Letztlich ist es doch ebenso wie bei zB "Steuerhinterziehung" (als allgemeinem Oberbegriff für zT auch legale Einsparmöglichkeiten): Privatleute, die jede Möglichkeit nutzen, werden doch oft sogar schon als eine Art Held gefeiert, frei nach dem Motto: "Der macht's richtig und gönnt dem Staat kein Geld!"
Denn auch in diesem speziellen Falle könnte man ja eigentlich sagen: "Hey, der Kerl ist klasse! Wenn der Staat sich sowas gefallen lässt und mitspielt, dann braucht das ja nicht sein Problem sein. Der gute Mann nutzt nur die ihm gegebenen Möglichkeiten bestmöglich aus."
"Schuldige" sind in diesem Falle doch eigentlich auch eher der Arzt, der einen derartig abstrusen Attest ausgestellt hat, und ein Gericht, welches das Ganze anerkennt. Zusätzlich das zuständige Amt, welches aber genau genommen auch nur gewissen Vorschriften und Gesetzen Anwendung verschafft.
Fehlen tut eigentlich nur der gesunde Menschenverstand bei all diesen Entscheidungen.
Denn wie es hier schon mehrfach gesagt wurde: Eine pauschale Verurteilung von Sozialhilfeempfängern ist das Letzte, was uns weiterhilft.
Natürlich gibt es die klassischen Sozialschmarotzer, und dort wesentlich Härtere Zügel anzulegen, halte ich für absolut wünschenswert.
Denn wenn weniger Geld in solche Kanäle fließt, desto mehr steht prinzipiell den wirklich Bedürftigen zu.
Und ich kenne solche aus meinem direkten Umfeld.
Und wenn ich deren tägliche Kämpfe mit dem Sozi mitbekomme, dann kriege ich manchmal einfach nur die Wut.
Menschen, die wirklich auf finanzielle Hilfe angewiesen sind, werden behandelt wie der letzte Dreck.
Da werden rechtmäßig zustehende Gelder erst nach Wochen gezahlt, da das Amt gerade umzieht. :eek:
Da werden Zuschüsse für benötigte Dinge in einer Höhe gewährt, wo man sich ernsthaft fragen muss, auf welcher Grundlage die soetwas berechnen.
Und die abwertende Meinung Außenstehender zermürbt einem auf Dauer auch die Seele. Denn wenn ausgerechnet ein über 30-jähriger Dauerstudent ohne irgendeinen Abschluss (der einfach keinen Bock auf Arbeit hat, denn dumm ist er eigentlich nicht) bei einem Sozialhilfeempfänger von einem Sozialschmarotzer spricht, dann frag ich mich doch ernsthaft, ob da nicht jemand die Seiten verwechselt.
Und eines weiß ich gewiss: Auch wenn in Fernsehsendungen mit Vorliebe solche Fälle präsentiert werden, die regelrecht stolz darauf sind, auf Staatskosten leben zu können - einem gewissen Teil der Sozialhilfeempfänger ist es eigentlich absolut peinlich, auf derartige Hilfe angewiesen zu sein. Und solche Leute nehmen dann oftmals aus lauter Scham nichteinmal alle ihnen zustehenden Leistungen in Anspruch.
So long...