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Original geschrieben von Shani Ace
Wäre es nicht viel besser, wenn überhaupt nicht danach geforscht werden würde (also Viren, wie sie im Bericht Am Anfang des Threads erwähnt sind)?
Mögen die Terroristen das machen (die werden ja direkt als unrational abgestemelt), auch wenn ich nicht so recht daran glaube, dass die da wirklich so extrem im Bio-Sektor aktiv sind, aber die "rationale" USA könnte es doch sein lassen, und eben genau nicht nach solchen unnützen Viren forschen. Es greift da die altbewährte Frage "Wenn einer von der Brücke springt, machst du das auch?". Wenn die Terroristen vermeintlich etwas Falsches tun, muss ein "demokratischer" Staat dann das Gleiche, immer noch Falsche tun? Nein!
Natürlich wäre es besser, wenn keiner mit biologischen Waffen experiementiert (gleiches gilt genaugenommen für alle Waffen), das steht außer Frage. Die Frage ist immer, was mit den Forschungsergebnissen passiert - nicht die Forscher sind diejenigen, die mit ihren Erkenntnissen die Gefahr darstellen, sondern die Entscheider, die Regierenden bzw. Herrschenden der Staaten, Stämme usw.
Ich will mich auch nicht in die Position geben, dass die jüngsten Entscheidungen der USA immer "richtig" waren, das sind sie sicher nicht, Fehler werden auch von Bush & Co. gemacht. Aber wenn man in Betracht zieht, dass es nicht übermäßig kompliziert bzw. aufwändig ist, bestimmte Waffen zu erforschen, wie es bei Bio- im Gegensatz zu Atomwaffen der Fall ist, dann kann man dem Spiegelbericht auch durchaus positive Seiten abgewinnen, die natürlich nicht nach jedermanns Wertung die negativen Aspekte überwiegen müssen. Ich sehe gewisse Parallelen zur Aufrüstung im Kalten Krieg, die von der Gefahr her eine Bedrohung für weite Teile der Menschheit darstellte. Allerdings gab es für die USA keine wirkliche Alternative, auch wenn etliche Pazifisten der Meinung waren, da nunmal ein Gegenpol da war, und im Zuge der gegenseitigen Aufrüstung immer ein Gleichgewicht erreicht werden konnte.
Man mag argumentieren, dass die pazifistischen Aktivitäten dann sinnvoll gewesen wären, wenn es Gleiches auch im Ostblock als Korrektiv gegeben hätte, nur gab es soetwas eben nicht im totalitären Regime. Genauso wie momentan keine kontrollierende Opposition bei den plakativ als "Schurkenstaaten" bezeichneten "Gegnern" der westlichen Welt gibt. Wie problematisch das Herbeiführen eines Gleichgewichts ist, sieht man leider fast täglich in den Nachrichten aus dem nahen Osten dokumentiert, wobei hier wohlgemerkt keine Diktatoren sondern legitimierte Volksvertreter am Werk sind.
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Original geschrieben von Shani Ace
Ach ja, noch eine Frage an Joe2:
Was ist denn überhaupt daran falsch, in einem Magazin wie dem Spiegel subjektive Beiträge zu bringen? Ist denn nicht jedes politische Blatt in einem gewissen Sinne subjektiv? Ist nicht jeder Bericht schon gleichzeitig eine Art Kommentar? Denn letztendlich ist es nur so, wie es der Verfasser aufgefasst hat, verfasst (wow, was für ein Satz).
Die Grenzen zwischen Kommentar und Bericht sind oft fließend, das ist leider wahr, genauso hat jedes Magazin und jede Zeitung eine weltpolitische Grundausrichtung, das will ich auch nicht anzweifeln. Im Falle des Spiegels jedoch ist die Art und Weise der Darstellung stark wechselnd, auffällig war das bspw. vor der letzten Wahl: regierungskritische Artikel gab es nicht, Stoiber-kritische dafür zuhauf, jeweils bestückt mit Bildern, die oft unvorteilhaft waren, auf denen er auch ohne Lesen des Artikels einfach unsympathisch sein musste.
Um nochmals zum ganz am Anfang genannten Spiegel-Artikel und dem zugehörigen ersten Beitrag im Thread zu kommen: was im Artikel leicht kritisert wird, ist im Beitrag schon eine handfeste Bedrohung durch die Übermacht der USA, die mal wieder "mit dem Feuer spielen".
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Original geschrieben von Shani Ace
Würdest du ferner behaupten, dass z.B. der Fokus nicht subjektiv wäre? Entdeckst du dort in den "Berichten" keine starke Tendenz zu konservativen und bspw. eine unterschwellig geäußerte Anti-Rot-Grün-Einstellung? Oder siehst du dieses Magazin genauso kritisch wie den Spiegel (im umgekehrten Sinne)? Das würde mich mal interessieren.
Auch den Fokus sehe ich kritisch, viele Dinge werden stark verkürzt und verpackt mit einer politischen Aussage dargestellt. Gleiches gilt auch für die Tageszeitungen, wie FAZ, Süddeutsche, Welt & Co., wobei aber natürlich klar ist, dass das Maß der Kritik bei Dingen, die der eigenen politischen Auffassung entsprechen, geringer ausfällt. Leugnen lässt aber ebenfalls nicht, dass insbesondere die FAZ & Süddeutsche bei weitem nicht so ein Kuddelmuddel aus Meinung und (objetivem) Bericht machen, wie es der Spiegel praktiziert.