Krieg oder Frieden...
Um das Thema Irakkrieg kommt man ja im Moment nicht herum, auf allen Sendern laufen 24h lang Reportagen, Berichte, Diskussionsrunden.
Es ist ein seltsames Gefühl, die Bilder aus dem Irak zu sehen.
Es geht mir durchaus nah, trotzdem bin ich seltsam distanziert.
Selbst in geselliger abendlicher Kneipenrunde dominiert dieses Thema.
Raushalten ist nicht, auch wenn ich es versuche, da ich einfach die Diskussionen leid bin.
Nicht, weil es mich nicht interessiert oder mir gar egal wäre, sondern einfach, weil die Gespräche meist auf dem immer gleichen Niveau ablaufen: Bush ist ein Diktator, Bush ist der neue Hitler, Ami's sind alles Schweine und Idioten, bla bla bla...
Ich kann es einfach nicht mehr hören.
Das ganze Thema ist dermaßen umfassend, kompliziert und undurchsichtig, dass es nichts bringt, mit platten Parolen und Pauschalisierungen (egal aus welcher Ecke) um sich zu schmeißen.
Nach wie vor bin ich gegen den Krieg und definitiv kein Freund der amerikanischen [Außen]politik und deren Vertretern, egal ob Bush, Rumsfeld oder sonstwem.
Genausowenig bin ich aber jemand, der alle Amerikaner in einen Topf wirft und pauschal für bekloppt erklärt, der Saddam verteidigen würde oder der ernsthaft an die Mär vom Weltfrieden glaubt.
Es gibt soviele Seiten dieses Themas, dass ich manchmal selber kaum weiß, wie ich dazu stehen soll.
Einerseits finde ich das amerik. Vorgehen absolut falsch.
Genauso falsch ist aber eigentlich auch das strikte Nein von Frankreich, Russland und Deutschland.
Selbst die Gründe für den Krieg sind fast schon bedeutungslos geworden (egal ob Öl, Rache bzw. Beendigung dessen, was der eigene Vater begonnen hatte (dazu hat sich Bush sogar schon geäußert), Friedensbringung und Demokratisierung, usw....)
Aber all dies sind Dinge, die längst nebensächlich geworden sind, da der Krieg leider längst im Gange ist.
Aber er verläuft alles andere als planmäßig: Etliche Tote und Verletzte bei den Koalitionsstreitkräften durch Unfälle, Eigenbeschuss (heute wurde ein brit. Tornado vermutlich durch eine amerik. Patriot-Rakete abgeschossen), mittlerweile vermutlich die ersten US Kriegsgefangenen im Irak (offiziell wird die Echtheit der Bilder aber angezweifelt. Dieser Fall zeigt aber offen die Doppelmoral der US Regierung, denn alles was Herrn Rumsfeld dazu einfällt, ist darauf hinzuweisen, dass es nach der Genfer Konvention illegal ist, Kriegsgefangene zu filmen bzw. diese Bilder öffentlich zu zeigen. Das eben dies aber oft genug bei irakischen Gefangen getan wird, zählt nicht), Städte die schon vor Tagen eingenommen gewesen sein sollen sind heute plötzlich wieder schwer umkämpft, ein Zwischenfall in einem US Camp in Kuweit hat einen Toten und etliche Verletzte gefordert (ein Angehöriger der US Streitkräfte hat im eigenen Lager Handgranaten geschmissen), der Vormarsch ist an einem Tag überraschend schnell, plötzlich aber gerät er doch wieder ins Stocken.
Was man von all den Informationen glauben kann und soll, weiß keiner (es ist aber interessant, dass immer wieder zuerst Berichte von im Irak befindlichen Korrespondenten kommen und erst Stunden später eine offizielle Meldung dazu)...die Propaganda Maschinerie funktioniert beileibe alles andere als zufriedenstellend (aus Sicht des Pentagon wenigstens).
Es ist nicht möglich, sich ein echtes Bild dieses Krieges zu machen, und das ist vielleicht auch besser.
Meine Hoffnung bleibt schlicht und ergreifend, dass es wieder Erwarten doch schneller zu Ende geht, als es momentan aussieht.
Ich verurteile auch nicht, dass jetzt wieder ein Großteil der amerik. und britischen Bevölkerung hinter dem Krieg steht, schließlich geht es denen in erster Linie um ihre Familienangehörige.
Ich habe auch Mitleid mit allen Leidtragenden des Krieges, auch mit den Soldaten.
Das ganze Szenario, die Berichte, all das ist seltsam mitzuverfolgen.
Noch schwerer ist es, dabei wenn möglich sachlich zu bleiben, auch wenn um einen herum oft genug die Gefühle hochschaukeln.
Die weltweiten Friedensdemonstrationen sind letztlich vielleicht sinnlos, aber sie setzen ein Zeichen, und das ist gut so. Aber genauswenig halte ich die immer wieder gleichen Parolen und die oft recht einseitige Meinung der Demonstranten für Grund genug, seine Meinung zum Krieg zu ändern. In meinen Augen ist soetwas schlicht primitiv, zumindest dumm.
Ich ändere meine Meinung nicht, weil andere etwas sagen, was mir in der Form nicht gefällt. Ich bilde mir meine Meinung immer noch aufgrund von vorhandenen Fakten (selbst wenn diese nicht immer zweifelsfrei sind) und nicht danach, welche Seite weniger polemisiert (und in diesem Falle nehmen sich da Befürworter (grade die höchsten Stellen) und die Gegener oft nichts).
Und schon garnicht prahle ich förmlich damit, durch die achso dummen Gegner zu einem noch größeren Kriegsbefürworter geworden zu sein.
Sowas ist einfach nur traurig 
Im Moment warte ich einfach ab, wie sich die Dinge entwickeln und was vor allem am Ende das Ergebnis sein wird (nicht wer "gewinnt", das denke ich steht fest, vielmehr welche mittel- und langfristigen Konsequenzen dieses Treiben haben wird)
So long...