Ich schmeiß hier nicht mit Vorurteilen um mich. Daß ich mir für 30.000 Euro was anderes als Du gekauft hätte steht außer Frage, aber die alten Benze sind weder langweilig-teutonisch, noch überhaupt typisch deutsch. Das sind für mich in erster Linie Audi und VW.
Daß meine angeblich arrogante Aussage bloß eine Reaktion auf Sprüche a la "alte Benz-Schleuder" etc. darstellt, scheint Dir auch nicht klar zu sein.
Es gibt ja immer eine objektives und eine subjektive Sicht der Dinge. Bloß wird von den angeblichen Rittern des sonnigen automobilen Lebensgefühls (ja, AUCH italienische Autos haben Schwächen der verschiedensten Arten....) oder des renitenten deutschen Kleinbürgergeschmacks (lieber was "bodenständiges" wie ein Polo, was zwar die doppelte Versicherung kostet, aber ein Mercedes ist ja ein Angeberauto und das wird aus Prinzip nicht gefahren...") immer wieder verleugnet, daß auch für einige Mercedes-Modelle mehr spricht als nur Qualitätsargumente.
Besonders der 124er ist ein im Detail stilvolles (wenn niemand dran gebastelt hat und Farbe/Innenausstattung nicht gerade von Geschmacksverwirrten bestellt wurden) und sehr charaktervolles Auto, das in einem gewissen Sinne High-Tech und Avantgarde der 80er Jahre verkörpert, und keineswegs eine biedere, langweilige, urdeutsche Nazischüssel (sorry, der Vergleich mit dem KDF-Wagen geht mir massiv auf die Nerven!).
Trotz des chicen, von allen gemochten V40 fahre ich lieber den alten Benz, da fühle ich mich zu Hause, das Fahrgefühl hat etwas einmaliges, und die liebevolle und detailreiche Innenraumlandschaft läßt mich an einen leider mittlerweile Vergangenheit gewordenen technokratischen Stil denken, dem man höchstens noch in der verschlafenen ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn und dem Frankfurter Flughafen begenet.
Viele Autos haben ihre eigene Stilwelt, viele haben auch gar keine. Aber der penetrante Versuch, als jemand, der keine Ahnung von der Materie hat, Mercedes mit Vorurteilen abzuqualifizieren, und in eine Schublade zu stecken, in die höchstens der VW Passat gehört, das nervt mich schon gewaltig.
Ich spreche ja niemandem ab, mit seinem Lancia glücklich zu sein, obwohl mir zB der Alfa 156 SportWagon um Klassen besser gefällt, und ich niemals soviel Geld dafür ausgegeben hätte, sondern ich wehre mich nur dagegen, selbst in eine Schublade gesteckt zu werden.
Wenn man den Thread aufmerksam liest, merkt man nämlich, daß viele Leute, die sich zu BenzDriver´s Vorschlag geäußert haben, lediglich Klischees vorgebetet und technische Unrichtigkeiten behauptet haben. DAS geht mir auf die Nerven.
Außerdem bin ICH nicht derjenige, der persönlich wird und Klischeevorwürfe an den Start bringt, aber ich darf mich als typisch deutschen engstirnigen Menschen beschimpfen lassen, nur weil ich gerne meinen alten Benz fahre.
Also nochmal für die Klientel, die gerne mit Lifestyle-Klischees kuschelt: So deutsch kann ich gar nicht sein, ich fahre schließlich voll den knuffigen Nette-Leute-Intellektuellen-Volvo. Aber ganz ehrlich, der ist zwar nicht schlecht, aber echt auch nicht soooo toll, der alte Benz ist besser und mir um Längen lieber!
Als besonders unverschämt finde ich im dem Zusammenhang den durchklingenden Vorwurf der rechtsgerichteten Deutschland-Arroganz. Der KDF-Wagen, die 2. Klasse Ausländer-Karre, aha... Auf das Niveau hast DU Dich begeben, Stefan. Von deutsch oder nicht deutsch war bei den Autos gar nicht die Rede. In die Gruppe dieser teuren Mittelklasse-Neuwagen gehört Dein Lancia genauso rein wie mein Volvo oder ein Audi A4 oder ein 3er BMW. Das sind keine Top-of-the Range-Autos, aber kosten trotzdem ein Schweinegeld, zumindest als Neuwagen. Ich habe den Volvo als Jahreswagen günstig bekommen, aber bereue heute, daß ich mir von dem Geld kein W124-Coupé oder Cabriolet gekauft habe.
So, genug der Diskussion, jeder Auto-Thread artet so aus, es gibt auch immer einen Kreis von empfindlichen Leuten, die mit Klischees nur so um sich werfen, aber selbst so sensibel sind wie eine Mimose. Heute zähle ich ausnahmsweise mal dazu, aber nicht aus charakterlichen Eigenheiten sondern schlicht und ergreifend aus Langeweile.
Soll sich jeder seinen Teil denken und sich sein Auto kaufen, Streiten sollte man eher über andere Themen. Aber entdecke ich da etwa eine kleine typisch deutsche Neigung, sich bei klassischen Stammtischthemen zu ereifern?