Wen soll ich wählen? oder: Ey, suchs' du?
Nachdem Anfang der Woche Schröder "Im Kreuzfeuer" stand, war gestern abend ja nun Herr Stoiber dran.
Denke mal, ein paar Leute werden das wohl auch geschaut haben oder? (Fand es nach all den Debatten zu dem Thema hier recht seltsam, dass sich zu der Sendung kaum jemand geäußert hatte)
Auf jeden Fall war dies das deutlich aussagekräftigere und auch interessantere "Kanzler-Duell" wie ich finde.
Mein Fazit zu den Kandidaten (ich betone es nochmal mein Eindruck. Ich halte mich für relativ kritisch im Umgang mit solchen Themen. Für irgendwen eine Art Werbung zu machen habe ich weder nötig noch im Sinn):
Schröder:
- sehr ruhig, gelassen
- sachlich bei der Beantwortung, trotzdem an geeigneter Stelle auch immer ein Lächeln auf den Lippen
- erstaunlich konkrete Antworten
- hat gut die Grenzen der Politik klargemacht (manche Leute scheinen immer noch Wunder vom Kanzler zu erwarten)
- hat, wie ich finde, seine bzw. die Standpunkte der SPD klar formuliert
- hat, was ich sehr hoch anrechne, wirklich zu seinen Zielen, seinen Fehlern und zu seiner Politik Stellung bezogen (und das auch kritisch und sehr offen) und weniger erstmal die Fehler bei allen anderen gesucht
- großer Fehler: das Angbot, sich persönlich um die Fluthilfe für den Kinderverein zu kümmern -> ist nicht seine Aufgabe, deutliche Wahlkampfaktion, steigert in gewissen Kreisen vielleicht die Symphatie, aber grade im Hinblick auf den Mitbewerber und im Zusammenhang mit Mobilcom viel zu viel Angriffsfläche
Stoiber
- nervös, böser Blick, wenn sowas wie freundliche Gesichtszüge oder ein Lächeln, dann teilweise an völlig falscher Stelle
- viel zu lange Nachdenkphasen, selbst bei konkreten Fragen (die wie auch bei Schröder leider zu wenige waren)
- war scheinbar eher als bayerischer Ministerpräsident anwesend -> hat viel über seine Landespolitik geredet und sich erstmal (scheinbar) gut dargestellt, danach folgte meist Kritik am Kanzler und der Regierung, obwohl die Fragen darauf ausgerichtet waren, was die CDU konkret machen will, und nicht hinterfragen sollten, was wer falsch gemacht hat
- nach meinem Empfinden kaum wirklich Inhalte, dafür oftmals ausweichende Kommentare (im Deutschunterricht heißt das "Thema verfehlt")
Zu den Inhalten ergo den Parteiprogrammen will ich garnichts weiter sagen, die sollte jeder kennen bzw. es wurde genügend drüber geredet.
Die klaren Sieger der beiden Debatten waren auf jeden Fall Sandra Maischberger und Peter Kloeppel.
Beide sind für mich wirklich eine Art Inbegriff von seriösen Journalisten (bitte keine Debatte über seriösen Journalismus jetzt!) und Moderatoren.
Beide waren (wie es sich gehört) hervorragend vorbereit zu allen Themen und haben auch bei jeder Gelegenheit die Chance genutzt, kritisch nachzufragen, wenn eine Antwort eines Kandidaten eher etwas inhaltslos oder gar am Thema vorbei war.
Und die Antworten die bei solchen Gelegenheiten von Schröder bzw. Stoiber kamen, ließen oftmals recht tief blicken.
Wer zT aber wirklich absolute Fehlbesetzung war, war das Publikum.
Was da teilweise an Fragen kam (man konnte ja oft schon froh sein, wenn es denn wirklich ne Frage wurde) war echt nicht mehr mit anzusehen.
zB. die 23-jährige Junge Frau aus irgendeiner sehr kleinen Gemeinde:
- arbeitslos bzw. momentan in ABM-Maßnahmen
- macht ihr Abitur im Abendgymnasium nach
- will nicht wegziehen
ihre Frage: Was will Schröder tun, damit sie am Ort Arbeit findet?
Einige sind scheinbar ernsthaft der Meinung, Politik könnte dafür sorgen und wäre dafür zuständig, in jeder gottverlassenen Gegend dieses Landes sämtliche Wirtschafts- und Industriezweige anzusiedeln, damit jeder genau seinen Job bzw. seine Ausbildungsstelle in seinem Ort findet.
Sorry aber mit klarem Denken haben derlei Forderungen nun echt nichts mehr zu tun.
Alles in allem aber auf jeden Fall 2 gelungene Sendungen, die grade für Unentschlossene (zu denen ich nicht zähle) eine gute Wahl-Entscheidungshilfe boten.
Nun würd mich halt noch der Eindruck bzw. die Meinungen anderer User hier interessieren, die die Sendungen verfolgt haben.