Wenn man das ständige Gemeckere über die einnahmefinanzierten Öffentlich-Rechtlichen sieht, dann könnte man meinen, Leute wie Sidney hätten recht, und die Menschen verblöden langsam aber sicher wirklich... 
In der Tat finde ich, dass 20 Jahre Privat-TV für die beiden Sender ein Grund zum Feiern sind - auch wenn die ständige Eigenwerbung tierisch nervt. Den Öffentlich-Rechtlichen tut dieser Wettbewerb durchaus gut - ich möchte nicht wissen, die sich deren Programm ohne diesen Wettbewerb entwickelt hätte.
Und ich stimme mit denen überein, die es für zu einfach und oberflächlich halten, Privat-TV oder speziell RTL als niveauloses Verdummungsfernsehen für die Massen abzutun. Das trifft vorbehaltlos für das komplette Vor- und Nachmittagsprogramm zu, aber ja nun wahrlich nicht auf das komplette Programm. Spiegel-TV und Co. haben hin und wieder durchaus interessante Beiträge (auch wenn ich jetzt nicht DER absolute Spiegel-Fan bin...
). Das Nachtjournal mit olle Zausel schaue ich mir immer wieder ganz gerne an. WWM ist inzw. als Unterhaltungssendung Kult. Samstag Nacht war ohne jeden Zweifel bislang einer der Höhepunkte deutschen Comedy-TVs. Und last but not least: Einige der eigenproduzierten Krimiserien (Cobra 11 oder Die Cleveren z.B., aber natürlich auch Benno Berghammer auf Sat.1
) sind IMHO wirklich gut.
Auf der anderen Seite merkt man aber halt auch an allen Ecken, dass die Privaten auf Biegen und Brechen Kommerz-TV machen und bei den Produktionskosten immer mehr sparen. Der Hintergedanke, warum solche Shows wie DSDS oder Star Search und viele andere ähnliche Formate (und das gilt natürlich auch für jede Art von Talkshows) erfunden worden, war ja nicht etwa der, ein besonders originelles Showkonzept auf die Beine zu stellen. Einziger Hintergedanke bei diesen Formaten ist, dass sich mit einem minimalen Aufwand maximaler Gewinn erzielen lässt. Diese Sendungen kosten doch fast nix. Die Hauptdarsteller verdienen so gut wie nix - der einzige wirkliche Kostenfaktor bei DSDS ist Bohlen... 
Trotzdem: Zum Sich-Verblöden-Lassen gehören immer zwei. Letztlich nutzen die Medien doch nur das aus, was eh vorhanden ist: Die meisten Leute wollen halt gar keine anspruchsvolle Unterhaltung - sie ziehen sich den Scheiss doch mit wachsender Begeisterung rein. Keiner zwingt sie dazu. Und wer sich über nachmittägliche Talkshows aufregt, sollte bitte bedenken, dass Sendungen wie DSDS auf exakt demselben Niveau liegen - was einem natürlich auch nur dann klar werden kann, wenn man in der Lage ist, die Dinge zu durchschauen und zu Ende zu denken... 
Und deshalb zahle ich meine Gebühren für die Öffentlich-Rechtlichen gerne und habe vor allem auch kein Problem damit, dass auch andere dies tun, vor allem die, die ARD und ZDF nie einschalten. Ich finde das eine hervorragende Idee. Überlegt doch mal: Solche Einrichtungen wie Theater oder Opernhäuser steht manchmal finanziell das Wasser bis zum Hals, weil es halt einfach zu wenige Leute gibt, die sich das anschauen. Aber was soll man tun? Soll man alle Theater in diesem Land schliessen oder die Eintrittspreise so sehr erhöhen, dass sich dann auch die Wenigen, die es eigentlich interessiert, die Karten nicht mehr leisten können oder wollen? Da ist die Idee mit den Gebühren geradezu genial: ALLE zahlen dafür, dass es in diesem Land neben den Privaten ein weiteres Sendersystem gibt, welches etwas anders funktioniert und welches - ein wenig verallgemeinernd gesagt - genau den TV-Konsumenten entgegenkommt, die sich nachmittags halt KEINE Talkshow und abends KEIN DSDS reinziehen wollen. Die sich stattdessen öfters mal gute Reportagen, Tier- und Natursendungen, wissenschaftliche Sendungen usw. reinziehen wollen. Und da kann von mir aus sehr gerne auch der - sogar GERADE UND GENAU DER - "typische" RTL-Konsument zahlen, der ARD und ZDF - wenn überhaupt - dann erst auf einem zweistelligen Programmplatz gespeichert hat und der sich jeden Scheiss reinzieht, sei es nun "Talk mit Thomas - Heute: Hilfe - mein Hirn schrumpft" oder "Deutschland sucht den SuperSchlagerAffen".
Das quasi ist ein solidarisches Umlagesystem, ähnlich wie bei Versicherungen. Da zahlen ja auch Viele, um Wenigen zu helfen.
Ich finde den Gedanken, dass es das Medium "TV" ausschließlich noch in einer werbefinanzierten Form gäbe, offen gesagt etwas beunruhigend. Denn - Rundfunkstaatsvertrag hin oder her - letztlich sind die privaten Sender ein Spielball ihrer Besitzer und der Werbetreibenden. Dem kann man natürlich entgegenhalten, dass bei den Öffentlich-Rechtlichen ja letztlich auch einige Wenige das Sagen haben - Intendanten, Politiker usw.. Das mag sein, ist mir persönlich aber allemal lieber als ein alleiniges Diktat von Wirtschaft und Kommerz.