Zitat
Original geschrieben von Timba69
Ach ja? Da bin ich mal tatsächlich auf deine Erklärung in politischer, kultureller und ökonomischer Sicht gespannt, warum dies so sein sollte.....
Die Mentalitätsunterschiede innerhalb eines Landes gibt es. Und ja, die Schwaben mögen da den (Deutsch-) Schweizern näher und die Bayern den Österreichern näher sein, als Hamburgern oder Rheinländern.
Trotzdem steht für mich die Frage im Raum:
Wie "identifiziert" sich eine Person primär?
Als Kölner?
Als Rheinländer?
Als Nordrhein-Westfale?
Als Deutscher?
Als Europäer/EU-Bürger?
Als Weltbürger?
Mein Eindruck ist klar: Die meisten identifizieren sich hauptsächlich nach dem Nationalstaat. Also im Beispiel als Deutsche. Zumindest international, d.h., "europäisch" gedacht, also im Verhältnis zur bzw. im Aufenthalt in der EU. Es mag Ausnahmen geben, wie beispielsweise Katalanen, Schotten. Aber schon bei den Bayern würde ich das nicht mehr ernsthaft, sondern höchstens mit einem Augenzwinkern gelten lassen.
Dafür gibt's neben dem Sport ("der Weltmeisterschaft") und der historisch gewachsenen Komponente m.E. zwei bis drei Hauptfaktoren:
1. Die Sprache. Sie ist meines Erachtens einer der allerstärksten Identifikations- und Integrationsfaktoren überhaupt
2. Das Verhältnis des Bürgers zum Staat und seinen Institutionen. Die Bürger nehmen sich einem Staat als Organisationseinheit zugehörig war (sowohl hinsichtlich Rechtsordnung, Administration als auch Politik). Es gelten weitgehend dieselben Gesetze, dieselben Steuern, dasselbe Bildungssystem, dieselben Preise und Tarife, etc. Man sitzt "im selben Boot".
3. Die Religion. Da haben sich in der Vergangenheit unzählige Konflikte dran entzündet und tun das immer noch. In Deutschland und der EU ist die Rolle dieser aber in den letzten Jahren bis Jahrzehnten deutlich zurückgegangen.
Wie funktioniert nun friedliches, zufriedenes und kooperatives Zusammenleben unter dieser Prämisse? Nun...
1. Dadurch, dass man eine gemeinsame Sprache hat, schafft und durchsetzt.
Beispiel: Frankreich, aber auch Deutschland, Spanien mit Ausnahme vielleicht von Katalonien und dem Baskenland)
2. Dadurch, dass man den Staat nach den Prinzipien von Föderalismus und Subsidiarität organisiert, Kompetenzen an kleinere Organisationseinheiten delegiert bzw. diesen überlässt, anstatt. Um das Bild vom "selben Boot" wieder aufzugreifen: Dadurch, dass der Bürger das Gefühl hat, dessen Kurs beeinflussen zu können.
Beispiel: Schweiz, die das trotz dreier Landessprachen und grosser Mentalitätsunterschiede schafft, aber auch Grossbritannien, mit dem Beispiel Schottland.
3. Das Problem mit der Religion erledigt sich in Europa durch wachsende Toleranz langsam von selbst.
Beispiel: Mittlerweile wohl selbst in Nordirland.
(Zumindest unter den Christen und Nicht-Gläubigen in Europa gilt dies. Der Islam spielt zunehmend eine Rolle).
In Bezug auf die EU als Staatenbund bzw. als Möchtegern-Staat würde ich konstatieren:
1. Das mit der gemeinsamen Sprache schafft die EU nie und nimmer, und will sie auch gar nicht.
2. In punkto Selbstbestimmung und Demokratie ist die EU in den letzten Jahren dabei, den Bogen zu überspannen. Anstatt eines EU-Bilds voller friedlich und freiwillig zum gemeinsamen Wohle ihrer Bevölkerungen kooperierender Staaten, haben mehr und mehr Bürger das Gefühl einer Art Ohnmacht und Fremdbestimmung durch abgehobene Eliten. Das gilt, trotz völlig unterschiedlicher wirtschaftlicher Interessen sowohl in Griechenland, Frankreich als auch Deutschland.
Der EURO rückt jetzt für viele ins Bild dazu. Griechenland und dessen Krise sind dabei die Speerspitze, ein Katalyst, der diese Wahrnehmung beschleunigt. Wie Varoufakis gerade wieder einmal korrekt sagte: Die EU könnte dadurch dauerhaft beschädigt werden. Die Quittungen gibt's ggf. an den Wahlurnen.