Saddam Hussein oder: Tut ers oder tut ers nicht?
Zu der Thematik Atomwaffeneinsatz ja oder nein:
Auf der einen Seite war es ja in Zeiten des Kalten Krieges so:
Beide Seiten (USA/UdSSR bzw. NATO und Warschauer Pakt) wussten, dass die Gegegnseite ebenfalls über ein Kernwaffen-Arsenal verfügt.
Es diente in allererster Linie also der Abschreckung, da ein gewisses Gleichgewicht der Mächte vorhanden war.
Setzt die eine Seite ihre Atomwaffen ein, kontert die Gegenseite ebenfalls mit Nuklearwaffen. Und das würde solang hin und hergehen bis quasi nichts mehr da ist.
Da beide Seiten sich dieses Faktes bewusst waren, war wohl niemand ernsthaft bereit, es soweit kommenzulassen.
Nun denke ich aber, dass die Sache bei kleineren Atommächten doch etwas anders aussieht. Diese Waffen dienen in erster Linie natürlich der Abschreckung, der Präsentation der eigenen Macht.
Nur dass in diesem Falle noch ein großer Unsicherheitsfakto hinzukommt: der Fanatismus.
Die westliche Welt als das Feinbild schlechthin ist hier nicht nur ein Aufeinandertreffen verschiedener politischer Systeme, vielmehr das Aufeinandertreffen grundlegend verschiedener religiöser Weltanschauungen.
Und Religion ist sehr viel tiefer verwurzelt als eine bloße Ideologie, begründet auf unterschiedliche Staatsformen.
Und die gefährlichste Form von Religion ist der Fanatismus, die gefährlichste Form bzw. Ursache von Terrorismus ist religiöser Fanatismus.
Und das trifft nunmal auf den Irak zu (wobei es durchaus sehr viel mehr Länder gibt, wo das eine Rolle spielt). Nur sollte man erstmal klären, inwieweit das auf den Irak zutrifft und aus welchen Gründen dieser zT herrschende Fanatismus besteht.
Wenn Menschen von ihrer insbesondere religiösen Weltanschauung sosehr beeinflusst und überzeugt sind, dass sie a) keinerlei andere Wertesysteme und Weltanschauungen akzeptieren und zulassen, und b) alles bereit sind zu tun, um sich gegen den Einfluss fremder Kulturen und Religionen zu schützen und dies auch mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln tun würden, dann geht wohl eine extreme Gefahr von diesen Menschen aus.
Nun bleibt allerdings die Frage offen, ob Saddam dieses Feindbild komplett aus eigener Überzeugung aufgebaut hat oder ob auch einfach noch ein gewisses Kalkül eine Rolle spielt, weil er erkannt hat, dass er sich so seine Macht sichern kann und sich seine Anhänger gefügig hält, indem er ihnen eben bei jeder Gelegenheit eintrichtert: Die USA und jeder Freund der USA sind unser ärgster Feind! Sie wollen uns zerstören.
Ich persönlich halte diesen Mann bestimmt nicht für dumm, von daher würde ich auch eher zu der 2ten Vermutung tendieren.
Jemand, der komplett und einzig und allein aus tiefster eigener Überzeugung handelt, hätte Atomwaffen, sofern sie ihm zur Verfügung stehen, vermutlich längst zum Einsatz gebracht. Entsprechende Krisen und Extremsituationen gab es genug.
Nein ich denke ernsthaft, dass auch ein Saddam Hussein sehr viel berechnender ist, als es ein bloßer Fanatiker je sein würde.
Er weiß sehr wohl was passieren würde, wenn er ernsthaft Atomwaffen einsetzt, er würde klar verlieren, gegen die geballte Militärmaschinerie allein der USA hätte er niemals eine reelle Chance.
Und da ich der Meinung bin, dass es ihm vielmehr um die eigene Macht als um ernsthafte Weltanschauungsfragen oder religiöse Gegegensätze geht und er das ganze nur unter dem Deckmantel der Religion und der verschiedenen Lebensweisen verbirgt, denke ich nicht das er Atomwaffen ernsthaft einsetzten würde.
Sicherlich bin ich weder jemand, der Saddam persönlich kennt oder ihn ernsthaft einschätzen kann, noch jemand der sämtliche vorhandenen Fakten kennt (aber wer tut das schon?) aber nach meiner Ansicht zu den vorhandenen Fakten und den bekannten geschichtlichen Ereignissen (u.a. Golfkrieg) geht es diesem Mann in erster Linie um Macht..finanziell, wirtschaftlich und politisch. Und diese Macht würde er bei Einsatz atomarer Waffen definitiv komplett verlieren.
Aber das ist nur meine Ansicht. Andere mögen das aus einem anderen Blickwinkel sehen.
So long...