300 oder: spartanische Verse
300
Eieiei...was musste man im Vorfeld zu diesem Film alles lesen: faschistoides Herrenmenschengetue in bester Leni Riefenstahl Manier, Propagandafilm der USA im Kampf der Kulturen, martalisches-dummes Gemetzel...bla bla bla.
Das übliche Kritikergedöns also. 
Und weshalb nun die ganze Aufregung?
Wegen 116 Minuten Kampf David gegen Goliath bzw. 300 Spartaner gegen geschätzte 170.000 Perser. Oder eben kleiner Film gegen Kritiker-Übermacht.
Den Verleih wird diese Publicity freuen, dem Film werden derlei Kritiken ohnehin (wie fast zu erwarten war) nicht gerecht. Sie schießen einfach meilenweit über das Ziel hinaus.
Denn letztlich hebt sich 300 vor Allem durch eines aus dem Meer der neuzeitlichen Sandalenfilme hervor: seine düstere Optik und seine Bildgewalt (vorrangig während der Schlachtszenen [small](die Zweideutigkeit ist in diesem Falle durchaus angebracht)[/small].
Insbesondere der zur Abwechslung mal sinn- und stilvolle Einsatz von Slow-Motion macht die Kämpfe zu einem optischen Leckerbissen.
Als _übermäßig_ blutig und grausam empfand ich den Film übrigens nicht, vor Allem wegen der eher stilisiert (und zT überzogen) wirkende Darstellung [small](leicht Sepia-haft, düster, farbarm,...)[/small].
Und sonst so?
Nunja. 300 ist letztlich eine auf Zelluloid gebannte Heldensage mit all ihren Übertreibungen, Theatralik und Pathos, und genau das wird auch hervorragend rübergebracht.
Sei es durch die wenigen, dafür oft umso pathetischeren Monologe/Dialoge (bloß nicht über alles nachdenken, was die so von sich geben ;)), sei es durch abstrus überzeichnete Charaktere (insbesondere die Truppen von Xerxes bzw. generell den Gegensatz gut - böse) oder aber eben durch eine sehr reduzierte Optik [small](die digital erschaffenen Kulissen wirken zum Glück nicht ganz so billig, wie ich anfangs befürchtet hatte. Die zT künstlich erschaffenen Adoniskörper ("Ey Alter, gib ma 'n 6-Pack rüber!") dafür umso mehr. :D)[/small].
Der Fokus liegt eindeutig bei Leonidas und seinen jungen Wilden, die sich mit aller Kraft einem übermächtigen Feind entgegenwerfen [small](und mit lautem "Hurra!" und geröcheltem "Danke für diesen tollen Tod!" in eben selben gehen)[/small].
Die Schlacht macht natürlich den Hauptteil des Filmes aus, nichtsdestotrotz wurde auch noch eine Nebenhandlung mit eingewoben, die Intrige gegen Leonidas nämlich.
Auch hier eine Menge alleinstehender Hauptsätze und gepflegtes Phrasendreschen, dazu ein paar nette Nippel und noch mehr versteinerte Gesichter in Großaufnahme. Etwas langatmig bisweilen, aber erträglich.
Die übliche antike Verschwörung eben.
Zurück zum Wesentlichen, der Schlacht also.
Die wird einfach nur phänomenal in Szene gesetzt, ein beeindruckendes Gemetzel in kühl-verkünstelter Optik. Ein Augenschmaus für Ästheten, die sich nicht an abgetrennten und durchbohrten Körperteilen stören.
Das Ganze untermalt von einem bombastischen Soundtrack, der sich ungeniert bei großen Vorbildern (Gladiator, Black Hawk Down, etc.) bedient, aber dennoch nicht billig wirkt.
Im Gegensatz zu einigen Szenen, die entweder leicht lächerlich (Leonidas nackt am Fenster...der Tür...der fehlenden Wand [small](wie auch immer man das genau nennt)[/small]) oder schlichtweg geklaut wirken (Auch ein blinder Regisseur dreht mal im Korn ;)). Aber sei es drum, letztlich tut das der Unterhaltung keinen ernstzunehmenden Abbruch.
Und genau das tut der Film [small](mehr will er meiner Meinung nach ohnehin nicht)[/small]: unterhalten, und zwar bestens!
Man darf ihn gerne auch doof und albern finden, zu gewalttätig oder inhaltsleer, historisch falsch oder dergleichen.
Keinesfalls aber sollte man ihm irgendeine ideologisch-politische Absicht unterstellen, es ist und bleibt schlicht eine Comicverfilmung [small](Was ebenfalls ein Grund für die eher raren Worte sein dürfte. Bilder statt Worten quasi.)[/small].
Und angesichts der eher mauen bis miesen Comicvorlage ist es umso erstaunlicher, dass so ein prachtvoller Film daraus geworden ist.
4/5 Punkten
P.S.: Die deutsche Synchronisation empfand ich eigentlich als ganz ansprechend, wenn auch speziell Leonidas' Synchronstimme nicht an das Original heranreicht.
Viel nerviger fand ich, dass "Spartans" mit "Spartiaten" übersetzt wurde. Ist zwar inhaltlich richtig, kling aber halt Scheiße. 