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Original geschrieben von qwasy
In der DDR waren viele Menschen unzufrieden. Das lag daran, dass man in seiner Freiheit stark eingeschränkt wurde, in praktisch allen Lebensbereichen mischte sich die Partei ein.
Nein, daran lag es nicht. Und das stimmt auch nicht. Auch das ist eine urban legend, dass sich die Partei überall eingemischt hat. Richtig ist, dass man Probleme bekam, wenn man öffentlich etwas gegen die Partei gesagt hat. Ansonsten hatte der durchschnittliche DDR-Bürger nicht so wahnsinnig viel mit Politik zu tun, und unzufrieden waren die meisten wegen der materiellen Engpässe.
Du wirst jetzt wahrsch. als Nächstes sagen, dass Du all dies weißt, weil Du ja nach eigener Aussage viel im Osten unterwegs bist und Dir die Leute "drüben" das so erzählt haben. Von woanders her kannst Du es ja eigentlich auch nicht wissen. In diesem Falle erwieder ich dann schon mal vorab, dass Du entweder hauptsächlich mit den - wenigen - Leuten im Osten sprichst, die wirklich echte Repressalien aus politischen Gründen erleiden mussten, oder aber Du halt einfach einen vom Pferd erzählst... 
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Manche fanden aber auch alles prima und freuten sich, dass sie sich eigentlich um nichts kümmern mussten, da alles der Staat für sie regelte. Dass sie nicht Reisen konnten und nur wenige der Dinge kaufen konnten, die es im Westen (bekannt aus Funk und Fernsehen) gab, störte sie nicht. Die Nachbarn hatten schließlich auch nichts. Die Parteibonzen wohnten woanders, mit denen hatte man als kleiner Genosse sowieso nichts zu tun.
Stimmt - genauso ist es. So haben in der Tat viele gedacht. Und damit komme ich wieder zurück zu einem meiner vorherigen Postings: Ich spreche hier ja nicht in allen Punkten von mir selbst und meinen Ansichten. Im Gegenteil - in mancherlei Hinsicht regt mich das Dauergejammere einiger meiner ehemaligen Landsleute genauso, als wäre ich ein urbaner Wessi. Allerdings meine ich damit eher die Leute, denen es heute wirklich besser geht, die Arbeit haben, und die trotzdem meckern.
Angesichts der z.T. horrenden Arbeitslosenquoten von in manchen Gegenden mehr als 25% macht man es sich jedoch zu einfach, wenn man davon ausgeht, dass die ganzen Arbeitslosen im Osten nur deshalb keine Arbeit haben, weil sie früher nicht gelernt haben, selbständig zu sein. Das ist bei Manchen mit Sicherheit der Fall, aber natürlich nicht bei allen.
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Die SED/PDS/WASG/Linkspartei rekrutiert momentan ihre Wählerschaft aus beiden Lagern: die zuletzt genannten sind die wirklich schlichten Gemüter (da wird mir auch BB samt Opa wohl zustimmen, oder ist selbst das unklar?). Die zuerst genannten sind heutzutage oft frustriert, weil neben den neuen Freiheiten auch neue Pflichten hinzukamen. Diese erinnern sich teilweise an die guten Seiten, die die DDR früher unzweifelhaft hatte gerne zurück. Die Nachteile werden ausgeblendet. Für Rattenfänger Gysi und Laffo sind diese gefundenes Fressen. Und genau diese Leute müssen zum Nachdenken gebracht und aufgerüttelt werden.
Du vergisst eine dritte Gruppe: Die, die ich oben nannte. Menschen, die durchaus arbeiten wollen und auch können, die sich hunderte Male beworben haben, die Fortbildungsmaßnahmen bis zum Abwinken besuchen und trotzdem nicht arbeiten können, weil es halt im Osten einfach zu wenig Arbeit gibt.
Und das mit dem Wachrütteln ist auch so eine Sache... Muss man nicht auch umgekehrt fragen, warum ein Stoiber - um wieder zum Thema zu kommen - sich offenbar nicht fragt, warum es im Osten tatsächlich so viele Menschen zu geben scheint, die sich die alten Verhältnisse zurückwünschen? Dass Protest wählen der falsche Weg ist, da sind wir uns einig. Es ist aber mit Sicherheit auch der falsche Weg, sich als Politiker hinzustellen und die Leute einfach alle pauschal für dumm zu halten, anstatt sich - so wie z.B. hier jetzt in diesem Thread - Gedanken darüber zu machen, warum Menschen offenbar willens sind, auf manche Segnung des Westens zu verzichten, solange es ihnen nur wirtschaftlich wieder besser geht.
Dabei dürfte gerade DAS ja im kapitalistischen Westen niemanden wundern, denn wie bereits gesagt ist DIE Antriebsfeder des Kapitalismus ja gerade eben das Streben nach bestmöglichen persönlichen - und nicht etwa politischen - Verhältnissen. Ich gehe sogar soweit zu sagen, dass die Tatsache, dass der Kapitalismus i.d.R. mit einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung einhergeht, eher so eine Art historischer Automatismus ist. Würde man im Westen die Leute fragen, ob sie lieber in Deutschland bettelarm oder in China steinreich leben wollen würden - ich wäre mir nicht so sicher, dass wirklich alle hierblieben... :D:D