ZitatOriginal geschrieben von schmidt3
Ein kleines Zitat: "So oder so – der Mindestlohn führt zu erheblichen Beschäftigungsverlusten. Diese Beschäftigungsverluste sind im Westen unseres Landes erheblich. Im Osten werden sie erschütternde Ausmaße annehmen."
Ja, das beständige Wiederholen dieses Geseiers macht es allerdings auch nicht zutreffender... ![]()
Man muss sich ja mal fragen, wer dann die ganze Arbeit macht, die dann plötzlich angeblich nicht mehr gemacht werden kann. Was soll das für Arbeit sein, die man dann plötzlich von heute auf morgen nicht mehr braucht, weil sie teurer wird?
Ich habe es in einem anderen Thread schon mal gesagt und tue es hier nochmal: Ich bin absolut FÜR Mindestlöhne. Und zwar nicht nur, weil es diese in der übergroßen Mehrzahl der übrigen Industrieländer in der einen oder anderen Form ebenfalls gibt, ohne das dort die Welt untergegangen wäre. Sondern auch deswegen, weil ich der grundsätzlichen Überzeugung bin, dass allein die Tatsache, dass irgend jemand für irgend jemand anderen früh seinen Arsch aus dem Bett schwingt, um einen Arbeitstag lang für ihn zu arbeiten - und zwar völlig egal, was - mindestens einen bestimmten Betrag x Wert sein muss. Und dieser Betrag x muss ausreichend sein, dass jemand, der einen Vollzeitjob macht (egal welchen), von seinem Einkommen ein Auskommen zu den in Deutschand zu zahlenden Verbraucherpreisen führen kann.
In dem anderen Thread, in dem ich dasselbe schon mal gesagt hatte, meinte am Ende irgendeine Nase (weiß nicht mehr, wer es war), man müsse sich von der Idee lösen, dass jeder Vollzeitjob ein ausreichendes Einkommen sichern würde, sprich, es wäre normal, dass es Jobs gäbe, bei denen man so wenig verdient, dass man auf Beihilfen des Staates angewiesen ist. Das ist heute in einigen Branchen und Gegenden der Fall, und genau das kann nicht sein. JEDER Vollzeitjob MUSS ein Einkommen sichern, von dem man leben kann. Wenn das nicht so ist, dann stimmt schlicht und ergreifend das Konzept des Arbeitgebers nicht - so einfach ist das.
WENN sich das Ganze in Deutschland zwischen den Tarifparteien von allein einpegeln würde, dann hätten wir kein Problem. In vielen Branchen ist das auch so, aber in einigen eben nicht. Und für die - und NUR für die - brauchen wir einen gesetzlichen Mindestlohn. Für alle anderen wäre dieser nicht relevant, da wir in den allermeisten Branchen ja glücklicherweise Tarifabschlüsse haben, die deutlich über jedem denkbaren feszusetzenden Mindestlohn liegen. Deswegen verstehe ich auch den Aufschrei nicht - auf der Arbeitgeberseite sind ja wirklich nur eine Handvoll Branchen betroffen. Aber die brüllen umso lauter. Hier gilt dann der Spruch "Betroffene Hunde bellen" mal wirklich richtig schön.
Die Scheinheiligkeit der Arbeitgeber in dieser Branche wurde bei der PIN-Pleite ja überdeutlich sichtbar. Die Bude war im Prinzip schon in die Pleite gefahren, als die ersten Mindestlöhne noch gar nicht gezahlt werden mussten. Mindestlöhne waren ganz sicher nicht das Problem für PIN - und ehrlich gesagt ist es mir persönlich lieber, die ehemaligen Mitarbeiter werden eine zeitlang von unser aller Geld durchgezogen, als dass sie für einen raffgierigen Konzern zu für dieses Land unwürdigen Stundenlöhnen durch die Gegend eiern müssen. Dass Menschen, die ihre Angestellten so bezahlen, morgens überhaupt noch in den Spiegel schauen können... DAS ist der wahre Abschaum unserer Gesellschaft...