Zu der Forderung nach Toiletten für einen SEV sag ich jetzt mal nix. Warum fordern Fahrgäste eigentlich beim innerstädtischen Busverkehr keine Toiletten in den Bussen und Haltestellen?
Nichtsdestotrotz fahren SEV auch häufig Reisebusse, wobei mir das bei den kurzen Fahrzeiten auch völlig egal ist.
Für weite Distanzen wie z.B. während der 34 wöchigen Totalsperrung zwischen Bamberg und Lichtenfels setzte man hochwertige IC Busse inkl. Entertainment-Portal und kostenfreiem WLAN ein.
Zur Information über Baustellen werden vielfältige Angebote gemacht: Aushänge an den Stationen und natürlich auch per Website und App. Da stelle ich aber immer wieder fest, dass Fahrgäste mit neuestem Smartphone am Bahnhof herumirren und dann fragen stellen wann denn der nächste Zug nach X fährt. Warum geben diese Kunden das nicht in ihr Handy ein? Erwartet man, dass dass jeder Eisenbahner den Fahrplan bundesweit auswendig kennt?
Wenn Busse länger als die Eisenbahn braucht, dann ist das einfach ein Effekt der äußerst niedrigen zulässigen Geschwindigkeiten innerhalb geschlossener Ortschaften. Auch der SEV-Bus kann nicht mit 100 km/h durch die 30-Zone fahren. In den meisten Fällen versucht man Bus und Schiene zu vertakten, dabei kann es sowohl zu früheren Abfahrtszeiten als auch späteren Ankunftszeiten kommen.
Nahverkehr wird von den Ländern bestellt, wenn diese die doppelte Anzahl an SEV bezahlen, wird das wahrscheinlich auch durchgeführt. Dabei gilt allerdings auch zu berücksichtigen, dass Busunternehmer selten ihre Fahrzeuge samt Fahrer einfach herumstehen lassen und darauf warten, dass in dieser Region irgendwann mal SEV erfolgt. Das könnte sich der Busunternehmer gar nicht leisten. Oft müssen auch verschiedene Unternehmen beauftragt werden um überhaupt den SEV durchführen zu können, da die Kapazität bei einem einzelnen Unternehmen gar nicht vorhanden ist.
Wie stellt man denn z.B. auf Autobahnen "gleichwertige Ausgleichswege" bereit?
Ist eine ein- statt zweispurige Verkehrsführung mit 80 km/h (+Überholverbot für bestimmte Fahrzeuge +Breitenbeschränkung auf 2 m für den nicht-rechten Fahrstreißen) "gleichwertig"? Wohl kaum!
Oder da werden auch einfach mal Parkplätze mit WC geschlossen. Darf man deshalb auf dem rechten Fahrstreifen einfach halten (Seitenstreifen keiner mehr vorhanden und zum Fahrstreifen umgewidmet) und erwartet ein Dixi-Klo neben der Straße? Oder man sperrt einfach Anschlussstellen für mehrere Monate komplett, da wird genauso erwartet, dass die Wegebenutzer viele Kilometer Umweg und Zeitverlust in KAuf nehmen.
Ein Elektritäts- oder Datennetz ist wohl kaum mit einem Schienenverkehrssystem oder einem Straßennetz vergleichbar. Das Internet wurde schon von Haus aus dafür ausgelegt, dass Datenpakete verschiedene Wege nehmen können, genauso wie Pakete verloren gehen können. Wenn du das nun unbedingt mit SEV vergleichen willst, dann ist der stehengebliebene Fahrgast (weil er sich nicht informiert hat), wohl als "packet loss" zu verbuchen. Für deine Datenpakete ist es auch relativ egal ob sie um den halben Globus "fliegen" oder 100 km. Ob die nun 30 oder 100 ms brauchen, ist für dich wahrscheinlich akzeptabel bzw. wird gar nicht bemerkt. Da du unbedingt den Vergleich wolltest: Eine dreifache Reisezeit auf der Schiene muss für dich dann ebenso akzeptabel sein.
Die Netzspannung bleibt selten konstant bei 230 V, diese darf von 207 bis 253 V schwanken, eine Bandbreite von 20%. Einschränkungen könnte ich mir auch durchaus vorstellen, ein Aluminiumwerk wird vermutlich seinen Ofen nicht anwerfen dürfen während eines Engpasses.
Was willst du denn mit einer "Kletterweiche" bei einer Vollbahn? SEV wird in der Regel bei Vollsperrungen durchgeführt, da gibt es dann kein Nachbargleis. Btw: Die Eisenbahn nutzt ganz regulär Weichenverbindungen um Züge etwa bei STörungen auf dem Nachbargleis fahren lassen zu können. Da muss man nicht erst minderwertige Ersatzweichen einbauen. Und wie fuhr diese Straßenbahn denn während dem Einbau der Weiche? Der wird nicht in einer Zugpause von 2 min von Statten gegangen sein, also müssen auch hier Ersatzverkehre gefahren werden. Während Großbaumaßnahmen wie z.B. der ABS Petershausen-Ingolstadt hat man auch Bauweichen eingebaut die dann viele Monate später wieder entfernt wurden, beispielsweise in Reichertshausen oder Baar-Ebenhausen.
Im Übrigen kann ich mir nicht vorstellen, dass "Straßenbahn Mannheim" während dieser Baumaßnahme ihre Fahrten in vollem Umfang anbieten konnte.
Wie macht das denn der Flugverkehr wenn z.B. München gesperrt wird aufgrund der Wetterbedingungen?
Du möchtest keine Reisezeitverlängerung, also kann das Flugzeug nicht so lange am Himmel bleiben bis der Flughafen geöffnet wird (wahrscheinlich fällt es nach einiger Zeit dann eh vom Himmel aufgrund von Treibstoffmangell). Umwege möchtest du auch nicht, also scheidet eine Landung in Nürnberg und anschießende Bus-/Zugfahrt nach München auch aus, zumal das bestimmt deine Reisezeit um ein vielfaches verlängert (wenn du z.B. nur Frankfurt-München fliegst).
Achja: Auch Eisenbahnen umfahren Großbaumaßnahmen. Um wieder einmal die Sperrung Bamberg-Lichtenfels anzusprechen: Neben dem IC-Bus fuhren die ICE über Fulda-Erfurt nach Leipzig, genauso wie dein Flugzeug