Zitat
Original geschrieben von Printus
Nach meinem Empfinden wird die ganze Geschichte langsam immer bizarrer und lächerlicher. Ausgerechnet im unserem pingeligen Bürokratenland macht eine Stadtverwaltung was sie will, Warnungen von Fachbehörden werden ignoriert und Kritiker politisch kaltgestellt.
ich wäre im moment noch etwas vorsichtiger das so darzustellen, im moment sind alles noch behauptungen - WENN sich das im laufe der ermittlungen erweist, dann wäre es ein skandal, im moment versucht anscheinend jeder die schuld von sich zu weisen, siehe das interview mit dem veranstalter..
was man daraus jedoch erfährt, ist das sich wohl gezählte 187.000 besucher auf dem festivalgelände aufhielten (und es somit bei weitem nicht voll war) und es im vorfeld 16 "sperren" gab, womit man den durchfluss regulieren wollte, anscheinend sind mehrere dieser sperren überrannt worden (was man gestern auf einigen sendern auch gesehen hat) und so sind massen unkontrolliert in den linken tunnel rein (der rechte war - wie man auch auf einigen bildern sah - im vergleich dazu recht "frei" (und mit knapp 40m auch deutlich kürzer), dazu kamen die sperrung des eingangs und der abfluss der ersten, die gehen wolltenund das ganze hat dann zu dem chaos geführt..
wie man das bewertet und wem man da die schuld geben will - ich denke dass das sehr schwer wird...
hier beschreibt übrigens der chefredakteur der bild seine erfahrungen an der rampe gegen 17:00 uhr, also zur zeit des chaos und es liest sich etwas anders, als die medien dies in den letzten tagen darstellten:
http://www.bild.de/BILD/news/2…im-strudel-des-todes.html
Die brodelnde Menge trägt mich ein paar Meter weiter. Ich sehe nichts von der Loveparade, nur ein riesiges Plakat der Telekom („Erleben Sie das Internet in Echtzeit“). Daneben eine schmale, steile Treppe, an deren Geländer eine Traube verwegener, junger Kerle hängt. Sie wollen nach oben, eine Abkürzung zum Festivalgelände. Auf dem offiziellen Zugang, einer breiten Rampe, stauen sich in diesem Augenblick viele Tausend Menschen.
...
Plötzlich vor mir am Boden dieser riesige Menschenknäuel. Körper stapeln sich übereinander, Arme rudern, Lippen schnappen nach Luft, Schrecken in vielen Augen. Ein blondes Mädchen beruhigt einen jungen Mann, der verzweifelt schreit. Ein dicker Glatzkopf stemmt seine Kamera in die Höhe, als ob er sie beschützen wollte. Neben mir bückt sich ein Polizist zu einem Kopf, der aus dem Knäuel ragt. Er redet auf ihn ein. Noch nie habe ich in so viele Gesichter der Panik geblickt. Ich frage ein Mädchen in Malteser-Uniform: „Kann ich helfen?“ Sie nur: „Nein, aber halten Sie sich von der Treppe fern.“
...
Die steinerne Treppe wird noch voller. Einige turnen leichtsinnig am Geländer. Eine Polizistin mit blondem Zopf versucht am oberen Ende, den Irrsinn zu regeln. Warum sperren sie diese paar Stufen nicht!?
Niemand will hier fliehen! Es ist doch nur eine Abkürzung nach oben ...
...
Die Menschenwelle presst mich weiter, hinauf zum Festivalgelände. Hier schwitzen die Körper, sie sind im Glücksrausch. Auch Alkohol und die Droge Ecstasy gehören zur Loveparade.
einen guten, relativ neutralen bericht über die abläufe im vorfeld und am tag der loveparade gab es gestern auf sat 1, focus tv reportage (http://www.moviepilot.de/broadcasts/focus-tv-reportage-4) - leider ist sie noch nicht im netz verfügbar...