Re: Re: Wie weit fahrt Ihr zur Arbeit?
Zitat
Original geschrieben von indiana1212
In der heutigen bzw. momentanen Zeit kann man sowieso froh sein, einen Job zu haben. Da darf sich die Frage mit der Entfernung gar nicht stellen.
Diese Frage darf sich sehr wohl stellen, auch heutzutage. Wenn jemand bei 5km schon große Augen bekommt, sollte diese Person ihre Einstellung sicherlich überdenken.
Wenn es aber um 200km am Tag und, was bei Vielen viel ausschlaggebender sein dürfte, um insgesamt 4 Stunden mehr oder minder "verlorene" Zeit geht, dann sollte man sehr wohl auch die Frage nach der Verhältnismäßigkeit stellen dürfen.
Wie ich schon sagte: Wenn man an einen Punkt kommt, an dem man nur noch arbeitet, um sich die Arbeit leisten zu können, kann ich es sehr wohl verstehen, wenn man letztlich seinen aktuellen Job ernsthaft in Frage stellt.
Und nicht jeder kann einfach mal umziehen bzw. ist bereit dazu, in erster Linie dürfte es Leute betreffen, die eben schon eine Familie mit Kindern haben.
Und, und an dieser Stelle muss ich tatsächlich mal meine sozialdemokratische Seite herauskehren, es kann und darf nicht sein, dass sich die Arbeitnehmer mit dem Argument der "Flexibilität" von den Arbeitgebern ständig erpressen lassen müssen.
Keine Frage: heutzutage muss man eine andere, eine flexiblere Arbeitseinstellung an den Tag legen, als es vor ein paar Jahrzehnten der Fall war. Aber für alles muss es auch Grenzen geben (dürfen).
Und wenn, bedingt durch lange Arbeitswege und die daraus resultierende Nutzung von Verkehrsmitteln aller Art, solch hohe Kosten entstehen, dass am Ende des Monats kaum Geld zum Leben übrig bleibt, dann stimmt definitiv etwas nicht. Und sich dann die Frage nach einer beruflichen Alternative (zumindest hisichtlich des Arbeitsortes) zu stellen hat auch dann nichts mehr mit fehlender Flexibilität zu tun.
Und wie schon angesprochen wurde: die Wenigsten haben wirklich gut bezahlte Jobs, für die es sich ernsthaft lohnt, auch stärkere Einschränkungen in Kauf zu nehmen. Wenn jemand eben nur 1.500,- brutto (ja brutto, und in den hiesigen Breitengraden ist das schon ein verhältnismäßig gut bezahlter Job) im Monat verdient, davon aber eben auch noch eine Familie zu ernähren hat, dann sind ein Auto (ganz egal, wie "preiswert" es sein mag) oder ständige Bahnnutzung eben einfach massive Kosten, die man nicht mal eben so aus der Portokasse zahlen kann. Wenn dann Kinder zuhause warten, sind 2 Stunden am Tag eben nicht "einfach so" hinzunehmen, es ist ein starker Einschnitt in das Privatleben.
Und dass es da durchaus Personen gibt, die eben all diese Dinge nicht in Kauf zu nehmen bereit sind, dann kann ich es durchaus verstehen.
Und wenn dann noch, wie nach meiner Erfahrung üblich, jede Menge unbezahlte Überstunden dazukommen, hört der Spaß ohnehin auf.
Sich aber zur Geißel der Arbeitgeber machen zu lassen, und das um wirklich jeden Preis, sehe auch ich selber definitiv nicht ein.