Wie gut, dass ich schon etwas älter bin, als das Durchschnittsmember hier (so mutmaße ich jedenfalls), denn ich kann mich noch gut an die Zeiten erinnern, wo eine Überweisung drei bis vier Tage, in Einzelfällen u.U. noch länger gedauert hat.
Und ganz toll war es damals beim "Postscheckkonto". Da musste man seine Überweisungsaufträge erst einmal zu seinem sog. Postscheckamt schicken. Die Auszüge wurden einem dann monatlich zugeschickt und Kontostand zwischendurch prüfen war gar nicht möglich ... wie auch, ohne Internet. Erst später mit dem Telefonbanking (Sprachcomputer) war das dann möglich.
Als dann das Onlinebanking kam, fand ich 2 Tage schon ziemlich gut und der Gesetzgeber hat jetzt einen Tag als Maximum festgelegt; soll mir recht sein. Natürlich finde ich es schön, wenn eine Überweisung z.T. taggleich gebucht wird, aber da ich weiß, wie es "früher" war und den Fortschritt Stück für Stück selbst miterlebt habe, bin ich mehr als zufrieden mit der Regelung wie sie jetzt ist.
Ich weiß, die meisten hier, wissen gar nicht, was ein Kassettenrekorder oder eine Wählscheibe ist und können sich eine Welt ohne Mobiltelefon (bzw. Smartphone) gar nicht vorstellen. Interessiert euch nicht, wie es "früher" war, das ist mir klar und ich verstehe das auch; warum sollte euch das interessieren? Wir leben hier und heute. Aber muss wirklich immer alles "jetzt sofort" erfolgen?
Ich bekomme meine Mails heute auch aufs Smartphone und kann sie unterwegs lesen. Und wenn ich wissen will, wie das Wetter in Timbuktu ist, genügt ein "Ok Google, wie ist das Wetter in Timbuktu?" Das ist alles sehr bequem, keine Frage, aber brauche ich das? Klare Antwort: Nein.
Etwas Geduld und vielleicht auch manchmal etwas Demut vor Technik finde ich eine Tugend. Ich rufe zwei oder drei Mal täglich meine dutzende von Konten in einem Rutsch mit StarMoney ab und bin von dieser Möglichkeit begeistert; erleichtert sie mein Leben doch ungemein. Aber wozu Push-Benachrichtigungen? Ich weiß nicht, wo da der Mehrwert liegen soll. Ich muss doch unterwegs nicht wissen, wenn gerade irgendwo bei mir eine Kontobewegung statt gefunden hat. Was nützt mir diese Info?
Vielleicht bin ich für so etwas dann wirklich zu alt. Ich käme nämlich nie auf die Idee, meine Bankgeschäfte mit dem Smartphone zu erledigen. Ein Smartphone ist ne tolle Sache, ganz klar, und man kann viel Nützliches damit anstellen. Aber muss ein Smartphone Bankgeschäfte erledigen können? Das geht doch mit dem Notebook viel komfortabler, da könnt ihr mir erzählen was ihr wollt. Und wenn ich irgendwo 'nen Kaffee trinken gehe, will ich Kaffee trinken und keine Überweisungen tätigen.
Und sagt jetzt bitte nicht, ich sei zurück geblieben und würde mit der Technik nicht Schritt halten. Ich habe mit Bargeld nicht viel am Hut, besitze einen Haufen Konten und Kreditkarten, und natürlich auch n26, aber was jetzt das Innovative an n26 ist, hat sich mir bisher nicht erschlossen. Es ist technisch ganz nett, gebe ich zu, aber wo ist da der echte Mehrwert für mich als Kunde? Es gibt ja manchmal Dinge, da sagt man, wenn's die nicht gäbe, müsste man sie erfinden, aber n26 gehört sicher nicht dazu.