mit ein / zwei solchen Open-Access-Plattformen zusammenschalten und kann hierüber dann mit allen anderen dort angeschlossenen Anbietern Geschäfte machen. Diese Idee steckt aber bislang noch eher in der Anfangsphase.


    Lange Rede, kurzer Sinn: Mir sind spontan keine anderen Anbieter bekannt, die das Netz von DNS-Net aktuell nutzen. Das muß aber nicht dauerhaft so bleiben.


    cu talk2chris

  • Wenn man dort ein DSL-16000 Angebot nimmt, sollte man allerdings durchaus eine vernünftige Übertragungsrate von > 10 Mbps im Downstream erwarten können, oder? (wegen der relativ kurzen Leitungslänge)
    Für viele Anwendungen reicht das vollkommen aus.

  • Ggf. ist auch noch etwas mehr über Telekom Hybrid möglich.


    Wenn der TE eh den Anbieter wechseln kann/ muss ist DNS auch eine Option, nur wen ner nicht aus dem 1&1 Vertrag rauskommt oder wegen Bündelrabatt bei 1&1 bleiben will sind die Möglichkeiten begrenzt und da hilft auch kein Telekom Tarif.
    Die Frage ist dann nur ob DNS dort FTTH oder nur VDSL anbietet.
    Bei FTTH kosten 50/5 MBit/s 35 Euro und 100/10MBit/s 40 Euro pro Monat, da ist Hybrid komplett witzlos (sofern das Haus erschlossen ist und keine hoch 3 stelligen bis 4 stelligen Anschlusskosten anfallen).
    Bei VDSL nehmen sie dafür allerdings 45 bzw. 55 Euro pro Monat was extrem teuer ist, wobei man merkwürdigerweise für VDSL250 "nur" 50 Euro bezahlt was gegenüber Hybrid DSL schon wieder eine Überleguing wert ist wenn man es sich leisten kann.

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