Zitat
Original geschrieben von frank_aus_wedau
Die Idee halte ich gar nicht für schlecht - dennoch bin ich dagegen.
Es gibt auch in D viele Menschen, die auf Sozialleistungen angewiesen sind. Die Aktion "Aufrunden bitte" halte ich durchaus für geeinget, Betroffene, denen ein stetiges aufrunden schwer fällt, sozialem Druck auszusetzen. Steht man in einer Schlange mit Nachbarn, halte eine eine unerwünschte Einwirkung auf sozial Schwächere definitiv für möglich. Und dadurch wäre in meinen Augen die Grenze des Erträglichen überschritten.
Ich persönlich spreche mich ausdrücklich dagegen aus und werde - sollte ich an der Kasse darauf angesprochen werden - auch die passenden Worte finden.
Frankie
Danke für die klaren Worte!
Es wird wieder nur in die sozial schwachen hineinregiert.
Es macht einen großen Unterschied, ob einer an die Haustüren geht und nach dem Bibelwort "klopft, und es wird ihm aufgetan" oder ob er "bittet, und ihm wird gegeben", oder ob er "klopft und er wird barsch an bereits bestehende Hilfsangebote" verwiesen, wo ihm Sozialpädagogen ohne wirklich anzusehen was los ist, den Marsch blasen wo es lang geht.
Die Pfandautomaten von LIDL und EDEKA sind ebenfalls die Spitze des Eisbergs einer schädlichen Entwicklung, die die menschliche Autonomie von (doch allzuoft) unverschuldet in Not geratenen Menschen untergräbt.
Der von Frankie erwähnte "soziale Druck" / "Soziale Kontrolle" in Warteschlangen führt ja geradezu zum Zwangs-Outing Betroffener in der Öffentlichkeit.
Oft dienen die "Hilfsprojekte" hauptsächlich dem Ego, der Selbstdarstellung der "Zugpferde". Wenn ich Til Schweiger schon höre, *kotz*.
Die Pfandautomaten wo man den Pfandbon in eine Box stopfen muss, Edeka, oder wo der Automat das Pfand gleich auffrisst, haben den Nebeneffekt, dass die Öffentlichkeit meint, etwas für Arme tun zu können (Gewissen beruhigen.) Womöglich werden dann weniger Pfandbehälter im öffentlichen Raum zurückgelassen die die Betroffenen dann nicht mehr selber = autonom auflesen können.
Dem möchte ich den Ethik-Begriff der Bibel entgegenstellen, der genau entgegengesetzt die menschliche Würde und damit auch die Autonomie der Armen wahren möchte!
Das Beispiel der Feldecke illustriert das. Wikipedia zur "Feldecke"
So wie ich das verstanden habe: Jeder Bauer (in heutiger Sprache: Reicher, Eigentümer, Grundbesitzer, Geld-Inhaber) sollte da , wo er die Natur / den Wirtschaftskreislauf ausbeutet, eine Ecke stehen lassen - nicht bis zum Äussersten gehen, ein Zehntel der Getreidehalme (Weizen, Brot, ... sogar Geld) stehen lassen für die Armen die nachts kommen dürfen und - unter eigener körperlicher Leistung die ihnen verblieben ist - den Rest abernten dürfen! In heutiger Sprache: nicht den Markt auspressen bis nichts mehr übrig bleibt. Verzicht auf das oberste Quantil der Grenzerträge..
Der Grundgedanke der Feldecke wird heutzutage mit immer neuen Erfindungen des Sozial-Biotops gründlich mit Füßen getreten.
PFandbons angeblich Spendenzwecken zuzuführen bedeutet, das Geld kommt Sozialpädagogen zugute, die dann neue Macht haben als Verteiler von Wohltaten 
Das frühere Konzept bedeutete dagegen: Nicht das Letzte herausquetschen, Demut und Achtung vor dem Leiden anderer zeigen.
Sowohl die Aktion "deutschland rundet auf" als auch die Pfand-Spende-Systeme sind durch und durch egoistisch strukturiert und schaden dem sozialen Klima.
An einer bayerischen Uni gibt es eine Aktion, wo Pfandflaschen aus Cafeterien gesammelt werden und gebündelt abgegeben und das Geld in einer Spendenbürokratie zusammenläuft. Auch dies hat eine Verknappung freier Barmherzigkeit zur Folge;
es ist nur ein egoistischer Vorwand, zu behaupten es sei für die Armen "entwürdigend" in einen Abfalleimer zu greifen zwecks Pfandflaschen - in Wahrheit ist es entwürdigend wenn er das nicht mehr kann, weil White collar people ihm auch noch diese Grundlage entzogen haben.
Wie gesagt: Mit den althergebrachten ethischen Grundsätzen des Abendlandes sind diese "Spendenangebote" völlig unvereinbar!
Viel schwieriger ist es, den konkreten Bitten eines Armen konkret und korrekt zu begegnen. viel leichter ist es, ohne diese zu fragen irgendwelchen Zielgruppen in der Dritten Welt "Hilfsprogramme" überzubraten, - siehe Ulrich Wickert und seine Mädchenkampagnen, *kotz* - weil man dann als Befehlsgeber was gemacht wird auftritt.
Es geht um die Erkenntnis, dass man den Armen letztlich nur durch die Unterlassung von etwas ethisch Bösen (= alles abernten, Pfandbons monopolisieren und indirekt Pfand verknappen; Pfandbehälter den Armen wegnehmen indem sie organisiert gesammelt werden; Kleingeld-Münzen aus den Portemonnaies wegnehmen damit sie in der Fussgängerzone keinen Bettlern und Musikern mehr gespendet werden können ... und und und) helfen kann; das "Gutes" in Form von unerbetenen Gaben die an anderer Stelle mit untergrabener Autonomie und Unterwerfung verknüpft sind gar kein "Gutes" sein kann vom ethischen Standpunkt aus.