Ob und wie viele Jobs bei einem Mindestlohn über die Klinge springen darüber streiten sich die vermeintlichen Experten ja schon lange. Einig ist man sich im Wesentlich eigentlich nur darüber, dass es eben keinen Sinn macht pauschal einen deutschlandweiten Mindestlohn vorzuschreiben ohne dabei regionale und strukturelle Unterschiede zu berücksichtigen.
Fakt ist aber auch - und das wird in dieser ganzen Diskussion gern vergessen: Das ganze Geschrei um die armen "Aufstocker" die ganz dringend einen Mindestlohn bräuchten geht am Ziel vollkommen vorbei. Ein Großteil der Aufstocker (> 80%) arbeitet Teilzeit, stunden oder tageweise.
Denen ist auch mit einem Mindestlohn nicht geholfen, sie werden weiterhin Transferleistungen beziehen müssen.
Von denen die Vollzeit arbeiten und aufstocken müssen haben 75% dann noch eine Familie zu versorgen, auch hier hilft der Mindestlohn - egal ob jetzt 7,- 8,- oder 9 ,-€ - nicht um diese Personen aus den Transferleistungen raus zu bekommen. Im Endeffekt haben wir also gerade mal knapp 70.000 Personen (von ca. 1,4 Millionen) bei denen am Ende ein Mindestlohn dazu führen könnte dass sie nicht länger aufstocken müssen. Wie viele dann wirklich hiervon profitieren...???
Und dabei ist noch nicht mal gegengerechnet wie viele Jobs dann wegfallen und damit dann der Aufstocker zum 100% Empfänger wird.
Wenn man wirklich was für die Aufstocker tun wollte bräuchten man vor allem:
a] mehr Arbeit, d.h. mehr Vollzeitstellen und
b] einen Mindestlohn irgendwo jenseits von 16-18 € die Stunde
Bei so einem "zwangsweise" verordnetem Gehaltsgefüge muss man sich dann aber keine Gedanken mehr über den "Niedriglohnsektor" machen - das hier dann etliche Jobs über die Klinge springen (um damit neue Transferleistungsbezieher zu produzieren) das haben selbst die Damen und Herren von der Linken verstanden.
Insofern: Schluss mit Stundenlöhnen von 3-5 ,- €? Ja keine Frage, aber bitte nicht so tun als würde sich durch einen Mindestlohn von 7 oder 8 € das generelle Problem damit dann in Luft auflösen.