Von Menschen und Maschinen oder: Die Matrix - Irgendwann hat's Jeden mal...
Um den "philosophischen Matrix: Reloaded Thread" nicht zu sabotieren, schreibe ich dann hier mal meine Eindrücke zu dem Film.
Kurzfassung: Naja...
Langfassung:
"Matrix" war damals eine echte kleine Kinosensation: Die Effekte neu, bahnbrechend und perfekt in Szene gesetzt (und mittlerweile in ähnlicher Form in jedem 2ten Film zu sehen).
Der Look war in dem Sinne nicht neu, aber konsequent umgesetzt. Soll heißen: Nicht einfach nur Sonnenbrillen und lange schwarze Mäntel, auch das übrige Drumherum war einfach schlüssig. Eben der "Matrix"-Look.
Dazu eine intelligente Story, nicht gradlinig, dennoch fügte sich alles schlussendlich zusammen.
Aber "Reloaded" setzt in meinen Augen in keinerlei Hinsicht neue Maßstäbe, nein, der Film kann nichteinmal das Niveau des Originals halten (dass das Ganze immer schon als Trilogie geplant war, ist dabei vollkommen irrelevant).
Die Action, welche den ersten Teil zu einem maßgeblichen Teil bestimmte, war hier leider relativ flach und recht spärlich.
Sicher, dass "Matrix" kein reiner Action Film sein soll, ist mir bewusst.
Dennoch erwarte ich auch eine gewisse Kontinuität.
Hier aber wurde extrem viel geredet (zuviel für meinen Geschmack) und alles andere wirkte mir viel zu aufgesetzt, zu eingeschoben.
Ganz so, als sollte es eigentlich ein reiner Sprechfilm werden, aber den Fans zuliebe wurden, sofern es sich irgendwie mit der Story vereinbaren ließ, ein paar Action-Sequenzen mit eingebaut.
Die Effekte: War Teil eins wirklich handwerklich perfekt, so ist "Reloaded" insbesondere in diesem Punkt eine herbe Enttäuschung.
Zion und alle "normalen" Computeranimationen (zB. die Wächter, die Hovercrafts und dergleichen) boten auch diesmal keinerlei Anlss zur Kritik.
Aber gerade die Kampfszenen waren in meinen Augen eine ziemliche Zumutung.
So zB. die Szene Neo vs. Smith³ (nach dem Treffen mit dem Orakel).
Alles wirkte irgendwie billig animiert, viel zu oft waren die Effekte als eben genau solche auch zu erkennen und viel zu oft war Neo als eben dieser nicht zu erkennen.
Dann die so hochgelobte Highway-Szene. Andauernd überkam mich das Gefühl, am PC irgendein Autobahnrennspiel zu zocken. Die Crash's waren in erster Linie mal FX-Standard (das meine ich garnicht negativ), aber oftmals wirkten die Animationen einfach wie paar Nummern unter Niveau.
Die Flugszenen mit Neo passten so irgendwie garnicht zum bekannten Matrix-Look, sie machten auf mich einen ziemlich albernen Eindruck. Nur die Endszene war doch recht amüsant. Totzdem aber unpassend.
Ganz generell wirkte der Film unausgegoren.
"Matrix" hat einen eigenen Stil geschaffen, nur leider wurde der in "Reloaded" gleich wieder über den Haufen geschmissen.
War "Bullettime" eine der Innovationen des ersten Teils, so verkam das ganze diesesmal zur Farce. Es passte nicht. Dazu noch recht belanglose Kampfszenen, bei denen die Zeitlupe auch ziemlich bemüht wirkte.
Eine der wenigen Szenen, die mich etwas wehmütig an Teil eins erinnerte, war Trinity's Motorradszene, welches in das Wärterhäuschen kracht. DAS war Matrix.
Die "Technoszene" in Zion ist auch so eine Sache. Warum gab es sie? Wozu war das gut? Was wollen uns die Wachowsky's damit sagen? Wozu musste eine Liebesszene mit Neo und Trinity sein? Wozu?
Morpheus' Ansprache in Zion wirkte ebenfalls arg platt und seltsam ermüdend und albern.
Versteht mich nicht falsch. Ich habe kein Problem damit, dass eine Fortsetzung auch gewisse Neuerungen beinhaltet, auch bei der visuellen Darstellung.
Trotzdem darf bei alledem nicht das "Originalgefühl" verlorengehen.
Und "Matrix" war ganz entscheidend auch durch die Optik bestimmt.
Nur weil ein Film dem ersten Teil ähnelt, muss er doch nicht gleich eine billige Kopie werden. Denn allein die Story bietet doch genügend Stoff für Erneuerungen und Veränderungen.
Aber soetwas wie die Lobby-Szene fehlte in "Reloaded", "Bullettime" wurde nicht mehr in dem Maße und auch lange nicht in der Qualität eingesetzt, alles plätscherte in einem seicht dahinfließenden Strom aus Worten vor sich hin, die Coolness ging dabei leider komplett baden.
Stattdessen Menschenmassen in Pennerklamotten, dazu Mönche und Gewand-Träger.
Positive Lichtblicke: Mr. Smith (das Gesicht ist einfach genial) und ebenso der neue Agent (keine Ahnung, welchen Namen der hat).
Die Story wurde durchaus intelligent weitergeführt, bietet jede Menge Raum für Thesen, Antithesen und reichlich Spekulationen, Fragen des ersten Teils wurden zT beantwortet, neue Fragen in den Raum gestellt. Aber musste man wirklich alles so totreden dabei? Ich denke nicht.
Denn "Matrix" ist kein "2001", es ist kein hochgradig philosophisch angehauchtes und von hintersinnigen und tiefschürfenden Endlosdialogen zu Bette getragenes Machwerk für Pseudo-Interlektuelle Brainbugs.
"Matrix" ist eine geniale Mischung aus Action, Optik und Story. Ein Feuerwerk für die Sinne und ein Genuss für Fans verschiedener Filmgenres.
Leider ist "Reloaded" nur noch ein Schatten seiner selbst.
Immerhin kam wenigstens der Humor nicht zu kurz...
Ich bin gespannt auf "Revolutions", nicht nur wegen der Fragen zur Story.
Vielmehr noch wegen der Frage nach den Ursprüngen, der Frage, wo das eigentliche "Matrix"-Feeling geblieben ist.
In diesem Sinne...What is the Matrix? (Nie war diese Frage wichtiger und interessanter...)
P.S.: Die dem Film nachfolgende Reflektion über die Story führte zu der Erkenntnis: Liebe ist nur ein Knirschen im Getriebe. 