Zitat
Original geschrieben von stanglwirt
Irgendwie finde ich es taurig, wenn jemand "Leben" dadurch definiert bzw. im Leben geradewegs nix anderes hat, als ständig sein Leben zu riskieren.
Siehst Du - und das ist eben genau der Grund weswegen man differenzierter die Frage nach dem:
"Warum macht jemand so etwas?" bzw. der Motivation stellen muss wenn man verstehen möchte was solche Menschen antreibt. (Verstehen heißt dabei ja nicht gleich, dass man das auch toll finden muss).
Es gibt da ja haufenweise Untersuchungen sowohl auf psychologischer Ebene als auch aus dem Bereich der Genetik die sich um das Thema "Extremsport" drehen. Und da hat man eben sehr differenzierte Betrachtungsweisen im Hinblick auf die intrinsischen und extrinsischen Motive bis hin zu dem Nachweis einer anderen "Körperchemie" bzw. das bestimmte chem. Prozesse im Körper anders ablaufen etc..
Es besteht in der Wissenschaft und Forschung weiterhin einheitlich die Auffassung, dass die intrinsischen Motive dabei überwiegen wobei es eben nicht (nur) um den "Thrill "geht. (Dazu habe ich ja weiter oben auch schon was verlinkt.)
Außenstehende mögen Risikosportler so wahrnehmen, dass diese das Risiko per se suchen aber auch hier sind die Studien dazu sehr deutlich: Das Ausmaß des Risikos wird durch die individuelle Einschätzung der eigenen Fähigkeiten bestimmt. Keiner dieser Sportler würde ein Projekt machen von dem er nicht glaubt dieses auch lebend überstehen zu können - da wird im Zweifel einmal mehr als einmal weniger abgebrochen. Denn natürlich wollen die wieder heile nach Hause kommen.
Wer Jahre oder Jahrzehnte trainiert hat um seine Fähigkeiten zu erweitern und an den Punkt zu kommen an dem er ist hat kein Interesse daran das einfach so "wegzuwerfen". Und das widerlegt ja auch die Ansicht man würde das ja nur machen weil man auf "Ruhm und Geld" aus wäre.
Du wirst keinen Free Solo Kletterer finden der Dir sagen wird: Ich habe bei Youtube da ein Video gesehen und fand das cool, außerdem kann ich damit Kohle verdienen und werde "berühmt". Dafür ist die Zeit (Jahre) und der Aufwand den man da reinstecken muss zu hoch (und die Motivation wenn man die ersten Male von der Wand oder aus dem Fels gefallen ist lässt dann bei potentiellen Nachahmern sehr schnell nach...).
Es mag für Dich traurig sein, dass jemand so lebt - aber diese Menschen sind (auch das ist hinreichend durch Studien immer wieder nachgewiesen worden) sehr glücklich, zufrieden und ausgeglichen und haben eine sehr positive Einstellung (ja auch zum Leben).
Wenn Du jetzt sagst: Komm Junge lass den Kram sein, hier hast Du ein Haus, einen Bürojob und eine Familie - dass reicht zum glücklich sein, dann würdest Du diese Menschen um ihren Lebensinhalt bringen was sicherlich mit entsprechenden depressiven Stimmungen und dann im worst case in einem "echten" Selbstmord endet.
Wäre genauso als wenn man sagt (auch wenn der Vergleich ein wenig hinkt): Ich finde es traurig wenn jemand Schwul/Lesbisch ist - er/sie könnte doch in einer "normalen" Beziehung viel glücklicher sein.
Menschen sind nun einmal von Natur aus unterschiedlich und es gibt keine Patentlösung zum "Glücklichsein" die man allen überstülpen könnte. Wie gesagt - heißt nicht das man das alles super finden muss was andere so machen, aber sollte man eben auch nicht nur von sich selbst auf andere schließen.