Was ja auch nur beweist, dass die vielbeschworene Tarifautonomie an dieser Stelle versagt und daher eben ein Eingreifen erforderlich ist.
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Original geschrieben von ChickenHawk
Eine Friseurin bekommt in Thüringen 3,18 € Stundenlohn.
Daneben bekommt sie 30 % des Umsatzes pro Stunde wenn dieser über 12 € liegt.
Im Durchschnitt kommt ein Berufsanfänger auf 30 € Umsatz die Stunde.
Ja. WENN und IM DURCHSCHNITT. Wenn dann doch mal nicht, dann gibts eben nur die 3,18. Wenn die Leute im Durchschnitt so gut verdienen, dann spräche ja eigentlich nichts dagegen, ihnen einen akzeptablen Grundlohn zu geben. Dieses Konstrukt mit dem Anteil am Umsatz pro Stunde könnte man dann ja auch einfach weglassen.
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Trinkgeld als Bestandteil des Gehalts zu sehen ist so sicherlich nicht unbedingt sinvoll
Genau. Und mehr muss man dazu eigentlich auch nicht sagen, denn das allein ist die entscheidende Aussage.
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Warum muss da jetzt so zwingend der Mindestlohn her? Sonst wird immer gefordert mal solle Mitarbeiter am Unternehmenserfolg beteiligen, hier wird das 1:1 über die Umsatzbeteiligung gemacht und das ist dann plötzlich wieder schlimm?
Es ist dann schlimm, wenn diese Unternehmensbeteiligung herhalten muss, um aus einem Dumping-Grundlohn ein akzeptables Einkommen zu machen.
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Was passiert wenn man also medienwirksam 7,50 € oder auch 8 € brutto die Stunde erzwingt?
1.) Die Umsatzbeteiligung wird kleiner ausfallen oder gestrichen
Was i.d.R. nicht schlimmt sein dürfte.
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2.) Anders als bisher muss der Salon diese Kosten auf jeden Fall tragen, egal ob Umsatz da ist oder nicht.
Genau. Aber so funktioniert das nunmal. Es kann ja wohl nicht sein, dass der Unternehmer sein unternehmerisches Risiko auf die Arbeitnehmer auslagert. Ein Arbeitnehmer hat einen Anspruch auf ein regelmäßiges und akzeptables Einkommen, welches eben gerade NICHT davon abhängen darf, ob die Bude nun gerade spitzenmäßig oder solala läuft.
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Wenn der Laden nicht läuft was wird der Inhaber dann tun? Genau sich von den "Kostenfaktoren" trennen
Und hat dann niemanden mehr, der die Arbeit macht? Aber ja, das wäre dann halt so. Das ist unter prinzipiellen Gesichtspunkten aber immer noch besser als inakzeptable Dumpinglöhne.
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3.) Bei 160 Std./Monat und 8 € kommt die Angestellte dann auf 1280 € brutto und 100 € Trinkgeld hat im Endeffekt also noch weniger Geld als vorher in der Tasche.
Wenn die o.g. Rechnung denn immer so aufgeht, was sie vermutlich nicht tun wird.
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Wem soll so ein Unsinn denn da wirklich helfen?
Gegenfrage: Warum funktioniert dieser "Unsinn" fast überall sonst, nur bei uns und einigen wenigen anderen nicht?
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Diese ganze Debatte um Mindestlohn wird viel zu indifferent geführt. Weder ist so etwas der Untergang des Abendlandes aber eben genauso wenig der ultimative Heilsbringer.
Natürlich. Es ist schlicht und ergreifend eines: Gerecht.