Beiträge von Applied

    * PS: Wo ich von solidarischem Zusammenwachsen rede, ein (mir zufällig unzufällig bekanntes) Beispiel, welches zwar nichts direkt mit Griechenland zu tun hat, aber zeigt, wie das EU-Geld ja da sein kann:


    Im Baltikum planen sie, eine Eisenbahn (Hochgeschwindigkeitsstrecke) zu bauen.
    Kostenpunkt allein für das dünn besiedelte Estland: ca. 1,1 Milliarden EUR.
    Man freut sich, dass die EU dazu mehr als die Hälfte, nämlich ca. 640 Millionen zusteuern wird:


    http://news.postimees.ee/29650…baltic-route-alternatives


    Punkto Einzugsgebiet kann man sich das als Deutscher in etwa so vorstellen, als baute man eine Hochgeschwindigkeitsstrecke von Rostock durch Mecklenburg und Vorpommern zur polnischen Grenze (in beiden Fällen je 3 ähnlich grosse Landkreise) - Nur ist Estland da noch deutlich dünner besiedelt.


    Damit geniesst das Projekt (bezogen auf das Einzugsgebiet) wohl eine EU-Förderung von knapp 1000 EUR pro Kopf.



    Nebenbei: Die Staatsverschuldung in Griechenland beträgt auch "nur" so ca. 30.000 EUR/Kopf. Infrastrukturinvestitionen für eine einzige Eisenbahnstrecke vs. Auslandsverschuldung eines ganzen Landes ist natürlich ein völliger Äpfel-Birnen-Vergleich - aber es zeigt eine gewisse Relation auf.


    Zitat

    Original geschrieben von malinfo
    Das ist das, was ich weiter oben mit "o.ä." meinte. Die von Dir angesprochene kreative alimentierung ist ja nichts anderes als ein schuldenschnitt / moratorium unter anderem etikett. Eben genau der etikettenschwindel, an den sich der dumme michel aller länder längst gewöhnt hat


    Yep - halte ich aber nicht für die unwahrscheinlichste europäische "Lösung".

    Zitat

    Original geschrieben von malinfo
    GR kann, falls überhaupt, nur mit einem schuldenschnitt -- und zwar von 100% oder nur wenig weniger -- im sch...euro bleiben. Kein schuldenschnitt (bzw. zumindest ein total-moratorium *)) bedeutet zwangsläufig grexit.


    So schwarz-weiss würde ich das nicht sehen.


    Warum sollen die Griechen ihre Auslandsschulden nicht einfach weiter bedienen - und Resteuropa transferiert ihnen die nötigen Mittel dafür um ein paar andere Ecken herum verklausuliert?


    Beispielsweise, indem man den EU-Haushalt aufstockt, Europäische Investitionstöpfe füllt bzw. neue schafft und die dann ausgibt? Man muss da nur ein bisschen kreativ denken. Ich bin mir sicher, dass die können in Brüssel und Strassburg auch. Und wir sind ja alle solidarisch für ein zusammenwachsendes Europa.


    Um ein Bild zu benutzen:
    Wie wenn man seinem arbeitslosen Sohn Geld leiht - und das dann auch ordnungsgemäss zurückfordert... ihm dann aber auf der anderen Seite klammheimlich die Stromkosten und Telefonrechnung für ihn bezahlt.

    Zitat

    Original geschrieben von bernbayer
    Aber wenn die neue Regierung dort glaubt die Sparauflagen jetzt nicht mehr zu erfüllen müssen, dann gibt es keine
    andere Wahl als das die EU den Geldhahn zudreht.


    Doch klar: Schuldenerlass / Teilentschuldung.


    Zitat

    Original geschrieben von bernbayer
    Noch weiteres Geld in den Sand zu setzen ist den Bürgern nicht mehr vermittelbar.


    Wieso sollte es das nicht sein?
    War es bisher doch auch.
    Schön scheibchenweise, in kleinen Häppchen.
    So wie die EZB jetzt langsam in die Staatsfinanzierung einsteigt.


    Das Ende von Gleichmut oder Gleichgültigkeit der Bürger ist doch beispielsweise in Deutschland noch lange nicht erreicht. Mit Ausnahme vielleicht an den Stammtischen - aber was am Stammtisch gesagt wird, bleibt am Stammtisch. Und die organisierten Politiker, die sich konsequent dagegen aussprechen, werden in der rechten Ecke isoliert.

    Zitat

    Original geschrieben von frank_aus_wedau
    Zitat:
    „Was auch immer Deutschland sagt oder tut, es muss in jedem Falle bezahlen“, sagte Varoufakis gegenüber der französischen Zeitung „La Tribune“.


    ...und weiter:


    Es sei schade, aber die vielen Milliarden von Deutschland und anderen „Eurorettern“ seien ohnehin verloren, „in einem schwarzen Loch von Schulden“, sagte Varoufakis kürzlich in einem Fernsehgespräch. „Es ist eine Tragödie, weil wir so viel Geld für ein schwarzes Loch aufgewendet haben


    Recht hat er.
    Während andere wieder altbekannten Bullshit verlauten lassen...:

    Zitat


    Regeln müssten eingehalten werden. Vertrauen und Verlässlichkeit seien die Grundlage für weitergehende Solidarität, die alle in Europa benötigten.


    „Darüber ist wenig mit uns zu streiten, und darüber hinaus sind wir schwer zu erpressen”, sagte Schäuble am Freitag in Berlin bei einer Veranstaltung der Versicherungswirtschaft." (hier zitiert von bild.de)


    Auf welche EU/EZB-Regeln haben wir uns denn bisher beim EUR verlassen können, Herr Schäuble?


    Zitat

    Original geschrieben von frank_aus_wedau
    „Was auch immer Deutschland sagt oder tut, es muss in jedem Falle bezahlen"


    Klar, weil es erstens den Griechen Geld geliehen hat und zweitens in der gemeinsamen Wàhrung hängt.

    Täglich in Gebrauch:


    - Der Alleskönner zuhause: Apple Mac mini mit 27" Monitor, externen Lautsprechern und Kopfhörern zum Arbeiten, Surfen, Musikhören und Film- und Fernsehschauen
    - Als "unverzichtbarer Begleiter" immer dabei: Apple iPad mini zum Surfen, Lesen, Kommunizieren (Instant Messenging), Bewegen (Karte, Zugverbindungen, Bus- und Bahntickets) und gelegentlichen Filmschauen im Zug, Bett oder auf dem Sofa
    - "Das kleine Schwarze": Nokia Asha 501 Dual-SIM, zum Musikhören, gelegentlichen Telefonieren und SMS-Schreiben und als kleiner Internet-Notnagel. Klein, leicht, unauffällig, günstig, lange Akkulaufzeit, und ich hatte vielleicht noch nie ein Telefon, dass mir in der Bedienung so viel Spass machte. Ist aber meist im Flugmodus und wird höchstens einmal die Woche geladen.



    Nur gelegentlich genutzt:


    - Vernünftige kompakte Digitalkamera, auf Reisen bzw. zu Familientreffen.
    - eBook-Reader Sony PRS-300. Natürlich mit eInk - finde ich für längere Belletristik angenehmer zum Lesen als der beleuchtete iPad-Bildschirm.
    - Lumia 530. Wenn ich ein "richtiges" Smartphone benötige und manchmal keine Tasche oder Hand für das iPad freihabe. Ist aber immer seltener, d.h. kaum noch der Fall.
    - NAS: Synology DS414j zum Auslagern von Filmen und Musik und gelegentlichen Streamen.



    Besitze ich nicht, brauch ich nicht:


    - Fernseher
    - DVD-Player
    - Spielkonsole
    - Notebook (vermisse ich seit kurzem auch momentan nicht. Werde aber vermutlich für gewisse Zwecke irgendwann mal wieder eines benötigen bzw. kaufen)

    Zitat

    Original geschrieben von Anja Terchova
    Und von den Beitragssatz darf man sich nicht irritieren lassen, weil man Sozialabgaben + Steurn als Ganzes betrachten muss.


    Das wollte ich auch noch gerade hinzufügen.
    Die OECD macht das.


    Die Belastung mit Steuern und Sozialabgaben (inkl. Arbeitgeberanteil) liegt in Deutschland für 67% respektive 100% der durchschnittlichen Arbeitskosten bei 45% bis 50%.


    Für Grossbritannien dagegen bei nur 27% bis 31%.


    (OECD, Taxing Wages 2014, Seite 150ff.)

    Zitat

    Original geschrieben von frank_aus_wedau
    Du hast sicher (irgendwo) überlesen, dass die Rentenbeiträge für die englische Rente auf Sozialhilfeniveau höher sind als die Deutschen!


    Sind sie meines Erachtens nicht.


    - In Deutschland sind’s 18.7% bis zur Beitragsbemessungsgrenze von 6050€ / Monat.
    - In Grossbritannien sind’s effektiv 19.4% an der “Beitragsbemessungsgrenze”, welche bei nur ca. 4600€ / Monat liegt. Für den mittleren Lohn von Arbeitnehmern von etwa 520£/Woche sind’s aber effektiv nur ca. 17%, da die ersten ca. 875€ / Monat (153£ / Woche) einem Nullsatz unterliegen. D.h., dass Geringverdiener prozentual noch deutlich weniger zahlen!


    Der Witz ist aber, dass die Beiträge in Deutschland ja noch deutlich höher liegen müssten


    Zitat

    Original geschrieben von frank_aus_wedau
    Während in Deutschland beitragsabhängige Mini-Renten durch eine steuerfinanzierte Grundsicherung auf das Sozialhilfeniveau angehoben werden, speist sich ein Einheits-/ Grundrentenrentensystem (wie das englische) aus sich selbst heraus.


    Es stimmt, dass sich das britische System ziemlich aus sich selbst heraus speist.
    Aber das konterkariert ja deine Argumentation mit den Beiträgen von oben!


    Für 2012/2013 beispielsweise konnte der National Insurance Fund 93% seiner Ausgaben aus Beitragseinnahmen bestreiten. Eine “Unterdeckung” von nur 7%. In Deutschland liegt dieser Wert in der gesetzlichen Rentenversicherung nur bei ca. 75%. Der Rest, also etwa ein Viertel, wird vom Bund mit Steuergeldern zugeschossen - welche natürlich wiederum auch Arbeitnehmer belasten.


    Grossbritannien kann die Renten also bis jetzt in etwa aus Beiträgen finanzieren - Deutschland bei weitem nicht.


    Zitat

    Original geschrieben von frank_aus_wedau
    Während in Deutschland beitragsabhängige Mini-Renten durch eine steuerfinanzierte Grundsicherung auf das Sozialhilfeniveau angehoben werden


    In irgendeiner Form passiert das so oder so, mit Sozialleistungen/benefits, wenn jemand zuwenig Rente hat.



    Mein Ergebnis ist eher:
    Die Engländer zahlen weniger Beiträge - und können ihr Rentensystem daraus finanzieren.
    Und der Geringverdiener bekommt relativ “mehr” von seinen Einzahlungen bzw. seinem früheren Einkommen, als in Deutschland.
    Das ist durchaus sozial und erstrebenswert.

    Zitat

    Original geschrieben von bernbayer
    Nein, die EU sitzt am längeren Hebel. Die vollmunduígen Wahlversprechen werden niemals Realität werden können. Siehe auch hier:
    http://diepresse.com/home/mein…t-dem-heutigen-Tag-vorbei


    Schlussabsatz:


    "(...) sich mit den europäischen Partnern an einen Tisch setzen, um eine für alle tragbare Lösung zu finden.


    Die Europäische Union aber darf ihre Grundsätze nicht über Bord werfen, nur weil der Verhandlungspartner gewechselt hat. Dies würde ein gefährliches Exempel für all jene statuieren (...)"


    "Nicht ihre Grundsätze über Bord werfen." Ernsthaft?!?


    Hat die Schreiberin was geraucht, ist sie blöd, blind oder einfach nur ignorant?* :confused:


    Ernsthaft: Ich kann gar nicht genug "what the fucks?" hier schreiben oder Smileys posten, zu dem Satz. Anleihekäufe als Staatsfinanzierung, Haftungsunion, Stabilitätskriterien (Staatsverschuldung) etc... welche Grundsätze haben Europäische Union bzw. EZB bisher nicht über Bord geworfen?




    * Hint: Ich tippe stark auf Letzteres. So blöd sind die allermeisten nicht, die so schreiben können.

    Zitat

    Original geschrieben von frank_aus_wedau
    Edit:
    Schau mal [URL=Der höchste Betrag, den Männer nach 44 Jahren und Frauen nach 39 Jahren Erwerbstätigkeit erhalten können, liegt bei 79,60 Pfund pro Woche, etwas über 100 Euro.]hier[/URL].


    Link funktioniert nicht.
    Nehme an, du meinst: http://www.england-seiten.de/S…ltersvorsorge-England.php
    Denn genau da und nur da findet man das Zitat ja.


    Zitat

    Original geschrieben von frank_aus_wedau
    Der höchste Betrag, den Männer nach 44 Jahren und Frauen nach 39 Jahren Erwerbstätigkeit erhalten können, liegt bei 79,60 Pfund pro Woche, etwas über 100 Euro.


    Diese Aussage dürfte schlicht falsch, da veraltet sein:


    https://www.gov.uk/state-pension/eligibility


    Mittlerweile beträgt die Beitragszeit nur noch 30 Jahre - auf der anderen Seite wurden die Renten auf 113GBP / Woche erhöht und wird jedes Jahr um mindestens 2.5% angepasst. Für Neurentner ab April 2016 sind’s übrigens (nach einem neuen System, Höhe noch genau zu bestimmen) mindestens um die umgerechnet 850 EUR/Monat:


    https://www.gov.uk/new-state-pension


    Kurz: Die Briten nähern sich des Niveaus der Grundsicherung an.


    Zitat

    Original geschrieben von frank_aus_wedau
    Das möchtest Du auch in Deutschland haben?


    Im Prinzip ja: Eine Rente auf Sozialhilfe-Niveau.
    Sollte halt kostendeckend für den Haushalt sein (über den genauen Betrag kann man diskutieren, oder wie bzgl. UK bisher daran zweifeln).


    Dafür Abgaben runter, mehr vom Netto haben - und den Leuten die Entscheidungsfreiheit lassen. Von mir aus soll der Staat einen gewissen Zusatzeinkauf in die staatlich garantierte Rente ermöglichen, für die, die’s mögen. Aber bitte nach der Prämisse “Keep it simple!”, nicht so einen komplizierten Riester- etc. Murks als Fördermassnahme für die Versicherungswirtschaft.


    Zitat

    Original geschrieben von frank_aus_wedau
    für eine private Zusatzvorsorge fehlt einfachen Arbeitnehmern oft das Geld.


    Sind wir ehrlich: Das Argument wird es doch immer geben, unabhängig von der Einkommenshöhe.


    Wenn der Staat es zwangsweise einkassieren würde (über Steuern/Beiträge/Abgaben), dann wäre das Geld bei vielen da.
    Wenn sie auf Saufen, neue Flachbildschirm-TVs und teure Urlaube verzichteten, dann auch.


    Zitat

    Original geschrieben von bernbayer
    Ich bleibe dabei, die gesetzliche Rentenversicherung ist die beste und sicherste Altersvorsorge. Die Rentenversicherung hat 2 Weltkriege überlebt. Geldvermögen, Lebensversicherungen usw. waren praktisch nach den beiden Währungsreformen wertlos, nur die gesetzliche Rente sicherte nach dem 2. Weltkrieg der älteren Generation ein ausreichendes Einkommen.


    Von “überlebt” kann keine Rede sein. Man hat nach den Währungsreformen den alten Menschen halt Renten ausbezahlt nach neuer Währung - weil man das so wollte. Aber das war de facto eine einfache Form der Umlagefinanzierung, mehr nicht.


    Zitat

    Original geschrieben von bernbayer
    Falsch ist nur das Rentennieveau auf unter 50 Prozent abzusenken. 60 Prozent sollte absolute Untergrenze bei der gesetzlichen Rente sein. Diese falsche Rentenpolitik wie sie seit ca. 15 Jahren gefahren


    Warum um alles in der Welt “müssen” es überhaupt Prozent vom durchschnittlichen Einkommen sein?
    Und warum muss das Rentenniveau abhängig von den früheren Beiträgen sein?
    D.h., warum muss jemand mit höherem Erwerbseinkommen höhere Beiträge einzahlen und bekommt dann auch mehr Rente?
    Warum orientiert man sich nicht einfach für alle am Existenzminimum und gut ist?


    Ich meine… warum soll nicht jemand in jungen Jahren eine grössere Konsumpräferenz haben?

    Zitat

    Original geschrieben von Sliders
    Die Frage ist: wie sinnvoll war nun die Rettung von Griechenland?


    Von "Rettung" kann keine Rede sein.
    "Zeit erkaufen" würde ich das nennen, was in den letzten Jahren gemacht wurde.


    Griechenland ist sowieso pleite und wird seine Schulden niemals zurückzahlen können.
    Die Frage ist nur, wann und wie diese Staatspleite auch (teil)realisiert wird.