Darf ich meine bisherigen 6 Monate mit Barclaycard schildern?
Angelächelt von dem fürs erste Jahr kostenlosen Platinum-Doppel ohne Auslandseinsatzgebühr, habe ich zugeschlagen. Das könnte ja ganz praktisch werden und im Vergleich zu anderen Karten auch etwas Geld sparen, wenn ich dann einige Zeit im Ausland bin. Der Antrag ging durch, die Karten kamen, die PINs auch, das eingeräumte Limit war ausreichend - alles soweit einwandfrei.
In einigen Foren hatte ich gelesen, dass Barclaycard gerne einmal die Karte sperrt, wenn Umsätze im Ausland getätigt werden. Um dies zu umgehen, sollte man bei der Hotline vorher anrufen und seine Reiseländer und die Zeitspanne bekanntgeben. Ich war schon in Brasilien, aber das Platinum-Produkt hat ja eine kostenlose Hotline - also per Skype angerufen und den Brasilien- und USA-Aufenthalt durchgegeben.
Eine gute Stunde später in einem brasilianischen Restaurant erfolgreich gezahlt: "So langsam gewinne ich Vertrauen in diese Karten."
Am nächsten Tag eine Eintrittskarte zahlen wollen, der Herr versuchte es an zwei Geräten insg. 3x, blieb aber erfolglos. Um die Schlange hinter mir nicht zu verärgern, griff ich zum Bargeld: "Naja, eine Fehlfunktion ist ja noch kein Grund für fundamentale Zweifel."
Kurz darauf ging es in die USA und eine Zahlung nach der anderen ging erfolgreich durch, routinemäßig zückte ich schon die Barclaycard statt einer anderen Karte. Einziges Manko: An Tankstellenautomaten funktionierte sie oft nicht, die abgefragte Postleitzahl wurde nicht erkannt, bei anderen Karten schon. Ansonsten gabs nur ein einziges Mal ein Problem in einem Restaurant, hier rief ich anschließend die Hotline an und bekam die Auskunft, man würde die misslungene Transaktion im System sehen, wahrscheinlich sei das Problem beim Händler zu suchen. Naja, als Kunde kann man mit dieser Auskunft nicht viel anfangen... Fakt ist, es funktionierte nicht mit der Barclaycard, mit einer anderen Karte schon.
Ein kurzer Aufenthalt auf den Fidschi-Inseln, den ich Barclaycard vorher nicht bekannt gab, war ebenso problemlos, dann gings nach Australien. Ich hatte zwar im Kopf, dass ich die Hotline nicht darüber informierte, die Einreise hier zu planen, aber "auf den Fidschis gings doch auch ohne...". Im ersten Supermarkt: "invalid transaction" - Karte gesperrt, Karte der Konkurrenz genutzt, dann bekam ich meinen Einkauf. Also Skype gestartet und "zu deutschen Geschäftszeiten" in Hamburg angerufen. Etwas Oberlehrerhaft wurde ich darüber in Kenntnis gesetzt, dass ich ja selbst Schuld an der Sperrung sei, wenn ich vorher nicht sagen würde, wohin ich reise. Karte wieder entsperrt, sollte funktionieren, tat sie dann auch.
Inzwischen war ich die "deutschen Geschäftszeiten" aber - trotz kostenloser Hotline - leid und stellte meinen Reiseantrag, ähm... ich informierte also über meine Reisepläne über die Online-Plattform elektronisch. Drei Länder ließ ich so "genehmigen". Eine Antwort bekam ich zwar nicht, ich versuchte aber trotzdem mein Glück beim Zahlen. Im ersten Land kamen wieder Glücksgefühle auf, alles lief. Im zweiten Land wurde eine Zahlung nach der anderen abgelehnt. Also wieder auf deutsche Geschäftszeiten gewartet und die Hotline bemüht. Auskunft: Die Karten sind nicht gesperrt, funktionieren einwandfrei, es ist im System nicht einmal die Anfrage eines Umsatzes verzeichnet, sonst könnte man mir den Grund für den Fehler nennen. Naja, dies ist für den Kunden nicht wirklich hilfreich. Auch nach diesem Telefonat und der bestätigten Freischaltung des Landes gehen an keinem Ort Kartenzahlungen mit den Barclaycards durch.
Fazit: "Ja, aber..."
Man muss sich vor Augen führen, dass es sich hierbei um das Premiumprodukt aus dem Hause Barclaycard handeln soll:
- Ich halte es nicht für abwegig, dass man Karten, auf denen das VISA- oder Mastercard-Logo prahlt, selbstverständlich für die weltweite Nutznug vorsehen kann. Dass die reine Tatsache, im Ausland zu sein, für Barclaycard schon suspekt ist und zur Sperrung führt, irritiert mich.
- Wenn man einmal im Jahr einen Urlaub im Ausland verbringt, mag die vorherige Bekanntgabe der Reisetätigkeit praktikabel sein, wenn es aber für jemanden "selbstverständlich" ist, häufig im Ausland zu sein, ist diese Erwartung in meinen Augen weltfremd, umständlich, zeitraubend und transportiert nicht zuletzt auch das Gefühl, kontrolliert zu werden.
- Im Endeffekt hat es sich regelmäßig gezeigt, dass die Karten (wenn man den workaround für die obige Firmenpolitik hinnimmt) zwar überwiegend funktionieren, aber dann doch nicht die Karten sind, auf die man sich verlassen kann. Bei jedem Fehlverhalten der Barclaycard funktionierte eine andere Karte aus meinem Portmonnaie problemlos, auf letztere ist also Verlass. Da muss ich mich fragen, welchen Grund ich noch habe, Barclaycard einzusetzen, wenn immer ein Gefühl der Ungewissheit beim Bezahlen mitschwingt?
Ich fühle mich jedenfalls wohler, eine geringe Auslandseinsatzgebühr zu zahlen, wenn ich dafür Verlässlichkeit erhalte. Bei der Jahresgebühr, die ab dem zweiten Jahr anfallen soll, bestehen jedenfalls keine Zweifel, dass ich dieses unbeständige Produkt nicht weiter nutzen werde.