Tod und Teufel oder: Beim Sterben ist jeder der Erste.
Zitat
Original geschrieben von chico
Mich wundern alle, die eine gewisse Coolheit und Rationalität haben,
Dann gehöre ich wohl in diese Kategorie "wundersamer Mensch".
Denn insbesondere bei Leuten, die ich bis eben in keinster Weise kannte (den Namen Foe lese ich heute zum ersten Mal), kann ich schlichtweg weder Trauer, noch Mitleid, noch sonst irgendetwas empfinden.
Und ich bin auch ganz ehrlich: Genausowenig könnte ich jetzt irgendwelche "Anteilnahme" für die Hinterbliebenen heucheln, jedenfalls nicht guten Gewissens, überzeugend schon überhaupt nicht.
Als vor etlichen Jahren meine Großmutter gestorben ist, haben wir diese Nachricht damals am Frühstückstisch erhalten.
Das Sanatorium, wo sie zu einer Kur war, rief uns an und informierte uns, dass sie gestorben sei.
Ich habe es registriert, und dann wurde weiter gefrühstückt.
Und selbst während ihrer Beisetzungszeremonie war ich nicht imstande, irgendwie Trauer zu zeigen.
Während um mich herum alle geweint haben, saß ich nur da, bin irgendwann an den Sarg gegangen und abends auf der Trauerfeier haben wir dann auch alle wieder gut lachen können (Zumal es der Wunsch meines Großvaters war, dass eben keine Trauerstimmung herrschen sollte.).
Momentan kann es passieren, dass demnächst wieder jemand in der Familie sterben wird. Und obwohl es ein sehr naher Verwandter ist, ist an diesem Gedanken momentan nichts schockierend, deprimierend oder ernsthaft irgendwie beeinflussend für mich.
Das liegt auch keinesfalls daran, dass mich mit diesen Leuten nichts verbindet.
Es gibt einige Menschen, an denen mir sehr viel liegt.
Aber die, bei denen ich im Ernstfalle wirklich und aus tiefstem Herzen trauern würde, sind nur wenige.
Mag sein, dass mich viele jetzt als absolut gefühlskalt, unsensibel oder dergleichen einschätzen.
Und in einem gewissen Maße und in gewisser Hinsicht bin ich das auch, speziell eben bei Leuten, die ich nicht kenne, mit denen ich nichts zu tun habe, und die mich nie interessiert haben.
Aber letztlich geht jeder Mensch so individuell verschieden mit dem Thema um, dass man sich dabei auch etwas zurückhalten sollte, jemanden zu "verurteilen".
Gerade gestern habe ich erfahren, dass die Frau eines Arbeitskollegen meines Vaters ums Leben gekommen ist. Die Todesursache kenne ich nicht, es scheint aber wohl "unnatürlich" gewesen zu sein.
Noch vor 2 Wochen haben wir mit diesem Kollegen geplaudert, er hat von ihr und sich erzählt und auch ihr Geschenk zum 10ten Hochzeitstag gezeigt.
Und nun ist sie tot. Das er jetzt verzweifelt ist, kann ich sehr gut verstehen. Aber wirklich berühren tut mich das eben letztlich auch nicht.
Das ist weiß Gott keine Eigenschaft, mit der ich irgendwie "prahlen" würde, auf die ich stolz wäre oder weswegen ich mich nun für sonstwie "cool" halten würde.
Es ist einfach so, so bin ich.
Aber es gibt auch Menschen, die bei derartigen Ereignissen sehr viel emotionaler reagieren, auch wenn es sie persönlich eigentlich überhaupt nicht betrifft.
Und natürlich akzeptiere ich ihre Einstellung, denn das muss eben jeder für sich entscheiden.
BTW: Es heißt "Life must go on." 
In diesem Sinne...Hunde wollt Ihr ewig Leben?!