Vergleiche zu anderen Berufen mit ähnlicher Qualifikation sind durchaus angebracht um ein realistische Bild dessen zu vermitteln was man eben mit so einer Qualifikation durchschnittlich an Gehalt erreichen kann. Ich bezweifele, dass sich 500 Jobs finden lassen die mit der Kombi "Realschule & 3jährige Ausbildung" deutlich mehr (Einstiegs-)Gehalt als irgendwas +/- 2.000 € brutto bringen.
Und das ist im Verhältnis eben kein "geringes" Gehalt sondern schon ordentlich Geld.
Und das Argument, dass man mit so einem Gehalt keine Familie ernähren könne kann man so auch nicht stehen lassen. Bei ca. 1.550 € netto + Kindergeld hat man rund 1.700 € zur Verfügung. Das man davon keine 10köpfige Familie ernähren kann ist klar, aber 3 Personen kann man damit imho durchaus anständig durchbringen ohne am Hungertuch nagen zu müssen. Natürlich muss man sich auch hier irgendwo einschränken, 2x im Jahr in Urlaub und 2 Autos sowie ein schickes Eigenheim sind dann eben nicht sofort drin, aber das kann nicht das Problem des Arbeitgebers sein.
Denn sonst könnte im Prinzip ja jeder Berufszweig sagen, dass die eigene Familien planung und sonstige materiellen Wünsche durch den eigenen Job nicht finanzierbar seien weswegen man dringend mehr Gehalt bräuchte. Man kann sich und seine (Familien)Pläne eben soweit verwirklichen wie es der eigene finanzielle Spielraum zulässt und wenn man sich für einen Job entscheidet weiß man auch vorher wie die Entlohnung dafür ist. Wer gleich von Anfang an deutlich mehr verdienen will muss halt schauen in wie weit die persönlichen Voraussetzungen dafür ausreichend sind.
Und was die Pilotenkiste angeht: Ja es ist theoretisch auch möglich eine ATPL Lizenz ohne Abitur zu machen, wenn man sie denn selbst bezahlt (ca. 50.000 €) nur das können in der Praxis wohl den wenigsten und einen Kredit dafür gibt es auch nicht einfach so weil eben diese Absolventen im Vergleich zu ihren Kollegen die von einer Airline ausgebildet wurden auch nicht immer die besten Berufschancen haben.
Aber um das noch mal klarzustellen bevor ich hier wieder böse PN bekomme:
Es steht außer Frage das die GDL berechtigt ist höher Löhne für ihre Mitglieder zu fordern, imho stellen sie sich dabei aber taktisch äußerst unklug an. Otto-Normalpendler der jeden morgen um 6 in der Bahn sitzt um zu seinem 40 Std. 1.500 € brutto Job zu fahren kennt die Details nicht sondern der hat eben nur die plakativen 30 % die ihm die Bildzeitung präsentiert.
Das derartige Foderungen jenseits aller Realität liegen sollte eigentlich jedem klar sein. Nur wenn z.B. die IG Metal sonst mit 10% in Verhandlungen geht wobei am Ende (erwartungsgemäß) irgendwas um 4% rauskommt ist das irgendwo noch nachvollziehbar.
Aber wenn man das Paket "30% mehr bei geringer Arbeitszeit und eigenem Tarifvertrag" und die vermeintlich fehlende Bereitschaft der GDL zu wirklichen Verhandlungen präsentiert bekommt beschleicht einen schon das Gefühl, dass die GDL ihre "Machtposition" viele Pendler und andere Kunden zu verprellen um die Bahn zu "erpressen" ausnutzt um sich mehr als eigentlich gerechtfertigt in die Tasche zu stecken.
Und wie ich schon ein paar Seiten vorher geschrieben habe: Auf Dauer wird sich weder die GDL noch die Bahn damit einen Gefallen tun. Um sich da längerfristig nicht ins eigene Fleisch zu schneiden sollten beide Tarifparteien mal ihren Sturkopf aufgeben und sich wieder gemeinsam an einen Tisch setzen um eine anständige Lösung für beide Seiten zu finden.
EDIT:
Wollen wir mal nicht wie Frau Merkel anfangen.