Beiträge von BigBlue007

    Soweit ich mich entsinne, verwechselst Du da was. Über Genex war es möglich, dass Menschen im Westen für ihre Verwandten im Osten mit DM Ostprodukte kaufen konnten. So konnte man via Genex z.B. deutlich schneller Autos oder diverse technische Geräte bekommen - aber wie gesagt eben alles Ostprodukte.


    edit: Genex. Bei Autos gab es tatsächlich auch Westautos. Das war dann also auch die Quelle der Golfs. ;)



    Einen BMW habe ich nie gesehen, einen Golf sah man dagegen schon hin und wieder. Es gab gegen Ende mal eine offizielle Importaktion von irgendeinem Mazda. Wer man sein musste, um so einen zu bekommen, weiß ich aber nicht.


    Wie diese wenigen Golfs, die man ab un zu sah, nun genau reingekommen sind und wie das funktionierte, weiß ich leider nicht. Es war mit Sicherheit nicht einfach... ;)


    Ansonsten konnte man ja mit Westgeld (so man welches hatte) in den Intershops einkaufen. Der Besitz von Westprodukten war also nicht illegal. Den GeHa-vs.-Pelikan-Füller-Fight gab es auch in DDR-Schulen, auch wenn natürlich nicht jeder einen hatte... :D


    Bzgl. Kaffee: Stimmt, da mussten meine Leute wohl wirklich immer hinterhersein, damit immer welcher im Haus war. Das war dann i.d.R. der vorgemahlene "Rondo Melange". Ich erinnere mich aber nicht, dass es jemals keinen Kaffee im Haus gehabt hätte. So selten wie z.B. Apfelsinen war er also wohl nicht.

    Das stimmt natürlich auch nur eingeschränkt. Ein Farbfernseher z.B. kostete 5.250 Mark, die Version mit Fernbedienung 1.000 Mark mehr. Das war alles andere als günstig, und trotzdem war zumindest die billigere Version Mangelware. Die mit FB bekam man etwas leichter, aber auch bei der war es nicht so, dass sie im Laden rumstand.


    Zur Jugendweihe habe ich mir einen Radiorecorder für AFAIR 1.400 Mark gekauft - um den zu kriegen, habe ich meine Tante in Berlin in den Ferien besucht und bin mehrere Tage jeden Morgen zum Alex ins RFT-Geschäft getigert. :D


    Allgemein war es IMHO eher so, dass eben gerade die Dinge, die es ständig gab (Grundnahrungsmittel, hässliche Klamotten :D ) extrem billig waren, während alles, was irgendwie mit Technik zu tun hatte, schon durchaus sehr teuer, und teilweise eben auch kaum zu haben war.

    Richtig. Insbesondere die Preise für Lebensmittel und Mieten waren gegenüber heute quasi fast vernachlässigbar. Ansonsten wäre man mit den knapp 1000 Mark, die ein durchschnittlicher Arbeiter/Angestellter so verdiente, kaum hingekommen.


    Diesel kostete AFAIR 1,15 oder so. Gabs aber nur für LKWs. Ich weiß gar nicht mehr, ob es an den normalen Tankstellen überhaupt Diesel gab. Die Firmen, wo LKWs genutzt wurden, hatten m.W. meist ihre eigene Dieselversorgung.


    Leisten konnte man sich das auch insofern, als man zu DDR-Zeiten deutlich weniger mit dem Auto unterwegs war als heute. Sowas wie "Pendler" gabs nicht; die meisten Leute sind zu Fuß oder mit ÖVMs zur Arbeit gefahren oder hatten es mit dem Auto halt wirklich nicht weit. Und so wie heute, mal eben in eine andere Stadt fahren, zum Einkaufen oder so, das war eigentlich kaum üblich.


    Außerdem waren die Beträge für Versicherung und Steuer m.W. auch eher symbolischer Natur.


    Bezugsmarken o.dgl. gabs zu den Zeiten, die ich bewusst mitbekommen habe, für gar nichts mehr, das war vor meiner Zeit. Auch Benzin gabs ohne Einschränkungen; ich erinnere mich auch nicht daran, dass ich jemals was von einem Engpass bei der Spritversorgung mitbekommen hätte.

    Filmkameras waren halt sehr teuer, aber AFAIR relativ problemlos zu bekommen, wenn man halt das Geld dafür über hatte. Kamen AFAIR aus Russland und waren zum Aufziehen und ohne Ton. :D


    Letztlich hat sich halt kaum jemand so ein Hobby geleistet, obwohl so eine Kamera vermutlich nicht mehr kostete als ein Fernseher - und den hatte ja fast jeder.

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    Original geschrieben von Jochen
    Für die einen (ich würde sagen, für die, die sie nur von außen gekannt haben) ist/ war die DDR eben etwas Politisches, für die anderen war es das Land, in dem sie gelebt haben und daher sehen sie es nicht erst einmal politisch. Das ist doch völlig normal.


    Keineswegs. Ich sehe die DDR schon AUCH als Politikum, das ist doch gar keine Frage. Und politisch betrachtet bin ich natürlich froh, dass es die DDR nicht mehr gibt. Durchaus auch aus den von JMQ genannten Gründen, wobei ich wie immer an dieser Stelle die Gleichmacherei von DDR und Drittem Reich als historisch und politisch völlig haltlos zurückweise.


    Aber Du hast zur Hälfte natürlich Recht - für Menschen, die in der DDR gelebt haben, war sie eben AUCH einfach nur ein Land. Deshalb ist es für "uns" leicht, auch völlig unpolitisch über irgend etwas Alltägliches aus der DDR zu disktuieren - einfach deshalb, weil der normale Alltag in der DDR für die meisten Menschen eben auch schlichtweg völlig unpolitisch war. Dass der Staat versucht hat, sich in so ziemlich alles einzumischen, ändert daran nichts. ;)


    Chevygnon: Stimmt, Telefonanschluss war tatsächlich was für die etwas Privilegierteren. Da muss ich mich dann wohl oder übel dazurechnen - mein Opa war Hochschullehrer und hatte einen, und da meine Eltern und Großeltern immer zusammen wohnten, konnten wir den Anschluss mitbenutzen. Ich weiß noch, wie ich das erste Mal ein - natürlich illegales - Kabel von der Wohnung meiner Großeltern in unsere gezogen habe, um ein zweites Telefon (keine Ahnung, wer das woher besorgt hatte) anzuschließen. Das war im Osten genauso illegal wie im Westen... :D

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    Original geschrieben von Mephisto
    Interessante These; wie genau soll man denn aber ein politisches System, das die DDR war, nicht politisch betrachten?


    Die Frage, ob es in der DDR schwarzen und grünen Tee gab, mag zwar reichlich sinnfrei sein, ist aber ein ebenso einfaches wie anschauliches Beispiel für eine unpolitische Frage, oder nicht? Die DDR war ja nicht nur ein politisches System, sondern eben auch ein Land. Genauso wie z.B. China ein Land ist. Und man kann ja auch die Frage stellen "Wo sitzen in China die meisten Computerfabriken?", ohne dass das eine politische Diskussion über China auslösen muss - die ja genauso berechtigt ist wie die über die DDR. Mit dem Unterschied, dass wenn China zumacht, hier erstmal alles zappenduster ist. Und da dürfte die Freude darüber, dass eine der letzten kommunistischen Hochburgen der Welt weg ist - was für sich genommen und rein politisch betrachtet natürlich prima wäre - wohl erstmal nicht im Vordergrund stehen... ;)

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    Original geschrieben von alpha
    Man tut unserem dreibuchstabigen Gr@venreuth-Epigonen natürlich zuviel der Ehre an, nach solchen Postings auch noch auf ihn einzugehen, statt die Ignore-Funktion zu aktivieren...


    Das lasse ich jetzt in Großschrift einfach mal so stehen und halte mich dran - alle anderen hoffentlich auch... ;)

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    Original geschrieben von JMQ
    Um zu verhindern, dass Kritik an der "DDR" geäußert wird?


    Nein. Um eine unpolitische Diskussion führen zu können. Da es Deiner Meinung nach offenkundig nicht möglich ist, den Begriff "DDR" losgelöst von politischen Themen zu erwähnen, was aber genau das ist, was in diesem Thread passieren sollte, hast Du in diesem Thread nichts verloren. Und wohin Deine Beteiligung an einer Diskussion selbst dort führt, wo die politische Seite der DDR-Vergangenheit durchaus ein Thema ist, haben wir ja bereits gesehen.

    Zunächst einmal wäre ich dafür, dass insbes. JMQ der Zugang zu diesem Thread gesperrt wird (ich weiß, ist techn. leider nicht möglich... ;) ) - past experience zeigt, dass ansonsten die Wahrscheinlichkeit für eine Schließung relativ hoch ist.


    Zur Ausgangsfrage: Ja, es gab in der DDR schwarzen Tee. Grünen m.W. auch, weiß ich aber nicht genau. Mein Opa hat, soweit ich mich erinnere, oft schwarzen Tee getrunken. War auch keine "Bückware", man konnte ihn also ohne Weiteres kaufen.


    Wo der jetzt herkam, weiß ich allerdings nicht. Zu Indien z.B. hatte man AFAIR ganz gute Beziehungen, kann aber natürlich genauso gut sein, dass es sich um ein künstliches Ersatzprodukt handelte... :D Wobei - glaube ich eigentlich nicht, wäre bei Tee wohl kaum möglich gewesen. Oder eben aus einem der anderen Ostblockstaaten, wie weiter oben schon gemutmaßt wurde.

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    Original geschrieben von SpeedTriple
    Worcestershire Sauce: [wuuster]?


    Neulich war Jamie Oliver bei Kerner am Kochen. Irgendwann hielt Kerner ihm eine Pulle von dieser Sauce vor die Nase und fragte ihn, wie man das richtig ausspräche, weil das hier keiner so wirklich genau wisse. Er hats dann ausgesprochen, ich habs mir aber leider nicht gemerkt. Es war jedenfalls ein völlig neues Wort, das ich noch nie gehört hatte. Fakt ist demnach, dass sowohl "Wuster", "Wuuster" als auch "Worschester" falsch sind... :D


    Achja: Ich als Oxford-Englisch-Sprecher sage "Ruhter". "Rauter" ist für mich amerikanischer Dialekt. ;)