Na wie schön das wir hier auch Experten für neuseeländische Staats-, Straf- und Verfassungsrecht bei TT haben... *seufz*
Das Territorialitätsprinzip interessiert zugegebenermaßen die USA in vielen Bereichen relativ herzlich wenig - wer aber so dämlich ist wie die Herren von Megaupload einen Server in den USA (Virginia) zu betreiben der liefert den Behörden damit ja sogar noch eine Steilvorlage, denn für Straftaten gilt nun mal nach allgemeinem und internationalen Rechtsverständnis, dass das Land auf dessen Gebiet die Straftat verübt worden ist auch die Möglichkeit haben muss diese verfolgen zu lassen - unabhängig davon welche Staatsbürgerschaft der Täter hat oder wo auf der Welt er sich gerade verkriecht. (Und wenn die neuseeländische Polizei vor der Tür steht sich mit einer illegalen Waffe in einem Panic Room zu verkriechen zeugt auch nun nicht gerade von gesundem Menschenverstand oder der inneren Überzeugun nichts unrechtes getan zu haben...).
Und ja die Summe die von den US Behörden als etwaiger Schaden für die Rechteinhaber proklamiert werden sind mit Sicherheit überzogen keine Frage, genauso ist aber das pawlowsche Verhalten einiger Befürworter solcher Tauschbörsen schlicht lächerlich.
Wenn ich einen Song oder einen Film so schlecht oder uninteressant finde das ich ihn nicht im Kino sehen will oder nicht mal bereit bin die 50 Cent in der Videothek oder die 79 Cent bei Itunes zu bezahlen warum zum Geier muss ich ihn mir dann irgendwo illegal saugen - denn für umme schaut oder hört man sich das dann doch gern an?
Wer sich über die gebotene Qualität (oder eben das fehlen derselben) echauffiert sollte bedenken das eine Verbesserung nur eintritt wenn eben solch qualitativ minderwertiges Zeug komplett mit Ignoranz gestraft wird. Solange auch so vermeintlicher Schund massenhaft gedownloaded wird ist das doch ebenfalls nur wieder die Steilvorlage für die Industrie hier mit dem Finger auf die Filehoster zu zeigen getreu dem Motto: "Wenn der Song x-Millionen Mal für lau runtergeladen wird kann er ja gar nicht so schlecht sein wie immer behauptet wird..."
Verweigert man aber den Machern jegliche "Anerkennung" in dem die Ware in die Läden und kostenpflichtigen Downloadportalen sprichwörtliche versauert ohne das durch die Hintertür der Kram doch massenhaft verbreitet wird erst dann wird dort ggf. ein Umdenkprozess starten und sowohl das Angebot als auch die Art ver Vermarktung überdacht werden.
Ganz davon ab zeigt diese ganze Kiste mal wieder Bipolarität der Internetgemeinde:
Bei der Causa Guttenberg machten sich hunderte auf die Suche nach etwaigen Plagiaten (was im Ergebnis ja auch nichts anderes als ein Urheberrechtsverstoß gewesen ist) und es haben sich eine Vielzahl von Leute erblödet KTG auch noch wg. solcher Verstöße offiziell anzuzeigen.
Wo ist denn hier - wenn man denn so argumentieren wollte wie es hier vielfach getan wurde - der materielle Schaden für die Autoren der Werke bei denen sich KTG bedient hat? Normalerweise hätte sich doch kein Mensch für die Aufsätze und Bücher über diese stinklangweilige Thematik interessiert noch wird die Doktorarbeit von KTG auch nur einen Menschen davon abgehalten haben sich dieses Buch zu kaufen. (Vielmehr müsste man hier ja eher mal durchrechnen wie viel Geld die Autoren der Vorlagen jetzt durch die ganze Äffäre mehr gemacht haben weil sich überhaupt mal jemand für ihre Publikation interessiert.)
Oder wie hätte der aufgebrachte Internetmob reagiert wenn KTG vor die Presse getreten wäre und gesagt hätte: "Ja ich habe abgeschrieben, dass habe ich allerdings in den USA getan und nicht hier in DE - Ihr könnt mir also gar nichts ÄTSCH..."
Insofern sollte man Urheberrechtsverletzungen nicht immer nur dann hochstilisieren wenn es einem gerade in den Kram passt und bagatelisieren wenn es einem ungelegen ist (weil man so ab und an doch gern auch selbst was saugt...).