Im Fall einer spontan eintretenden, vollständigen Zerstörung mittels externer Explosion oder "Splitterteppich" hat der Flugschreiber nichts zum Aufzeichnen, was man zur Rekonstruktion benutzen könnte. Da wird dann nur der letzte flugfähige Zustand festgehalten sein, also Zeit, Richtung und Ort. Unabhänging vom Detailgrad und der Aufzeichnungsfrequenz ist der letzte Datensatz vorher noch perfekt, der nächste jedoch schon komplett fehlend, weil keine aufzuzeichnenden Daten (Turbinenleistung, Steuerelementausrichtung, GPS-Koordinaten, Cockpitakustik, Luftdruck,..) mehr produziert oder gemessen werden. Es wird ja bei einem Flugschreiber nicht so sein, daß die Daten so häufig und so genau aufgezeichnet werden können, daß man aus ihrem Ausfall eine Explosionswelle, und damit Art und externen Ort der Explosion bestimmen könnte, also eine Art Explosions-GPS. Bei einem Absturz ohne momentane, vollständige Zerlegung vergehen ja allein für den Übergang zwischen einwandfreier Fluglage in der Luft und Bodenaufprall mehrere Sekunden bis mehrere Minuten, deren Aufzeichnung dann eben Verlauf und Ursache rekonstruierbar machen können.
Gerede von einem mehrerer Szenariumsmöglichkeiten ist entweder einfältig oder aber manipulativ, um vom tatsächlichen Szenario und dessen mutmaßliche Ursache und dessen mutmaßliche Verursacher abzulenken. Allzuschnell und auch hier bezeichnen Alternativler die anderen Szenarien aufgrund ihrer - behaupteten, eigennützlichen - Möglichkeit für ebenso und jeweils gleich wahrscheinlich, nur weil sie alle als Szenario existieren. Daß der Wahrscheinlichskeitsgrad des einen Szenarios gegen 1 strebt und folglich die der anderen gegen 0, das wollen sie im Sinn ihrer Vernebelungs- und Ablenkungstatik natürlich nicht erwähnt sehen. Sowieso hat ja auch der Normalbürger seine Probleme und Abneigungen bezüglich Wahrscheinlichkeitsrechnung und verfällt selbst im gebildeten Fall einer strukturellen Binärlogik (zwei Möglichkeiten existieren, also sagt er fiftyfifty und hält auch beide schon für gleichwahrscheinlich).
Der Hammer ist natürlich - wieder mal - die Ignorierung des Russlandbezugs der ermittelten Beerdigungen und Verwundungen von Soldaten im russischen Bezirk Stawropol und die Übertragung einer schlechten Ableitung daraus auf die Ukraine, um deren Opferzahl zu schätzen und wörtlichen Sinn hochzurechnen. Die methodischen Mängel darin rücken es neben manipulierte, erdachte Wahl- und gefühlte Umfrageergebnisse. Also mal etwas gründlicher:
Tote und verwundete (also mutmaßlich zumindest schwerverletzte) russische Soldaten im Bezirk Stawropol: 400. Die Stadt Stawropol hat zwar 400.000 Einwohner, aber die Rede ist vom Bezirk Stawropol. Also nehmen wir großzügigerweise die zum Föderationskreis Nordkaukasus gehörige Region Stawropol (2.800.000 Einwohner) als Bemessungsgrundlage. Weiterhin hat das russische Militär 766.000 Soldaten (die 2 Millionen Reservisten betrachten wir der Einfachheit halber großzügigerweise als praktisch unangetastet) und Russland hat 143.600.000 Einwohner, das ergibt eine Militärquote von 5,3 Promille, was im Bezirk Stawropol eine Militärstärke von 15.000 erwarten lässt. Das bedeutet, daß 2,68 Prozent aller Soldaten des Bezirks schwerverletzt (verwundet) oder tot aus einer offiziell nicht vorhandenen Kriegführung zurückgekehrt sind. Dabei gehört ist weder der Bezirk Stawropol, noch der übergeordnete Nordkaukasische Föderationskreis (9.600.000 Einwohner) Nachbar der Ukraine, geschweige denn der Ostukraine, mangels Lage am Schwarzen Meer auch nicht darüber. Am Schwarzen Meer, an der Krim und an der Ostukraine liegt der Südrussische Föderationskreis mit seinen 14.000.000 Einwohnern mit fast all seinen Bezirken mindestens genauso nah am Konfliktherd wie der erwähnte Bezirk Stawropol. Seine Einwohnerzahl lässt eine Militärstärke von 74.000 vermuten. Die Anwendung der errechneten, soldatischen Opferquote würde eine Zahl von 2000 verwundeten oder toten Soldaten des Bezirks Südrussland ergeben, zusammen also 2400. Es müsste ja schon etwas konkretes gegen die Einbeziehung südrussischer Soldaten sprechen, um eine andere Opferquote annehmen zu können.
Wahrscheinlich müsste man auch mindestens noch die ebenfalls millionengroßen, an die Ukraine angrenzenden, näher als Stawropol dranliegenden Südbezirke Zentralrusslands einbeziehen. Der eigentlich militärische Hilfskonvoi kam ja sogar von weiter nördlich und die Truppenzusammenziehung im fünfstelligen Bereich entlang der Ostukraine muss ja einerseits irgendwo herkommen, aber auch nicht gerade aus Kamtschatka und Sibirien stammen.
Aber belassen wir es bei den vermutlich 2400 schwerverletzten und toten russischen Soldaten. In Ermangelung von Erfahrungswerten oder Anhaltspunkten lässt sich daraus ja nicht schließen, wieviele russische Soldaten insgesamt außerhalb Russlands, innerhalb der Ukraine eingesetzt werden - nur, daß es natürlich ein Vielfaches dessen ist. Selbst, wenn man aus welchen Gründen auch immer annimmt, daß ausschließlich stawropolsche, aber nicht südrussische Soldaten zum Einsatz kommen, ist ja eine allemal vierstellige Anzahl von russicher Soldaten in der Ostukraine anzunehmen.
So oder so muss angesichts der überschaubaren Separatistenzahl ein erheblicher bis überwiegender Teil aus russischen Soldaten bestehen. Gefechte zwischen Ukraine und Russland gab's ja nicht in größerem Umfang und die militärischen Grenzverletztungen werden aus den naheliegenden Gründen von Unterzahl/Übermacht und Militärschwäche/Militärstärke eine Einbahnstraße bilden. Und die russischen Militäropfer werden sich ja hoffentlich auch nicht vorwiegend gegenseitig überfahren und totgeschlagen haben in der Truppenmassierung auf russischer Seite.
Gehe ich eigentlich recht in der Annahme, daß sowas wie die inoffiziellen, aber nachvollziehbaren 400 russische Soldatenopfer aus Stawropol in den Medien schon aufgrund der nötigen Erklärungstiefe kaum oder gar nicht vorkommen werden? Mit sowas wie den obigen Absätzen wird ja niemand seine kostbare Nachrichtensendungszeit vollstopfen wollen und selbst in einem seriösen Zeitungsartikel ist das schwer unverkürzt vorstellbar. Wie immer ist es natürlich auch nun vorstellbar, daß die Grundlagen, Annahmen und Schlussfolgerungen deutlich falsch sind. Dann bitte ich um Hinweise oder Korrektur. (-:=