Beiträge von BigBlue007

    Steht doch da: Die Jugendweihe.


    Diese habe ich noch zu DDR-Zeiten erlebt: Es gab haufenweise Kohle (ok, sicher nicht bei allen, aber zur Jugendweihe liess sich fast niemand lumpen... :D ), ein Buch ("Vom Sinn des Lebens"), eine offizielle, "würdevolle" Feier (natürlich mit allem möglichen politischen Blabla) und abends natürlich Party.


    Den Artikel kannte ich übrigens auch noch nicht - sehr gut geschrieben.

    Naja, so ganz vergleichen kann man das ja nun nicht wirklich. Stoiber macht sich mit seinen Äußerungen die, die er anspricht, zum Feind. Ob er damit irgend jemanden überzeugt, ihn zu wählen, der ihn nicht auch so gewählt hätte, darf bezweifelt werden. Insofern war das halt einfach nur dumm.


    Schröder dagegen verprellt mit seiner Äußerung kaum jemanden, kann also im besten Fall nur zusätzliche Stimmen gewinnen. Das ist im Vergleich eher schlau - und Recht hat er IMHO zudem auch - Bush ist ja genauso ein Tiefflieger wie Stoiber; über den kann man gar nicht genug herziehen... :D

    Zitat

    Original geschrieben von o2neuling
    Nö, eigentlich nicht, die Föderalismusdebatte ist nämlich sehr wohl ein Thema, das immer wieder, aber leider zu zaghaft, diskutiert wird und irgendwann gelöst werden muss, weil es sonst immer wiederkommen wird.


    Ja, schon. Nur hat es mit dem Thema dieses Threads eigentlich trotzdem nichts zu tun.

    Zitat

    Da schließt sich auch der Kreis zur Linkspartei, denn wenn es der gelingen sollte, so ein Bündnis herbeizuführen, wäre man schon mal wesentlich näher an der Lösung dieses Problems dran.


    Very good point! :top:


    Wobei das Problem der Förderalismusdebatte natürlich vor allem darin besteht, dass da viel zu viele Leute dabei sind, die ihre Pfründe dahingehen sehen. Da nehmen sie sich nämlich ALLE nichts, egal ob rot oder schwarz oder grün oder gelb oder bunt oder wasauchimmer. Weswegen ich denke, dass wir diesbzgl. in diesem Leben keine wesentliche Änderung mehr erfahren werden.

    qwasy:


    Naja, das kommt ja noch erschwerend hinzu: So richtig viele Facetten hat die Parteienlandschaft ja eigentlich auch wieder nicht.


    OK, es gibt natürlich alle möglichen Parteien, aber die ganzen Kleinen und Unbedeutenden sind halt so klein, dass sich die Leute - nicht ganz zu Unrecht - sagen, dass eine Stimme für die im Grunde verschenkt ist.


    Und die großen Volksparteien haben sich in den Augen Vieler halt in zuvielen Dingen zusehr aneinander angeglichen. Ich meine, sind wir doch mal ehrlich: Die SPD bekommt das Ding vor allem deswegen nicht geschaukelt, weil sie bei jedem größeren Projekt am Veto der Unionsmehrheit im Bundesrat scheitert. Um dieses - IMHO ausgesprochen inffiziente - System zu umgehen, ist derzeit eine Unionsregierung fast schon ein Muss - wir brauchen eine Regierung, die die Möglichkeit hat, ihre Linie durchzuziehen.


    Wären die Verhältnisse umgekehrt, dann hätte die Union genau dasselbe Problem, weil die SPD alles blockieren würde.


    Und beide Parteien haben im Grunde nicht so wahnsinnig viele verschiedene Möglichkeiten, den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Ich traue der Union dies in der derzeitigen Situation nicht etwa deswegen eher zu, weil sie die besseren Ideen hat, sondern weil sie, anders eben als die SPD, im Wesentlichen freie Hand bei der Gestaltung ihrer Politik haben wird.


    Hätte ich was zu sagen, würde ich dieses Unsinn mit dem Bundesrat (oder zumindest, dass alles, das Wichtig ist, durch den Bundesrat durchmuss) abschaffen. Egal wer da gerade an der Regierung ist: Diese Leute sollen dann bitteschön auch die Möglichkeit haben, während ihrer Legislaturperiode so zu schalten und zu walten, wie sie es für richtig halten, ohne auf die Mitarbeit des politischen Gegners angewiesen zu sein. Und wenn sie ihren Job schlecht machen, dann ist nach 4 Jahren halt der andere Verein dran.


    Aber jetzt schweifen wir wirklich ab... ;)

    Zitat

    Original geschrieben von Heinz Ketchup
    Mal langsam, ich verstehe absolut den Bezug deiner Antwort zu meinem vorigen Posting nicht. Ist imho gar nicht vorhanden.


    "Stoiber hat den Nagel auf den Kopf getroffen".

    Zitat

    Und genau das sehe ich anders. Das Linksduo tut nämlich auch nix anderes.


    Inwiefern? Auf Dummenfang zu gehen, und einen kompletten Bevölkerungsteil zu verunglimpfen, ist IMHO nicht so ganz dasselbe, oder?

    Zitat

    Mehrheitsfähig? Ist eine Meinung gültig wenn sie mehrheitsfähig ist? Wie darf ich das verstehen?


    "Gültig" ist eine Meinung natürlich immer... ;)

    Is ja schon gut, wars halt galahad13... :D


    Und nicht immer so übertreiben - von wegen "bringst immer mehr durcheinander" - wegen EINEM Fehler. Das steht nun wiederum DEINER Diskussionskultur nicht gut zu Gesicht... ;)


    Im Übrigen sind diejenigen, die extreme Parteien wählen, IMMER Leute, die sich nicht für Politik interessieren. Das ist wiederum ein gesamtdeutsches - oder überhaupt ein allgemeines - Problem.


    Und natürlich hast Du recht, wenn Du sagst, dass sich diese Menschen vor ihrer Wahl mit Politik auseinandersetzen sollten. Allerdings bleibe ich dabei, dass dies zum einen niemanden dazu berechtigt, diesen Menschen dann einfach quasi das Wahlrecht absprechen zu wollen, und zum zweiten, dass sich Politiker umgekehrt mit der Frage auseinandersetzen, WARUM diese Menschen so wählen, wie sie es tun. Manche machen das sicher auch - Stoiber aber ganz sicher nicht.



    Wenn ich nochmal jung wäre, würde ich einen Debattierclub aufmachen... :D

    Zitat

    Original geschrieben von Heinz Ketchup
    Auf wen beziehst du dich?


    Auf Dich. Auf wen sonst? Sonst stünde "@xxx" davor, wenn das Posting, auf das ich mich beziehe, nicht unmittelbar über meinem steht und ich es nicht quote.

    Zitat

    Klar darf jeder wählen was er will. Nur nehm ich mir auch das Recht heraus einzuschätzen ob ich das gut finde oder nicht.


    Stimmt - aber ein Stoiber darf das halt nicht.

    Zitat

    Und wenn Stoiber dann für seine Sache kämpft und Dinge die die Bevölkerung seines Bundeslandes auf den Nägeln brennt zur Sprache bringt halte ich das auch für keinen Fehler.


    Leider auch keine mehrheitsfähige Ansicht... ;)

    War mehr so eine Anspielung auf quasy, der ja vorhin schon die "1933-Keule" ausgepackt hatte... :D


    Aber egal - Deine Äußerung ist trotzdem unerträglich. Egal an welchem sozialen Rand jemand lebt: In einer Demokratie kann er wählen, und zwar das, was er will. Ihr könnt Euch nicht einerseits darüber aufregen, dass es im Osten offenbar Leute gibt, die sich die alten Verhältnisse zurückwünschen, und andererseits darüber, wenn diese Leute die Möglichkeiten "Eures" Systems nutzen.


    Wenn Gysi und Co. so gefährlich sind, dann sollen die Parteien halt einfach verboten werden. Solange das nicht passiert, solange also der Staat nicht der Ansicht ist, dass eine Partei der demokratischen Grundordnung widerspricht, solange muss man sie wählen können. So ist das nunmal mit "Eurer" Demokratie - vielleicht hätte man Euch damals in der Schule mehr über die Grundsätze Eurer eigenen Gesellschaft vermitteln sollen als darüber, was am Ostblock alles schlecht ist... :D

    Zitat

    Original geschrieben von Schlueten
    ...und damit kommen wir zu dem, was Stoiber gesagt hat, und was ich so auch unterschreiben würde:
    nämlich dass es nicht angehen kann, dass eine Minderheit am unteren sozialen Rand die kommende Bundestagswahl entscheidet.


    Da sind wir dann schon eher bei 1933: Menschen, die am unteren sozialen Rand leben, sollen nicht wählen. Damals mussten die Juden raus, heute sollen die Ossis nicht wählen. Sehr geil... :rolleyes:


    Abgesehen davon entscheidet ein Fünftel der Bevölkerung rein rechnerisch schlechterdings die Bundestagswahl. Sie verhindert allenfalls, dass die Union das Ding gewinnt, weil die Leute im Osten die Union nicht in dem Maße wählen, wie sie es wohl sollten. Woran nunmehr die Union selbst eine nicht unwesentliche Teilschuld zu tragen hat... ;)


    Zitat

    Original geschrieben von Heinz Ketchup
    Aber genau das ist der springende Punkt dieser ganzen Diskussion. Die meisten Ossis sie was auf dem Kasten haben sind in den Westen gegangen, haben Arbeit gefunden und sind mehr oder wenig glücklich. Die die keinen derartigen Antrieb haben, sind zurück in den Osten (oder dort geblieben) und schieben Frust. Genau darauf bezog sich auch Stroibers Zitat.


    Das heißt im Umkehrschluss, dass alle aus dem Osten in den Westen ziehen sollen, nicht wahr?


    OK, an dieser Stelle sollte ich das Maul nicht zu weit aufreißen - habe es ja selbst auch so gemacht (wobei es bei mir so war, dass ich durchaus noch im Osten mit Arbeiten angefangen habe und erst danach - quasi aus Karrieregründen - in den Westen gezogen bin). Trotzdem: Das Ausbluten des Ostens ist halt für viele Menschen dort auch nicht so recht hinzunehmen, und ich kann nicht verhehlen, dass ich es auch persönlich nicht unbedingt für die optimale Lösung halte, dass jeder, der arbeiten will, in den Westen ziehen muss.

    Zitat

    Original geschrieben von qwasy
    In der DDR waren viele Menschen unzufrieden. Das lag daran, dass man in seiner Freiheit stark eingeschränkt wurde, in praktisch allen Lebensbereichen mischte sich die Partei ein.


    Nein, daran lag es nicht. Und das stimmt auch nicht. Auch das ist eine urban legend, dass sich die Partei überall eingemischt hat. Richtig ist, dass man Probleme bekam, wenn man öffentlich etwas gegen die Partei gesagt hat. Ansonsten hatte der durchschnittliche DDR-Bürger nicht so wahnsinnig viel mit Politik zu tun, und unzufrieden waren die meisten wegen der materiellen Engpässe.


    Du wirst jetzt wahrsch. als Nächstes sagen, dass Du all dies weißt, weil Du ja nach eigener Aussage viel im Osten unterwegs bist und Dir die Leute "drüben" das so erzählt haben. Von woanders her kannst Du es ja eigentlich auch nicht wissen. In diesem Falle erwieder ich dann schon mal vorab, dass Du entweder hauptsächlich mit den - wenigen - Leuten im Osten sprichst, die wirklich echte Repressalien aus politischen Gründen erleiden mussten, oder aber Du halt einfach einen vom Pferd erzählst... ;)


    Zitat

    Manche fanden aber auch alles prima und freuten sich, dass sie sich eigentlich um nichts kümmern mussten, da alles der Staat für sie regelte. Dass sie nicht Reisen konnten und nur wenige der Dinge kaufen konnten, die es im Westen (bekannt aus Funk und Fernsehen) gab, störte sie nicht. Die Nachbarn hatten schließlich auch nichts. Die Parteibonzen wohnten woanders, mit denen hatte man als kleiner Genosse sowieso nichts zu tun.


    Stimmt - genauso ist es. So haben in der Tat viele gedacht. Und damit komme ich wieder zurück zu einem meiner vorherigen Postings: Ich spreche hier ja nicht in allen Punkten von mir selbst und meinen Ansichten. Im Gegenteil - in mancherlei Hinsicht regt mich das Dauergejammere einiger meiner ehemaligen Landsleute genauso, als wäre ich ein urbaner Wessi. Allerdings meine ich damit eher die Leute, denen es heute wirklich besser geht, die Arbeit haben, und die trotzdem meckern.


    Angesichts der z.T. horrenden Arbeitslosenquoten von in manchen Gegenden mehr als 25% macht man es sich jedoch zu einfach, wenn man davon ausgeht, dass die ganzen Arbeitslosen im Osten nur deshalb keine Arbeit haben, weil sie früher nicht gelernt haben, selbständig zu sein. Das ist bei Manchen mit Sicherheit der Fall, aber natürlich nicht bei allen.

    Zitat

    Die SED/PDS/WASG/Linkspartei rekrutiert momentan ihre Wählerschaft aus beiden Lagern: die zuletzt genannten sind die wirklich schlichten Gemüter (da wird mir auch BB samt Opa wohl zustimmen, oder ist selbst das unklar?). Die zuerst genannten sind heutzutage oft frustriert, weil neben den neuen Freiheiten auch neue Pflichten hinzukamen. Diese erinnern sich teilweise an die guten Seiten, die die DDR früher unzweifelhaft hatte gerne zurück. Die Nachteile werden ausgeblendet. Für Rattenfänger Gysi und Laffo sind diese gefundenes Fressen. Und genau diese Leute müssen zum Nachdenken gebracht und aufgerüttelt werden.


    Du vergisst eine dritte Gruppe: Die, die ich oben nannte. Menschen, die durchaus arbeiten wollen und auch können, die sich hunderte Male beworben haben, die Fortbildungsmaßnahmen bis zum Abwinken besuchen und trotzdem nicht arbeiten können, weil es halt im Osten einfach zu wenig Arbeit gibt.


    Und das mit dem Wachrütteln ist auch so eine Sache... Muss man nicht auch umgekehrt fragen, warum ein Stoiber - um wieder zum Thema zu kommen - sich offenbar nicht fragt, warum es im Osten tatsächlich so viele Menschen zu geben scheint, die sich die alten Verhältnisse zurückwünschen? Dass Protest wählen der falsche Weg ist, da sind wir uns einig. Es ist aber mit Sicherheit auch der falsche Weg, sich als Politiker hinzustellen und die Leute einfach alle pauschal für dumm zu halten, anstatt sich - so wie z.B. hier jetzt in diesem Thread - Gedanken darüber zu machen, warum Menschen offenbar willens sind, auf manche Segnung des Westens zu verzichten, solange es ihnen nur wirtschaftlich wieder besser geht.


    Dabei dürfte gerade DAS ja im kapitalistischen Westen niemanden wundern, denn wie bereits gesagt ist DIE Antriebsfeder des Kapitalismus ja gerade eben das Streben nach bestmöglichen persönlichen - und nicht etwa politischen - Verhältnissen. Ich gehe sogar soweit zu sagen, dass die Tatsache, dass der Kapitalismus i.d.R. mit einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung einhergeht, eher so eine Art historischer Automatismus ist. Würde man im Westen die Leute fragen, ob sie lieber in Deutschland bettelarm oder in China steinreich leben wollen würden - ich wäre mir nicht so sicher, dass wirklich alle hierblieben... :D:D