Beiträge von zardi77

    Nicht auf keinen Fall, sondern nach derzeitigem Kenntnisstand auf keinen Fall und zwar "zu erwarten". Es geht also um die Sicherheit der Erwartung nach derzeitigem Kenntnisstand. Immer genau lesen! Wie es kommen wird, weiß niemand und eine Sicherheit gibt es erst recht nicht.


    Ich bezog die 4% aber nicht auf die Leitzinsen, sondern auf die Zinsen für 5jähriges Festgeld. 4% beim Leitzins sind eigentlich ziemlich klar, am Ende sogar vielleicht 4,25 oder gar 4,50%. Um aber mehr als 4% bei einem 5jährigen Festgeld zu bekommen, müsste entweder der Leitzins deutlich über 4% gehen oder sich die Inversität der Zinsstrukturkurve aufheben. Solange aber der Markt erwartet, dass beim Leitzins zwischen 4 und 4,5 der Zinshöhepunkt erreicht ist und es Anfang 2024 wieder abwärts geht, wirst du keine Bank finden, die dir für 5 Jahre deutlich mehr als 4% zahlt.


    Der Markt erwartet bei den Leitzinsen derzeit


    16.03. +50 auf 3,50 (gilt als ziemlich sicher)

    04.05. +25 auf 3,75 (könnten auch +50 werden)

    15.06. +25 auf 4,00 (könnten auch +50 werden)


    Dann wären wir bei einem Leitzins zwischen 4 und 4,5%. Wörtlich sagte Nagel: "Aus meiner heutigen Sicht braucht es weitere signifikante Zinserhöhungen." Das denke ich, stellt niemand in Abrede, nicht einmal Lagarde, aber zwischen dem, was Falke Nagel im Vorfeld sagt, um Taube Lagarde unter Druck zu setzen und dem, was die EZB dann entscheidet, hat es auch schon in der Vergangenheit immer eine Diskrepanz gegeben. Was ist denn überhaupt "signifikant"? Selbst 2x 25 Basispunkte können je nach Sichtwiese schon signifikant sein.


    Lagarde hat sich heute auch geäußert, sich aber etwas moderater ausgedrückt und hinzu gefügt: "Wir möchten nicht die Wirtschaft abwürgen. Das ist nicht unser Ziel." Daran sieht man ja schon, wie es laufen könnte und dass am Ende irgendwo bei 4 bis 4,5% Schluss sein dürfte. Das ist zumindest der Marktkonsens, was nach derzeitigem Kenntnisstand bei den Leitzinsen zu erwarten ist und die Anleger werden am 16.03. genau hinhören, was Lagarde sagt. Vielleicht ändert sich dann die Erwartung und der Markt stellt sich auf ein anderes Szenario ein. Kann sein, das wird man sehen. Man braucht danach nur die Reaktion an den Anleihemärkten zu verfolgen.


    Es kann auch sein, dass ich nach Lagardes Rede am 16.03. oder 04.05. oder 15.06. zum Beispiel sage, dass nach derzeitigem Kenntnisstand bei einem Festgeld auf 5 Jahre maximal 4,5% zu erwarten sind. Ich weiß ja heute nicht, was sie sagen wird. Das ändert aber nichts daran, dass nach heutigem Kenntnisstand auf keinen Fall mehr als 4% zu erwarten sind, denn in diese Erwartung ist ja eine dreimalige Erhöhung der Leitzinsen bis zum 15.06. schon eingepreist. Mehr als 4% auf 5 Jahre bekommst du nur dann, wenn sich die Realität anders entwickelt, als es der Markt heute erwartet.

    Was du dir erhoffst, spielt leider keine Rolle ;) und Hoffnung ist eh kein guter Ratgeber in Vermögensfragen. Das, was du da skizzierst, geht vollkommen an den aktuellen Markterwartungen vorbei und wenn ich in den letzten 40 Jahren eins gelernt habe: Man sollte nie versuchen, schlauer als der Markt zu sein. Außerdem scheinst du vollkommen auszublenden, das wir aktuell eine unregelmäßige, in Teilen inverse Zinsstrukturkurve haben und es keine Anzeichen gibt, warum sich das in den nächsten sechs Monaten ändern sollte.

    Warum sollte man das nicht? Nimm z.B. aktuell 5 Jahre für (echte) 3,50% (mit Zins und Zinsenzins): Wo sollen denn die 5jährigen noch hin? Bis 4%? Okay vielleicht, aber mehr ist nach derzeitigem Kenntnisstand auf keinen Fall zu erwarten und bis dahin parkst du das Geld mit 2,5% und verlierst jeden Tag 1%/360. Man kann sich nämlich auch "tot warten". Lieber ein Drittel jetzt zu 3,50%, das nächste Drittel bei 3,75% und hoffen, das letzte Drittel noch mit 4% loswerden zu können. So hat man wenigstens mal einen Fuß in der Tür, falls es bei den mittelfristigen Laufzeiten vom aktuellen Niveau aus wieder abwärts geht.


    Der größe Irrglaube ist nämlich, dass viele Leute meinen, die Leitzinsen stünden in einem Zusammenhang mit mittel- oder langfristigen Laufzeiten. Das ist eben nicht der Fall und wenn die EZB bis Sommer noch insgesamt 100 Basispunkte drauf packt, wird sich das bei den langen Laufzeiten 5 bis 10 Jahre kaum auswirken. Viel entscheidender, als genau den Hochpunkt zu erwischen, ist doch die Frage, wo in zwei Jahren 3jähriges Festgelt stehen wird. Während ich noch aus dem 5Jahres-FG aus 2023 drei Jahre lang 3,50% bekomme, bekommts du für ein 3jähriges Festegeld dann vielleicht noch 2,0 bis 2,5%. Und dazu kommt die Frage: Mit welchem Zinssatz hast du die Zeit bis dahin überbrückt?

    In anderen Weltregionen hoher und noch höherer Inflation wird das so gehandhabt.

    Dort sind aber auch die Leitzinsen gezwungenermaßen um einiges höher, weil sich die Inflation hartnäckig hält. Im Euroraum sieht der Markt ein anderes Szenario und zwar, dass Leitzinsen um die 4% die Inflation wieder Richtung 2,x% drücken sollten. Und sobald das sichtbar wird, wird die EZB die Leitzinsen logischerweise wieder senken. Die FED hat es ja vorgemacht. Sie hat den Großteil ihrer Arbeit bereits erledigt, auch wenn es in den letzten zwei Wochen zu ein paar Irritationen am Markt gekommen ist.


    Zitat

    Wenn durch gute Tagesgeldangbote, ... ... ... ein solider Vermögensaufba möglich sind, ... ... ...

    Von Tagesgeld zum Vermögensaufbau würde ich abraten. Das ist nicht Sinn und Zweck von Tagesgeld und auch nicht besonders effektiv. Mehr als seine Liquiditätsreserve sollte man da nicht vorhalten.


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    Hinzu kommt das durch immer höhere Energieefizienzstandards, immer teurere Materialkosten und immer teurere Handwerkerpreise der vermeintliche Vorteil der Niedrigzinsen aufgefressen wurde.

    Wären denn immer höhere Energieefizienzstandards, immer teurere Materialkosten und immer teurere Handwerkerpreise bei höheren Zinsen besser gewesen? ;)

    Zwar gibt es "Lockangebote" mit 2,25% für drei Monate bei der IKB Deutsche Industriebank, 2,1% für vier Monate bei der Targobank und glatte 2% für sechs Monate bei 1822direkt. Alle paar Monate die Bank Bank wechseln ist den Aufwand mit Kontoeröffnung, Post- oder Videoident, Freistellungsauftrag, etc. auch nicht Wert. Und die reguläre Guthabenverzinsung liegt nach wie vor bei 0,3% bis 0,75%.

    Die Lockangebote reichen noch weiter. Die besten Angebote haben m.W. derzeit die J&T mit 2,50% (bis 30.06.) und die Suresse mit 2,40%. Und dort gilt zumindest: Eventuelle Zinserhöhungen geben wir an Sie weiter. Man hat also bis zum Ende der Zinsgarantie keinen "Wechseldruck"; danach, klar, nützt einem das nichts mehr. Aber dann nimmt man halt ab 01.07. das nächste Neukundenangebot mit Zinsgarantie bis 31.10.2022. Man braucht also nur 1x zu wechseln, bevor es sowieso wieder nach unten geht und nicht alle paar Monate.


    Frage: Was meinst du mit "etc"? Ich sehe als "Aufwand" nur Eröffung (ca. 15 min.) und Videoident (ca. 10 min.). Das wars dann aber schon, oder nicht? Freistellungsauftrag hat man ja i.d.R. woanders längst ausgeschöpft bzw. eine Suresse z.B. nimmt erst gar keinen an, weil die in Belgien sitzen.


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    Und selbt wenn wir jetzt mal die 2% bis 2,25% der "Lockangebote" annehmen ... angesichts der ca. 9% Inflationsrate ist das eigentlich nix!

    Das widerspricht eigentlich der Mathematik: -9 + 2,25 = -6,75 und -9 + 0,5 = -8,5. Die Differenz beträgt immer 1,75, egal wie hoch die Inflationsrate ist.


    Und die Differenz bei einer Liquiditätsreserve, die man ja i.d.R. immer hat, zwischen Girokonto mit 0% und Tagesgeld mit 2,5%, ist nicht nichts. Es sind bei z.B. 20k 500€ p.a., reicht also durchaus für ein paar Salatgurken bei Edeka, selbst nach KapSt/Soli-Abzug.


    Zitat

    Ich erinnere mich noch gut an 2008 da hab ich sogar bei der HVB mit Sonderzinsvereinbarung 3,45% bekommen und bei Kaupthing Edge sogar 5,65% aufs Tagesgeld ... bei 2,57% Inflationsrate.

    Was nützt das Schwelgen in Erinnerungen? Diese Zeiten kommen eh nicht wieder. Man sollte sich immer nur mit der aktuellen Situation auseinander setzen. Alles andere führt ja zu nichts.

    Der Marktkonsens kann sich ändern. Wir kommen aus einem jahrelangen Zinstief, da kommen uns 4% viel vor. Ich hab Zeiten erlebt, da gab es für 5-jährige BObl über 10%. Das müsste um 1980 gewesen sein, nicht etwa 1923 - so alt bin ich dann auch wieder nicht. :)


    Ja, die Zeiten kenne ich auch. Und ich weiß auch noch, wie mein Vater bei der KKB (später City, jetzt Targo) immer Festgelder zwischen 12 und 15% abgeschlossen hat. Das waren damals noch Tafelgeschäfte, steuerfrei. Ja, was für Zeiten. Kann man aber nicht mit heute vergleichen.


    Der Marktkonsens kann sich ändern, logisch. Ich würde sogar sagen, dass er es nicht nur kann, sondern auch immer tut bzw., besser gesagt, er passt sich ständig an die aktuelle Datenlage an. Was also heute Konsens ist, muss im Mai keiner mehr sein. Aber an was willst du dich sonst orientieren? Du kennst ja nur den aktuellen Konsens und nicht den in zwei oder drei Monaten.

    Juni/Juli dürften wir bei einem Leitzins von 4,00% sein. Das wirkt sich natürlich auf Ultrakurzläufer wie Tagesgeld und evtl. auch auf Kurzläufer bis 2 Jahre aus. Wer aber vor hat, Festgeld im mittelfristigen Bereich von 2 bis 5 Jahre anzulegen, muss sich dann sputen, denn spätestens zur Jahresmitte dürfte der Markt ca. 4% als Zinshöhepunkt interpretieren und beginnen, die Renditen wieder nach unten drücken. So zumindest der derzeitige Marktkonsens.


    Also Tagesgeld sehen wir mit Sicherheit noch die 3 vor dem Komma, aber genauso schnell wie die Tagesgeldzinsen angezogen haben, werden sie Ende 2023/Anfang 2024 auch wieder fallen. Wer also Geld hat, was er sicher nicht braucht und mit Aktien nichts anfangen kann, sollte bis Mitte 2023 3 bis 5jährige Festgelder abgeschlossen haben. Danken können Sie mir später (Zitat "Monk").