Zitat
Original geschrieben von BigBlue007
In den beiden Links lese ich ganz exakt die Art von Argumenten, aufgrund derer wir eben DOCH einen Mindestlohn brauchen, weil die Mechanismen des Marktes hier nicht funktionieren. Genau dies geht aus beiden Links deutlichst hervor, insbesondere aus dem Ersten. Das Gelabere dieser Tussi, die das Tinkgeld als Lohnbestandteil verstanden haben will, ist unerträglich. Wegen genau solcher Leute brauchen wir einen staatlich verordneten Mindestlohn.
So unterschiedlich können Auffassungen sein.
Was kann man aus den Artikeln rausholen:
Eine Friseurin bekommt in Thüringen 3,18 € Stundenlohn.
Daneben bekommt sie 30 % des Umsatzes pro Stunde wenn dieser über 12 € liegt.
Im Durchschnitt kommt ein Berufsanfänger auf 30 € Umsatz die Stunde.
Heißt auf die 3,18 € kommen noch 30 % von 18 € also 5,40 €. Macht ein Brutto von 8,58 € und liegt damit 1,08 € über dem viel diskutierten Mindestlohn von 7,50 €.
Trinkgeld als Bestandteil des Gehalts zu sehen ist so sicherlich nicht unbedingt sinvoll (zumal dieser Betrag in den meisten Fällen eh "schwarz" eingesteckt wird), es kommt aber eben noch mal on top, hier 10 - 20 % des Stundenumsatzes, also zwischen 3-6 €. Rechnet man mal vorsichtig mit 4 € die Stunde auf die 8,58 € drauf (und das ist eigentlich ja schon netto) dann sind aus den 3,18 € mal eben 12,58 € geworden. Macht knapp 2000 € brutto (oder 1900 € brutto + 100 € netto Trinkgeld).
Warum muss da jetzt so zwingend der Mindestlohn her? Sonst wird immer gefordert mal solle Mitarbeiter am Unternehmenserfolg beteiligen, hier wird das 1:1 über die Umsatzbeteiligung gemacht und das ist dann plötzlich wieder schlimm?
Was passiert wenn man also medienwirksam 7,50 € oder auch 8 € brutto die Stunde erzwingt?
1.) Die Umsatzbeteiligung wird kleiner ausfallen oder gestrichen
2.) Anders als bisher muss der Salon diese Kosten auf jeden Fall tragen, egal ob Umsatz da ist oder nicht. Wenn der Laden nicht läuft was wird der Inhaber dann tun? Genau sich von den "Kostenfaktoren" trennen
3.) Bei 160 Std./Monat und 8 € kommt die Angestellte dann auf 1280 € brutto und 100 € Trinkgeld hat im Endeffekt also noch weniger Geld als vorher in der Tasche.
Wem soll so ein Unsinn denn da wirklich helfen? Dem Besitzer sicher nicht und "dem kleinen Mann" doch erst recht nicht. Diese ganze Debatte um Mindestlohn wird viel zu indifferent geführt. Weder ist so etwas der Untergang des Abendlandes aber eben genauso wenig der ultimative Heilsbringer.