Dieses Markenartikelding ist alles andere als neu. Selbst bei uns früher im Osten musste, wer cool sein wollte, bestimmte (West)Artikel sein Eigen nennen. Und dass die Allercoolsten von früher eher die Looser von heute sind, galt damals eben auch schon genauso wie heute.
Ich hatte am letzten Wochenende Klassentreffen. Jedes Mal, wenn ich Klassentreffen habe, stelle ich erneut mit einer gewissen Genugtuung fest, dass es tatsächlich genau so ist. Der Typ mit der mit Abstand größten Schnauze arbeitet seit fast 20 Jahren für ein eher mäßiges Salär als Bäcker (womit ich um Himmelswillen nichts gegen Bäcker gesagt haben will...
). Die eher weniger coolen Typen, zu denen durchaus auch ich gehörte, sind dagegen durch die Bank weg beruflich recht erfolgreich unterwegs. Einer der uncoolsten Typen der Klasse überhaupt ist z.B. Personalleiter bei einem großen Mittelständler.
Genauso wie damals ist das m.E. auch heute einfach eine Frage von Elternhaus und Erziehung. Ich habe von meiner Familie (Opa als promovierter Uni-Dozent, Mutter Diplom-Ökonomin; nur der Vater schlug aus der Reihe; der war aber auch nicht lange da
) vorgelebt bekommen, dass ein gesundes Maß an Ehrgeiz in der Schule richtig und notwendig ist, und dass es völlig egal ist, wie cool oder uncool einen andere Leute finden. Und genau so war ich damals, und so bin ich auch heute noch. Es war und ist mir völlig Latte, ob ich auf irgend jemanden cool oder uncool wirk(t)e. Aber ich hatte den Ehrgeiz, zu den Besten zu gehören, genauso wie ich heute den Ehrgeiz habe, meinen Job gut zu machen und dafür von anderen geachtet zu werden.
Das erste Mal Sex hatte ich völlig uncoolerweise mit 17 - wohlgemerkt im Osten, und das war damals auch schon uncool genug... :eek:
Und, hat's mir geschadet? Nein!
Nicht, dass ich nicht schon eher Sex hätte haben wollen, wenn es sich ergeben hätte...
Rückblickend mit dem Wissen von heute darf ich aber eher davon ausgehen, dass mein Leben heute weniger gut wäre, als es ist, wenn das geklappt hätte. Ohne da jetzt in Details gehen zu wollen... 
Jedenfalls denke ich, dass hier, wie bei so vielen anderen Problemen heute auch, die heutige Elterngeneration das eigentliche Problem ist, weil sie ihren Kindern nicht mehr die richtigen Werte vermittelt. Oder überhaupt keine mehr. Und was natürlich dazu kommt, ist, dass wir heute aufgrund der Kommunikationsmöglichkeiten in einem deutlich höheren Maße Dinge mitbekommen, die früher einfach nicht so transparent waren. Dinge, die heute als furchtbar schrecklich hochgespielt werden, hat's im Grunde immer schon gegeben (sicher in unterschiedlich starker Ausprägung), aber noch nie waren die Möglichkeiten, dass eine breite Masse all dies mitbekommt, so groß wie heute. Diese reine Wahrnehmungsfrage spielt bei der ganzen Diskussion IMHO also auch eine sehr große Rolle.