ZitatOriginal geschrieben von jungermann1
ABER, dann brauchen wir nicht von Partnern, Freunden, Europäern oder ähnlichem Sprechen (O-Ton Juncker und Co.). So geht man am Ende auch nicht mit seinem Partnern um wenn er am Boden liegt
Vielleicht "mussten" sie das eben doch.
Das Problem ist ja:
Griechenland liegt vielleicht momentan fiskalisch "am Boden".
Und sie mögen dem Kompromiss förmlich zugestimmt haben.
Aber politisch gesehen hat Griechenland damit längst noch nicht (glaubwürdig) "kapituliert".
Das klingt nun vielleicht etwas zynisch, aber: Solange beides nicht geschehen ist, solange ist es vernünftig, auch einem "am Boden liegenden" Gegenüber weiterhin Härte zu zeigen. Das war ja auch der Tenor der Beteiligten: Kann man Griechenland vertrauen?
Hätte die Eurogruppe nicht so ein hartes Verhandlungsergebnis mit "demütigenden" Vorgaben durchgesetzt, würden die Griechen bei der kleinsten Gelegenheit versuchen, das Verhandlungsergebnis "zu hintertreiben" - oder "abzumildern", so könnte man es auch freundlich nennen. Ich hab' das ja schon mal geschrieben: Referendum, innenpolitischer und innerparteilicher Druck auf Tsipras sowie die bisherige Verhandlungstaktik sind dafür Motiv bzw. Beleg genug.
PS: Damit wir uns nicht falsch verstehen: Das klingt vielleicht alles ein martialisch (wie Tsipras im übrigen in seinem Statement heute auch). Aber ich meine das ohne Wertung. Sowohl aus Sicht der Eurogruppe wie auch aus Sicht der Griechen erscheint das Verhalten rational.
Ohne griechische "Kapitulation", ohne legislative "prior action" und vielleicht auch ohne den Fonds als Faustpfand gab bzw. gibt es keine glaubhafte Perspektive für die Eurogruppe. Finde ich nachvollziehbar. Da will ich ihr genauso wenig einen moralischen Vorwurf machen, wie den griechischen Politikern, die die negativen Auswirkungen dieses "Kompromisses" begrenzen bzw. einzelnen Massnahmen ihre Zustimmung versagen wollen.